KLOSTER ADELBERG 2008

Stauferstele vor dem Hintergrund der drei "Kaiserberge", von links nach rechts Rechberg, Stuifen und Hohenstaufen. Foto: Wikipedia.

Inschriften der 7. Stauferstele

Wappen von Ebersbach

VOLKNAND
VON STAUFEN
UND EBERSBACH
† VOR 1188
VETTER VON
KAISER
FRIEDRICH I.
BARBAROSSA
† 1190
—————————————
STIFTET DAS
PRÄMONSTRATENSER
KLOSTER
ADELBERG
1178



Wappen des Reichs

IM BEISEIN
VON KAISER
FRIEDRICH I.
BARBAROSSA
UND SEINER SÖHNE
KÖNIG HEINRICH VI.
UND PHILIPP
VON SCHWABEN
—————————————
WEIHT BISCHOF
HERMANN
VON MÜNSTER
AM 1. MAI 1188
DEN HAUPTALTAR
DER KLOSTERKIRCHE
———————————————————
URSULA ET ALBRECHT EGERER DEDERUNT
SOCIETAS REGIS TUBINGENSIS >ROIGEL<
MARKUS WOLF FECIT MMVIII



Wappen der Prämonstratenser

KONRAD
VON STAUFEN
UND WALDHAUSEN
† 1241
KÄMMERER
DER KAISER
FRIEDRICH I.
BARBAROSSA
UND HEINRICH VI.
—————————————
UM 1193
CHORHERR
IN ADELBERG
VON 1220 BIS 1233
OBERHAUPT DES
ORDENS DER
PRÄMONSTRATENSER



Wappen des Herzogtums Schwaben

PHILIPP
VON SCHWABEN
IN ADELBERG
AUSGEBILDET 1188-1189
DEUTSCHER KÖNIG 1198
ERMORDET
AM 21. JUNI 1208
IN BAMBERG
BEGRABEN ZU SPEYER
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SEINE WITWE
IRENE MARIA
VON BYZANZ
DIE ROSE OHNE DORN
STIFTET PHILIPPS
LETZTEM WILLEN
GEMÄSS DEM KLOSTER
EINEN HOF IN
OBERESSLINGEN
EINE WOCHE
VOR IHREM TOD
AM 27. AUGUST 1208
AUF DEM
HOHENSTAUFEN
BEGRABEN ZU LORCH
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FIORENTINO 2000 · HOHENSTAUFEN 2002
HAGENAU 2006 · WAIBLINGEN 2007
LORCH · TRIFELS 2008

Hintergrundinformationen zur Stauferstele

Die Stele vor dem Haupteingang des Kloster Adelberg.

1054 wurde an der Stelle der heutigen Ulrichskapelle im Kloster zu Ehren des 993 heiliggesprochenen Augsburger Bischofs Ulrich I. eine Kapelle geweiht. Ein Nachkomme der Kapellenstifter war Volknand von Staufen (*1110/15 † vor 1188). Dieser stiftete 1178 das Kloster Adelberg als Prämonstratenserstift. 1188 wurde neben dem Männerkloster ein Frauenkloster errichtet. Beide Konvente existierten fast dreihundert Jahre nebeneinander, bis die Frauen 1476 nach Lauffen am Neckar umzogen.

Kaiser Friedrich I. Barbarossa stellte das Kloster 1181 unter seinen Schutz. Dies geschah bei seinem einzigen bezeugten Aufenthalt auf der Burg Hohenstaufen, dem Stammsitz der Staufer, der zehn Kilometer östlich vom Kloster Adelberg liegt. In dieser Urkunde wird Volknand als Folkenando, ministeriali nostro de Stowfen, qui fundator fuit loci illius (dt.: Volknand, unser Ministeriale von Staufen, der Gründer dieses Ortes war) bezeichnet. Er wird unter den Zeugen der Urkunde an achter Stelle mit drei anderen Personen genannt: Volknandus, Fridericus, Cunradus, Bernoldus de Stovfen.

