WAIBLINGEN 2007

Die Stauferstele in Waiblingen steht beim Hochwachturm, der in seinem unteren Teil in das staufische Zeitalter zurückreicht. Die Adresse ist Beim Hochwachtturm 5.

Inschriften der 4. Stauferstele

Wappen von Waiblingen

WAIBLINGEN
STÄTTE
DER SALIER
UND STAUFER
DE QUARTO HENRICO
IMPERATORE NATO
A LOCO QUI DICITUR
GUEIBELINGE
ET EST COGNOMEN
OMNIUM
HENRICORUM
GOTTFRIED VON VITERBO
UM 1185



Wappen des Reichs

FAMILIA
HEINRICORUM
DE GUEIBELINGA
KONRAD II.
† 1039
GISELA VON SCHWABEN
† 1043
HEINRICH III.
† 1056
HEINRICH IV.
† 1105
HEINRICH V.
† 1125
—————————————
AGNES
VON WAIBLINGEN
† 1143
FRIEDRICH
VON SCHWABEN
† 1105
STAMMELTERN
DER STAUFER
———————————————————
FIORENTINO 2000 · HOHENSTAUFEN 2002
HAGENAU 2006 · WAIBLINGEN 2007



Wappen von Jesi

PARTNERSCHAFT
GEMELLAGGIO
1996
WAIBLINGEN
JESI IN DEN MARKEN
GEBURTSORT
VON KAISER
FRIEDRICH II.
1194-1250



Wappen des Herzogtums Schwaben

HIE WELF!
HIE WAIBLING!
KONRAD III.
†1152
FRIEDRICH I.
† 1190
HEINRICH VI.
† 1197
PHILIPP
† 1108
FRIEDRICH II.
† 1250
KONRAD IV.
† 1154
KONRADIN
† 1268
———————————————————
EVA MAYR-STIHL ET ROBERT MAYR DEDERUNT
MARKUS WOLF FECIT MMVII

Hintergrundinformationen zur Stauferstele

Die Stauferstele steht beim Hochwachturm, der in seinem unteren Teil in das staufische Zeitalter zurückreicht. Der Turm ist der Rest einer noch unbekannten Anlage. Er wurde im 13. Jahrhundert in die Wehrmauer der Stadt integriert. Von seinem Türmerzimmer und Umgang aus hat man eine hervorragende Aussicht auf die Umgebung und das Remstal. Im Hochwachtturm befindet sich seit 2006 die Achim von Arnim-Stube, ein kleines Literaturmuseum, das an Achim von Arnims historischen, in Waiblingen spielenden Roman Die Kronenwächter (1817) erinnert. In Vitrinen, mit Schautafeln, Handschriften und Faksimiles wird im Zusammenhang mit diesem Roman die Entstehung des Waiblinger Staufer-Mythos dokumentiert.

In Waiblingen lässt sich eine Besiedlung bereits um 5000 v. Chr. nachweisen. Im 8. Jahrhundert wurde Waiblingen zu einem Mittelpunkt der fränkischen Reichsgutverwaltung und kam in den Besitz der Karolinger. Es entstand eine archäologisch bisher nicht nachgewiesene Königspfalz. Dort wurde Waiblingen 885 in einer Urkunde von Kaiser Karl III. erstmals als Uueibelingen schriftlich erwähnt. Waiblingen blieb auch unter den nachfolgenden Herrscherdynastien der Ottonen, Salier und Staufer Königsgut, bis es wahrscheinlich um 1200 zu Württemberg kam. Um 1250 erfolgte die Verleihung des Stadtrechts, 1315 wurde es wieder württembergischer Besitz.

Werner Frasch:

Eine Schlacht verhindert und zwei Dynastien gegründet

Agnes von Waiblingen war die Stammmutter der Staufer und der Babenberger-Herzöge PDF 447 KB

Auf der Stauferstele wird die Überlieferung des italienischen Geschichtsschreibers Gottfried von Viterbo zitiert, derzufolge Kaiser Heinrich IV. in Waiblingen geboren sein soll. Man geht jedoch davon aus, dass Goslar der Geburtsort von Heinrich IV. ist.1 Heinrich IV. war der Salierkaiser, der durch den Gang nach Canossa in die Geschichte einging. Er ernannte einen seiner wichtigsten Anhänger, den Staufer Friedrich I., zum Herzog von Schwaben und gab ihm seine Tochter Agnes als Ehefrau. Agnes, von der nicht auszuschließen ist, dass sie vielleicht in Waiblingen geboren wurde, wird neuerdings von den Historikern Agnes von Waiblingen genannt.

Obwohl der Leitname der Staufer Friedrich war, wurden sie, nachdem sie schließlich die Nachfolge der Salier angetreten hatten, auch Heinriche genannt. Es ist nicht überliefert, dass jemals ein staufischer Herrscher Waiblingen betreten hat. Dennoch wurden die Anhänger der Staufer von manchen Zeitgenossen Waiblinger genannt.

