WEINSBERG 2009

Die Burgruine Weinsberg in der Nähe von Heilbronn liegt auf einer Höhe von 272 Meter mitten in den Weinbergen. Die Stauferstele steht am Fußweg, der zur Ruine hoch führt, knapp hundert Meter oberhalb der Johanniskirche.

Inschriften der 11. Stauferstele

Wappen des Herzogtums Schwaben

KÖNIG
KONRAD III.
EROBERT IM KAMPF
MIT HERZOG
WELF IV.
AM 21. DEZEMBER 1140
DIE BURG WEINSBERG
—————————————
ER GESTATTET DEN
·TREUEN WEIBERN
VON WEINSBERG·
FREIEN ABZUG
MIT IHRER HABE
SIE TRAGEN
IHRE MÄNNER
AUF DEM RÜCKEN
AUS DER BURG
·WEIBERTREU·



Wappen der Reichs

KONRAD III.
VON HOHENSTAUFEN
SOHN VON HERZOG
FRIEDRICH I.
VON SCHWABEN
UND SEINER GEMAHLIN
AGNES
VON WAIBLINGEN
ENKEL VON
KAISER HEINRICH IV.
—————————————
GEBOREN UM 1093
DEUTSCHER KÖNIG
SEIT 1138
GESTORBEN
AM 15. FEBRUAR 1152
IN BAMBERG
BEGRABEN
IM DOM
ZU BAMBERG
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FIORENTINO 2000 · HOHENSTAUFEN 2002
HAGENAU 2006 · WAIBLINGEN 2007
TRIFELS · LORCH · ADELBERG 2008
KLOSTERNEUBURG · BARI · BAD WIMPFEN 2009



Wappen der Welfen

BEIM KAMPF
UM DIE BURG
ENTSTAND
DER SCHLACHTRUF
·HIE WELF!
HIE WAIBLING!·
—————————————
WAIBLINGEN
·GHIBELLINIA·
KENNZEICHNET
SEITHER DIE
ANHÄNGERSCHAFT
DER STAUFER
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MARKUS WOLF FECIT MMIX



Wappen der Herren von Weinsberg

DIE HERREN
VON WEINSBERG
WAREN TREUE
GEFOLGSLEUTE
DER KAISER
UND KÖNIGE
AUS DEM HAUSE
HOHENSTAUFEN
—————————————
LUITGARD
DIE WITWE VON
ENGELHARD
VON WEINSBERG
STIFTETE UM 1242
DAS KLOSTER
LICHTENSTERN
———————————————————
IN MEMORIAM
MARGOT
1933-2007

Hintergrundinformationen zur Stauferstele

Die Stauferstele steht am Fußweg zur Ruine Weinsberg.

Die Burgruine Weinsberg ist bekannt durch die Treuen Weiber von Weinsberg, die ihre Männer nach der Eroberung der Burg vor der Hinrichtung retteten, indem sie sie auf dem Rücken den Berg hinuntertrugen.

Die Burg stammt aus ottonischer Zeit im 10. Jahrhundert und war 1037 Witwensitz von Adelheid von Metz, der Mutter von Konrad II., dem ersten Salierkaiser. 1140 war die Burg im Besitz der Welfen, die sich mit den Staufern um die Macht im Reich und in Schwaben stritten. Der Stauferkönig Konrad III. belagerte die Burg mehrere Wochen lang und schlug am 21. Dezember 1140 in offener Feldschlacht den zum Entsatz herangeeilten Welf VI. Kurz darauf ergab sich die Burg.

Konrad III. Miniatur aus der Chronica Regia Coloniensis.

Laut der Chronica regia Coloniensis (dt.: Kölner Königschronik), einem im 12. und 13. Jahrhundert entstandenen Geschichtswerk, versprach Konrad III. den Frauen freien Abzug und gab die Erlaubnis, dass jede forttragen dürfe, was sie auf ihren Schultern tragen kann. Die Frauen aber ließen ihren Hausrat zurück, trugen die Männer auf ihren Schultern herab und retteten ihnen so das Leben.

Und der Stauferkönig hielt sein Wort: Als Konrads Bruder Herzog Friedrich II. von Schwaben das Vorgehen der Frauen als Missbrauch des Entgegenkommens kritisierte, soll dieser die Kritik von sich gewiesen haben: "Regium verbum non decere immutare" (dt.: Es ziemt sich nicht, das Wort eines Königs zu verändern).