In dem Schutzbrief von 1881 bestimmt der Kaiser, dass immer ein Herr von Staufen Vogt des Klosters Adelberg sein solle, die Wahl von Untervögten aber vom Propst und Konvent des Klosters abhängen solle (lat.: Volumus etiam ut nullum habeant advocatum preter illum qui est vel erit dominus de Stowfen; nullum habeant subadvocatum nisi quem prepositus et conventus de Adelberg elegerint.) Volknand, der erste Vogt, starb Anfang der 1180er Jahre kinderlos, bevor das Kloster fertiggestellt war. Die Vogtei ging dann an Ministerialen, die über mehrere Generationen Friedrich von Staufen hießen.

Kaiser Friedrich I. Barbarossa war am 1. Mai 1188 gemeinsam mit seinen Söhnen König Heinrich VI., Herzog Friedrich V. von Schwaben und dem späteren König Philipp von Schwaben bei der Weihe des Hauptaltars der Kirche des Klosters persönlich zugegen. Kaiser, König und Herzog gleichzeitig bei einem Weiheakt – diese Ehre ist nicht vielen Orten zuteilgeworden, vielleicht war es nur einem Zufall zu verdanken. Die Kirche war zu diesem Zeitpunkt noch im Bau, sie wurde erst vierzehn Jahre später geweiht. Möglicherweise ist die Altarweihe angesichts des für 1189 geplanten Kreuzzugs, auf dem Kaiser Friedrich I. Barbarossa und sein Sohn Herzog Friedrich V. von Schwaben ums Leben kommen sollten, vorgezogen worden.

König Philipp von Schwaben, der der Sage nach die Adelsberger Klosterschule besucht haben soll, war mit der byzantinischen Kaisertochter Irene verheiratet, die nach seinem letzten Willen eine Woche vor ihrem Tod dem Kloster Adelberg eine bedeutende Schenkung gemacht hat.

Ein Jahrhundert nach Untergang der Staufer geriet der Konvent 1372 unter württembergische Herrschaft. Das 15. Jahrhundert brachte eine wirtschaftliche Blütezeit und ließ Adelberg zu einem der reichsten Stifte in Württemberg werden.

Wurde Philipp von Schwaben in Adelberg ausgebildet?

Die Inschrift suggeriert, dass die Ausbildung Philipps in Adelberg eine historische Tatsache ist.
Der frühere Göppinger Kreisarchivar Walter Ziegler schrieb 1977, dass Philipp von Schwaben "der Sage nach" die Adelberger Klosterschule besucht haben soll.1 Dabei bezog er sich auf den Wengener Propst Michael Kuen (1709-1765), der im 18. Jahrhundert behauptete, Kaiser Friedrich habe Philipp, seinen jüngsten Sohn, dorthin zur Ausbildung geschickt. Der Lehrer in Adelberg habe Rudolphus geheißen.2

Drei Jahrzehnte später – Ziegler war inzwischen im Komitee der Stauferfreunde für die Inschriften der Stelen verantwortlich – verwandelte er diese Sage in eine historische Tatsache.3 Seine einzige neue Erkenntnis war aber, dass Kuens Bericht von 1768 eine wörtliche Abschrift4 eines Berichts ist, den der Roggenburger Geistliche Friedrich Rommel im Jahre 1629 verfasst hatte.5

Rommel hatte damals keinen Zugang zum Adelsberger Archiv. Er bezog zwar die Annales Suevici des Tübinger Historiker Martin Crusius (1526-1607) und eine heute verschollene Darstellung des Adelsberger Subpriors Rudolf Ehrmann mit ein, die auch Crusius kannte,6 der aber nichts über Philipps angebliche Ausbildung in Adelberg berichtete.