Bei Kämpfen zwischen den Welfen und den Staufern soll der Schlachtruf gelautet haben: Hie Welf! Hie Waibling!, so auch bei dem Kampf um die Burg Weinsberg. In Italien wurden diese Begriffe als Guelfen (Welfen) und Ghibellinen (Waiblinger) auch noch nach dem Untergang der Staufer für unterschiedliche politische Richtungen verwendet.

Duae in Romano orbe apud Galliae Germaniaeve fines famosae familiae hactenus fuere. Una Heinricorum de Gueibelinga, alia Gwelforum de Aldorfio, altera imperatores, altera magnos duces producere solita.

Zwei berühmte Familien waren bis dahin im römischen Reich im Gebiet von Gallien und Germanien. Die einen die Heinriche von Waiblingen, die anderen die Welfen von Altdorf, die einen pflegten Kaiser, die anderen große Herzöge hervorzubringen.

Otto Bischof von Freising: Gesta Friderici I. Imperatoris, um 1156.2

Erläuterung der Inschriften

Waiblingen. Das Wappen zeigt unter schwarzem Schildhaupt in Silber drei liegende schwarze Hirschstangen, die auf die Zugehörigkeit zum Besitz des Hauses Württemberg verweisen. Der lateinische Text besagt, dass Heinrich IV. an einem Ort geboren wurde, der Waiblingen genannt wird und dass Waiblingen der Beiname aller Heinriche ist. Diese Behauptung stammt aus dem Pantheon des Gottfried von Viterbo (* 1125 † um 1191/1192), der ein italienischer Geschichtsschreiber und lateinischer Dichter des Mittelalters war.3 Man geht jedoch davon aus, dass Heinrich IV. in Goslar geboren wurde. Auch wenn das Zitat von Gottfried von Viterbo nicht auf Deutsch auf der Stele steht, führt es dennoch jeden, der Basiskenntnisse der lateinischen Sprache hat, in die Irre.4

Reichsadler. Zur Familie der Heinriche von Waiblingen gehörten die Salierkaiser Konrad II. (verheiratet mit Gisela von Schwaben), Heinrich III., Heinrich IV. und Heinrich V. – Friedrich I. Herzog von Schwaben und seine Frau Agnes (Tochter des Salierkaisers Heinrich IV.) begründeten die Dynastie der Staufer. Ihr Sohn Konrad wurde deutscher König, ihr Enkel Friedrich I. Barbarossa römischer Kaiser. – Auf dem Sockel dieser Stele sind die Orte der bisherigen vier Stauferstelen eingemeißelt.

Jesi. Jesi in Mittelitalien ist Partnerstadt (it.: Gemellagio) von Waiblingen. In Jesi wurde 1194 der Stauferkaiser Friedrich II. geboren.

Stauferlöwen. Unter dem eingangs erwähnten Schlachtruf Hie Welf! Hie Waibling! werden die Herrscher aus dem Hause der Staufer genannt: König Konrad II., Kaiser Friedrich I. Barbarossa, Kaiser Heinrich VI., König Philipp von Schwaben, Kaiser Friedrich II., König Konrad IV. und Herzog Konradin. An diesen Namen wird deutlich, dass die Bezeichnung der Staufer als Heinriche eher abwegig ist. Barbarossa-Biograf Otto von Freising wollte aber anscheinend auf diese Weise die Staufer als legitime Nachfolger der Salier darstellen, deren Leitname Heinrich war. – Auf dem Sockel stehen die Stifter Eva Mayr-Stihl und ihr Ehemann Robert Mayr, die die Stauferstele gaben (lat.:dederunt) und der Bildhauer Markus Wolf, der sie 2007 machte (lat.: fecit).

1.  Wilhelm Muschka: Agnes von Waiblingen. Stammutter der Staufer und Bebanberger-Herzöge. Eine mittelalterliche Biografie, Marburg 2012, S. 37.
Thomas Lindner: Heinrich IV. In: Allgemeine Deutsche Biographie, Berlin 1967, S. 399-411, hier: S. 399.
Egon Boshof: Die Salier, Stuttgart/Berlin/Köln 1995, S. 161.
2.  Ottonis gesta Friderici I. imperatoris, MGH SS rer. Germ. 46, S. 103, Zeile 15-18. – Otto schreibt dort um 1156: Zwei berühmte Familien waren bis dahin im römischen Reich im Gebiet von Gallien und Germanien. Die einen die Heinriche von Waiblingen, die anderen die Welfen von Altdorf, die einen pflegten Kaiser, die anderen große Herzöge hervorzubringen. Damit führt er die sogenannten "Heinriche von Waiblingen" als Überbegriff der Salier und der Staufer ein, ohne aber zu behaupten, einer von ihnen sei dort geboren.
3.  Gotifredi Viterbiensis Pantheon, MGH SS, Band 22, S. 251, Zeile 48. – Gottfried schreibt dort um 1185: Von Heinrich IV., der geboren ist an einem Ort, der Waiblingen genannt wird und der Beiname aller Heinriche ist.
4.  Muschka, a.a.O. S. 44. – Er geht dort direkt auf die Inschrift der Waiblinger Stauferstele ein.

Stifter der Stauferstele

Eva Mayr-Stihl und ihr Ehemann Robert Mayr

Einweihung: 30. Juni 2007


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