Im Museum im Rathaus von Weinsberg ist zu erfahren, dass rund fünfzig Orte im In- und Ausland eine ähnliche Begebenheit für sich reklamieren. Dieses Phänomen nennt man Wandersage. Die Weinsberger Version gilt auf Grund ihrer Erwähnung in der Kölner Königschronik als historisch gesichert und ist wahrscheinlich der Ausgangspunkt dieser Wandersage.

A. D. 1140. rex urbem Welponis ducis Baioariorum, Winesberg dictam, obsedit et in deditionem accepit, matronis ac ceteris feminis ibi repertis hac regali liberalitate licentia concessa, ut quaeque humeris valerent deportarent. Quae tam fidei maritorum quam sospitati ceterorum consulentes, obmissa suppellectili descendebant viros humeris portantes. Duci vero Friderico ne talia fierent contradicente, rex favens subdolositati feminarum dixit, regium verbum non decere immutare.

Annales Colonienses maximi. In: Georg Heinrich Pertz u. a. (Hrsg.): Scriptores 17 - Annales aevi Suevici. Hannover 1861, S. 723-847, hier: S. 759.


Im Jahr des Herrn 1140 belagerte der König eine Stadt des Herzogs Welf von Bayern, Weinsberg genannt, und nahm die Unterwerfung an, wobei er den Ehefrauen und den übrigen Frauen, die sich dort befanden, aus königlicher Freigiebigkeit erlaubte, mitzunehmen, was sie auf den Schultern tragen konnten. Indem sie die Treue zu den Ehemännern ebenso wie das Wohlbefinden der übrigen bedachten, gaben diese ihren Hausrat auf und stiegen herab, die Männer auf ihren Schultern tragend. Als Herzog Friedrich widersprach, dass sie solches nicht tun sollten, sagte der König wohlwollend gegenüber der Hinterlist der Frauen, es zieme sich nicht, das Wort eines Königs zu verändern.

Mit der Kapitulation kam die Burg in den Besitz der Staufer, die die ursprünglich in Lindach bei Schwäbisch Gmünd ansässigen Herren von Weinsberg als Dienstmänner einsetzten. Heinrich (VI.), der minderjährige Sohn und Mitkönig von König Konrad III., hielt sich 1148 hier auf. Sein jüngerer Bruder Friedrich führte neben dem Titel eines Herzogs von Schwaben und Rothenburg auch den eines Herzogs von Weinsberg (Fridericus dux de winisperg). Der Seligenstädter Vertrag erwähnt die Burg (castrum Winisperch) als Teil der Morgengabe für die künftige Ehefrau von Konrad, einem Sohn von Kaiser Friedrich I. Barbarossa.

Die Herren von Weinsberg befestigten die Siedlung Weinsberg, woran noch der Anfang des 13. Jahrhunderts als Teil der südlichen Stadtmauer erbaute Wachturm mit seinen für die Stauferzeit typischen Buckelquadern erinnert. Auch der Geisterturm im Garten des Kernerhauses und die romanische Johanniskirche stammen aus der Stauferzeit. Im Reichssteuerverzeichnis von 1241 wird Weinsberg (Winsberc) mit 60 Mark Steuern genannt, woraus man schließen kann, dass die Siedlung zu diesem Zeitpunkt bereits zur Stadt erhoben war.

1504 eroberte Herzog Ulrich von Württemberg im Landshuter Erbfolgekrieg Burg und Stadt Weinsberg nach dreiwöchiger Belagerung. Durch Kanonenbeschuss erlitt die Burg erhebliche Schäden am Bergfried und an der nördlichen Ringmauer. – Im Bauernkrieg wurde die Burg 1525 vollends zerstört.

Herzog Johann Friedrich von Württemberg versuchte vor oder zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges, die Ruine erneut befestigen zu lassen, vollendete seine Bemühungen aber nicht. Aus dieser Zeit stammt der Dicke Turm.

Anschließend verfiel die Burg und wurde von den Weinsbergern als kostenloser Steinbruch genutzt. Der Dichter Justinus Kerner, der 1819 als Oberamtsarzt nach Weinsberg kam, verhinderte den weiteren Verfall. Von Kerner stammt unter anderem auch die Ballade vom Geiger zu Gmünd.

Die Ruine ist umringt von Weinbergen des Staatsweinguts Weinsberg der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau Weinsberg.

Die Weinberge am Burgberg sind steil, teils horizontal terrassiert und teils in der Falllinie vertikal angepflanzt. Foto: Staatliche Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau Weinsberg.

Erläuterung der Inschriften

Stauferlöwen. Konrad III., der erste König aus dem Hause der Staufer, belagerte 1140 die Burg Weinsberg und eroberte sie im Kampf gegen Welf VI. Damals sollen die Treuen Weiber von Weinsberg ihre Männer aus der Burg getragen haben. Aus diesem Grund wird die Burg auch Weibertreu genannt.