Dass Rommels Klostererzählung aus dem 17. Jahrhundert eine historische Tatsache wiedergibt, versucht Ziegler mit folgenden Argumenten beweisen:

Da die Adelberger Klosterkirche bei ihrer Weihe am 1. Mai 1188 erst in ihren Fundamenten erkennbar war,11 würde man, hätte man wirklich nur die Wahl zwischen Adelberg und Hohenstaufen, wohl eher zum letzteren tendieren. Tatsächlich gab es 1188/89 aber Dutzende weiterer Orte, die für die Ausbildung Philipps hervorragend geeignet gewesen wären.

Historisch korrekt wäre es gewesen, die Ausbildung Philipps – ähnlich wie auf der Schwäbisch Gmünder Stauferstele die mit Agnes von Waiblingen verknüpfte Gründung der Johanniskirche – als Sage zu kennzeichnen.

Winterliche Abendstimmung beim Kloster Adelberg. Die drei "Kaiserberge", von links nach rechts Rechberg, Stuifen und Hohenstaufen, liegen noch in der Sonne.

Erläuterung der Inschriften

Ebersbach. Volknand von Staufen (*1110/15 † vor 1188) stiftete das Kloster im Jahre 1178.

Dass Volknand ein Vetter von Kaiser Friedrich I. Barbarossa (*1122 †1190) war, ist rein spekulativ. In einer Urkunde aus dem Jahr 1629 ist von Volknands Vöttern Kayser Friedericum Barbarossam die Rede.12 Über eine unbekannte Mutter Volknands, die mit Volknand von Toggenburg verheiratet gewesen sein soll, soll eine Abstammungslinie zurück zu Ludwig von Staufen führen, der Volknands Urgroßvater gewesen sein soll.13 Dieser Ludwig von Staufen (†1103) war von 1094 bis 1103 Pfalzgraf in Schwaben. Er war ein Bruder von Herzog Friedrich I. von Schwaben, der wiederum der Großvater von Kaiser Friedrich I. Barbarossa war. Friedrich von Büren, der Urgroßvater Barbarossas, wäre nach dieser Theorie gleichzeitig der Ururgroßvater von Volknand. Abgesehen davon war der eine dieser beiden hypothetischen Vettern ein Ministeriale, also ein unfreier Dienstmann (von lat. minister = Diener) der Staufer, der andere aber der Kaiser des Heiligen Römischen Reiches.

Nach Ebersbach wurde Volknand erst postum ab dem 15. Jahrhundert zubenannt.14


Kaiser Friedrich I. Barbarossa mit zwei Söhnen (rechts) bei der Altarweihe 1188 durch Bischof Hermann II. (Mitte). Volknand (links) war in Wirklichkeit zu diesem Zeitpunkt bereits verstorben. Fresko in der gotischen Ulrichskapelle im Kloster Adelberg, 16. Jahrhundert.

Reichsadler. Zehn Jahre nach der Klostergründung wurde der Kirchenaltar geweiht. Kaiser Friedrich I. Barbarossa war mit seinen Söhnen König Heinrich VI., Herzog Friedrich V. von Schwaben und dem späteren König Philipp von Schwaben persönlich zugegen. Fürstbischof Hermann II. von Katzenelnbogen (*1130/40 †1203) war wie schon sein Vater ein treuer Gefolgsmann der Staufer. Hermann war vor seiner Ernennung zum Bischof von Münster Domkanoniker in Würzburg. Er vertrat die Interessen Barbarossas auf Reichstagen und war zeitweilig dessen Berater.

Auf dem Sockel werden die Stifter (lat.:dederunt, dt. gaben) genannt, die der Tübinger Königsgesellschaft Roigel, einer 1838 gegründeten Studentenverbindung, angehören. Markus Wolf ist der Bildhauer, der die Stele 2008 machte (lat.: fecit).