Dieses um 1200 in Sandstein gehauene Welfenwappen aus dem Kloster Steingaden mit dem steigenden Löwen ist das älteste heraldische Denkmal aus Deutschland. Heute ist es im Bayerischen Nationalmuseum, München.

Reichsadler. Der erste Stauferkönig Konrad III. war der Sohn des ersten Stauferherzogs Friedrich I. von Schwaben und dessen Ehefrau Agnes von Waiblingen, Tochter des Salierkaisers Heinrich IV. Er wurde gegen seinen Wunsch nicht im staufischen Hauskloster Lorch, sondern im Bamberger Dom beigesetzt, woran die Stauferstele Bamberg erinnert. – Auf dem Sockel der Stauferstele sind die Stätten der bis zu diesem Zeitpunkt bereits aufgestellten anderen zehn Stauferstelen genannt.

Welfen. Die Vorlage des Bildhauers für das Welfenwappen stammt aus dem Kloster Steingaden. Die Welfen waren immer wieder Gegenspieler der Staufer. Im Kampf zwischen den Welfen und Staufern um die Burg Weinsberg soll der Schlachtruf "Hie Welf! Hie Waibling!" entstanden sein. Waiblingen (ital.: Ghibellinia) steht für die Anhänger der Staufer. Siehe auch Stauferstele Waiblingen. – Auf dem Sockel ist der Bildhauer Markus Wolf, der die Stauferstele im Jahr 2009 machte (lat.: fecit), genannt.

Schloss Lindach bei Schwäbisch Gmünd mit dem Erdgeschoss eines Wohnturms aus der Stauferzeit (rechts), dessen Buckelquaderwände 3,5 Meter stark sind. Das obere Geschoss des Wohnturms wurde in der Renaissance neu gebaut und mit einem runden Treppenturm zugänglich gemacht. – Von hier stammen die von Konrad III. eingesetzten Herren von Weinsberg.

Weinsberg. Die Herren von Weinsberg, deren Wappen mit drei silbernen Schilden in rotem Feld hier abgebildet ist (also nicht das Wappen der Stadt Weinsberg), wurden nach der Eroberung der Burg durch Konrad III. als Ministerialen zu deren Verwaltung eingesetzt. Sie stammten ursprünglich von der Burg Lindach bei Schwäbisch Gmünd, hatten im 14. und 15. Jahrhundert wichtige Ämter inne (Reichserbkämmerer, Reichshofrichter, Erzbischof von Mainz, Kanzler, Reichsmünzmeister) und starben 1515 mit dem Tod von Philipp dem Jüngeren von Weinsberg in männlicher Linie aus.

Klosterkirche Lichtenstern.

Luitgard, geborene Schenkin von Limpurg und Witwe Engelhards III. von Weinsberg stiftete um 1242 das Zisterzienserinnenkloster Lichtenstern. Bis zum Ende des 13. Jahrhunderts entstand zwölf Kilometer südöstlich von Weinsberg in Löwenstein eine von einer Mauer umschlossene Klosteranlage, von der noch die 1280 erbaute Klosterkirche zeugt. Heute nutzt eine evangelische Stiftung die Anlage für Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung.

Auf dem Sockel der Stauferstele steht, an wen die Stele erinnern (lat.: in memoriam) soll. Der Stifter selbst ist, anders als bei den meisten anderen Stelen, nicht genannt.

Blick auf Weinsberg. Die romanische Johanniskirche (Bildmitte) stammt aus der Stauferzeit.

Reste des Bergfrieds, dem ältesten Teil der Burg. – Hans Baldung Grien: Burg Weinsberg, 1515, Silberstiftzeichnung, Kunsthalle Karlsruhe. Die bei der Eroberung 1504 entstandenen Schäden sind deutlich zu erkennen.

Die Johanniskirche ist eine romanische Basilika, die Anfang des 13. Jahrhunderts wahrscheinlich von den Herren von Weinsberg gestiftet wurde. Um 1240 wurde der unten quadratische und weiter oben achteckige Chorturm angebaut. Das Langhaus mündete damals im Osten in einen erhöhten Chor, den südlich und nördlich zwei Apsiden flankierten. Als dritter Bauabschnitt wurde um 1350 der gotische Ostchor angefügt. – Der Wachturm mit seinen für die Stauferzeit typischen Buckelquadern war ein Teil der ebenfalls Anfang des 13. Jahrhunderts errichteten Stadtbefestigung.