Prämonstratenser. Konrad von Staufen und Waldhausen war 1188 bis 1193 Kämmerer von Kaiser Friedrich I. Barbarossa und Kaiser Heinrich VI. Er schenkte dem Prämonstratenserkloster Adelberg einen Pfleghof in Göppingen. Konrad war Chorherr in Adelberg und brachte es schließlich zum Oberhaupt der Prämonstratenser als Abt im französischen Prémontré.15

Stauferlöwen. Der spätere König Philipp von Schwaben soll der Sage nach die Adelberger Klosterschule besucht haben. Er wurde 1208 aus privaten Motiven in Bamberg ermordet, zunächst dort bestattet, aber später von seinem Neffen Kaiser Friedrich II. nach Speyer umgebettet. Seine Witwe Irene Maria von Byzanz starb kurz darauf auf der Burg Hohenstaufen. Vorher stiftete sie dem Kloster Adelberg einen Hof in Oberesslingen. Sie ist im Kloster Lorch bestattet, wo ebenfalls eine Stauferstele zur Erinnerung an Irene steht. Siehe auch: Staufer-Königin Irene - Rose ohne Dornen. – Auf dem Sockel werden die bisherigen sechs Stauferstelen aufgezählt, beim Kloster Adelberg steht die siebte.

1.  Walter Ziegler: Der Gründer Adelbergs: Volknand von Staufen-Toggenburg, ein Vetter Barbarossas. In: Walter Ziegler (Hrsg.): Hohenstaufen. Stauferforschungen im Stauferkreis Göppingen, Göppingen 1977, S. 45-93, hier: S. 52.
2.  Michael Kuen: Collectio Scriptorum Rerum Historico-Monastico-Ecclesiasticarum Variorum Religiosorum Ordinum, Band 6, Ulm 1768, S. 28.
3.  Walter Ziegler: Philipp, Adelberg und der Hohenstaufen. In: Karl-Heinz Rueß (Hrsg.): Philipp von Schwaben. Ein Staufer im Kampf um die Königsherrschaft, Göppingen 2008, S. 62-121, hier: S. 63-68.
4.  Ziegler (2008) S. 107-108, Fußnote 10.
5.  Friedrich Rommel (Romelius): Adelberga illustre apud Würtenpergios candidi ordinis coenobium. Klostergeschichte zur Begründung der Restitution, datiert Roggenburg 11. November 1629. In: Michael Klein: Die Handschriften der Staatsarchive in Baden-Württemberg, Band 1, Die Handschriften der Sammlung J1 im Hauptstaatsarchiv Stuttgart, Wiesbaden 1980, S. 254.
6.  Ziegler (2008) S. 64.
7.  Ziegler (2008) S. 64.
8.  Ziegler (2008) S. 68.
In einer zwischen 1191 und 1208 entstandenen Weingartener Chronik (Hugonis et Honorii chronicorum continuationes Weingartenses, Monumenta Germaniae Historica Scriptores 21, S. 478.) wird von Friedrich I. Barbarossa berichtet: Philippum vero minimum cuidam scolastico Coloniensi in clericum educandum commisit (dt.: Philipp aber, den jüngsten, vertraute er einem Kölner Scholaster zur kirchlichen Erziehung an). Dies muss aus dem Kontext heraus 1188/1189 geschehen sein. Der Kölner Domscholaster war damals ein Magister Rudolf. Ziegler glaubt, dass nicht Philipp nach Köln geschickt, sondern der Kölner Domscholaster nach Adelberg geholt wurde.
9.  Ziegler (2008) S. 68.
10.  Ziegler (2008) S. 68.
11.  Ziegler (2008) S. 66.
12.  Ziegler (1977) S. 54.
13.  Ziegler (1977) S. 72 f.
14.  Ziegler (1977) S. 47.
15.  Walter Ziegler: Konrad von Waldhausen-Staufen (ca. 1161 - 1241): Vom kaiserlichen Kämmerer zum Abt von Prémontré. In: Analecta Praemonstratensia Bd. 83 (2007) S. 336-346.

Stifter der Stauferstele

Ursula und Albrecht Egerer
von der Königsgesellschaft Tübingen "Roigel"

Einweihung: 17. Oktober 2008


Kloster Adelberg liegt an der "Straße der Staufer"

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