Die Weibertreu-Sage

Überm Städtchen Weinsberg liegt eine Burgtrümmer, insgemein die Weibertreue geheißen, von der die Sage eine der allbekanntesten ist in allen deutschen Gauen. Es geschah im Jahre des Herrn 1140, daß König Konrad III. von Hohenstaufen die Stadt Winesberg am Neckar belagerte, die dem Herzoge Welf von Bayern zuständig war. König Konrad von Schwaben war zu Waiblingen geboren und wurde von seinem Kriegsvolk der Waiblinger geheißen, der Bayerherzog aber, Konrads Gegner, hieß Welf, daraus entstanden die Feldschreie: Hie Welf, hie Waibling! Dieses verwelschten hernach italienische Truppen in Guelf und Ghibellin, und so ist die Benennung Welfen und Ghibellinen aufgekommen. Da nun Welf eine Schlacht bei Waiblingen verloren hatte, warf er sich mit den Seinen in das Schloß Weinsberg, konnte aber eine lange Belagerung darin nicht aushalten, sondern mußte um Gnade nachsuchen.

Nun hatte der Kaiser auf dringendes Bitten den Frauen freien Abzug gewährt, und daß eine jede von ihrem Schatz mit sich tragen dürfe, soviel sie könne, die Männer aber sollten alle über die Klinge springen. Die Frauen aber dachten mehr an die Treue, die sie ihren Männern schuldig waren, als daran, ihre Fahrnis zu retten und zu bergen, und nahm eine jede ihren Mann auf den Rücken, und ging die Herzogin Jutta mit ihrem Gemahl Welf voran den Berg hinab, und die andern folgten in langer Reihe. Das gefiel dem Kaiser über die Maßen wohl, und begnadigte auch die Männer, obschon sein Bruder, Herzog Friedrich, Einsprache tat und solche Gnade nicht guthieß. Da antwortete ihm aber der Kaiser: Regium verbum non decere immutari: am Königswort ziemt nicht zu rütteln.

Als der Florentiner Fürst Lorenz von Medici, da er erkrankt war, auf seinem Lager dieses Ereignis las, lachte er sich gesund darüber, so wohl gefiel ihm dieser treue deutsche Ernst, den er wohl nicht für Scherz nehmen mochte, wie Deutsche selbst getan, welche die schöne Frauentat aus der Geschichte hinaus haben leugnen oder spötteln wollen.

Es findet diese Sage von der Weibertreue, welcher Name auf die Burg Weinsberg vom Volke vor undenklicher Zeit übertragen ward, in deutschen Gauen mehr als an einem Ort ihren Widerhall, wenn auch nur immer eine einzelne Frau das tut, was hier von vielen geschah. Im Sachsenlande war ein Ritter von Staupitz in Fehde mit einem Ritter von Beerwalde und gewann diesem sein Schloß Kriebstein ab, warf sich mit den Seinen hinein und wehrte sich wacker, als Friedrich der Streitbare, der erste Kurfürst von Sachsen, beider Ritter Lehensherr, von dem verdrängten Beerwalder zu Hülfe gerufen, den Kriebstein belagerte. Da erflehte auch, wie sich die Burg nicht länger halten konnte, die Frau von Staupitz freien Abzug mit ihrem Heiratsgut, und der Kurfürst gewährte ihr dessen, so viel sie tragen könne. Und da trug sie ihren Gatten auf ihren Schultern herab als ihr bestes Gut, das sie erheiratet, und Kurfürst Friedrich sprach dasselbe, was Konrad III. gesprochen: Wenn einem Fürsten die Treue nichts mehr gilt, für wen soll sie dann noch einen Wert haben? – Das trug sich zu im Jahr 1415.

Gleich treuer Sinn lebte in der Königstochter, die vom König Grünewald freien Abzug für sich und ihr Gut begehrte und ihren Vater von dannen führte, und im Schwabenlande selbst hat sich's 1499 begeben, daß die Freifrau von Thengen auf Burg Rosenegg im Hegau, ohnweit Hohentwiel, im Schwabenkriege ebensolche Treue an ihrem Gemahl bewies.

Ludwig Bechstein: Deutsches Sagenbuch. 1853, Kapitel 889.

Hans Kloss: Stauferrundbild, Ausschnitt mit der Belagerung der Burg Weinsberg, Kloster Lorch, 2002.

Das am 26. Juni 1993 eingeweihte Weibertreu-Denkmal des Bildhauers Joseph Michael Neustifter vor dem Weinsberger Rathaus.

Stifter der Stauferstele

Hermann Windmüller
In memoriam Margot (1933-2007)

Einweihung: 19. September 2009


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