ROTHENBURG 2010

Die Stauferstele steht im Burggarten von Rothenburg. Hier befand sich einst eine vom Stauferkönig Konrad III. errichtete "Rote Burg". Vom Marktplatz aus führt die Herrngasse in Richtung Westen zum Burgtor, dem Eingang zum Burggarten.

Inschriften der 12. Stauferstele

Wappen des Herzogtums Franken

KAISER
HEINRICH V.
VERLEIHT 1116
SEINEM NEFFEN
DEM SPÄTEREN KÖNIG
KONRAD III.
DEN TITEL EINES
·DVX ORIENTALIS
FRANCIAE
DE ROTINBURC·
———————————————————
FIORENTINO 2000 · HOHENSTAUFEN 2002
HAGENAU 2006 · WAIBLINGEN 2007
TRIFELS · LORCH · ADELBERG 2008
KLOSTERNEUBURG · BARI · BAD WIMPFEN · WEINSBERG 2009



Wappen von Rothenburg

KONRAD III.
ERSTER STAUFERKÖNIG
ERWIRBT 1142 VOM
WÜRZBURGER STIFT
NEUMÜNSTER
DEN PLATZ ZUM BAU DER
·ROTEN BURG·
—————————————
·CASTRUM ROTENBURCH·
1188
IN STAUFISCHER ZEIT
ENTSTEHT
NEBEN DER BURG
DIE STADT
ROTHENBURG
OB DER TAUBER



Wappen des Reichs

KÖNIG
KONRAD III.
BESTIMMT 1152
AUF DEM STERBEBETT
STATT SEINES SOHNES
FRIEDRICH
VON ROTHENBURG
SEINEN NEFFEN
FRIEDRICH BARBAROSSA
ZUM THRONFOLGER
—————————————
FRIEDRICH
HERZOG VON ROTHENBURG
STIRBT 1167 VOR ROM
AN DER MALARIA
UND WIRD IM
KLOSTER ERBACH
AN DER SEITE
SEINER MUTTER
GERTRUD
VON SULZBACH
BEIGESETZT
———————————————————
GVNTER HAVG ET GERHARD RAFF DEDERVNT
MARKUS WOLF FECIT MMX
IN MEMORIAM
MARIA STAVDACHER 1903-1965
LVISE RAFF 1887-1980



Wappen des Herzogtums Schwaben

KONRAD
·DVX DE ROTEMBURC·
SOHN VON KAISER
FRIEDRICH I.
BARBAROSSA
ERHÄLT 1167
BESITZ UND TITEL
DES HERZOGS
FRIEDRICH
VON ROTHENBURG
—————————————
KONRAD
HERZOG
VON ROTHENBURG
WIRD AM 23. APRIL 1188
VON SEINEM VATER
IN SELIGENSTADT MIT
BERENGARIA
TOCHTER VON
KÖNIG ALFONS VIII.
ERBIN DER KRONE
VON KASTILIEN
VERLOBT
KONRADS TOD
AM 15. AUGUST 1196
IN DURLACH
VERHINDERT
EIN STAUFISCHES
KÖNIGREICH
KASTILIEN

Hintergrundinformationen zur Stauferstele

Rothenburg von Süden aus.

Stauferstele im Burggarten, im Hintergrund das Burgtor.

Die Grafen von Comburg-Rothenburg errichteten hier bereits im 11. Jahrhundert eine Burg oberhalb der Tauber, starben aber 1116 aus. Kaiser Heinrich V. gab damals seinem Neffen, dem Staufer Konrad den Titel eines Dux orientalis Franciae de Rotinburc (dt.: Herzog des östlichen Franken von Rothenburg). Dieser erlangte 1137 als erster Staufer unter dem Namen Konrad III. die Königswürde, hielt Hof in Rothenburg und errichtete eine neue Burg auf der Fläche des heutigen Burggartens. Neben der Burg entstand die Stadt Rotenburch.

Friedrich von Rothenburg, der noch minderjährig war, als sein Vater Konrad III. starb, wurde von seinem Vetter Kaiser Friedrich I. Barbarossa bevormundet und erhielt 1157 den Titel Herzog von Rothenburg. 1167 zog Friedrich mit dem kaiserlichen Heer unter Führung Barbarossas nach Italien. Dort erkrankte ein Großteil des Heeres im August 1167 an Malaria. Friedrich verstarb dort im Alter von 22 Jahren. Da er kinderlos war, fiel sein Besitz an Friedrich I. Barbarossa.

Nach dem Untergang der Staufer wurde Rothenburg im Jahre 1274 Reichsstadt. Ein Erdbeben zerstörte 1356 die Burganlage, die Steine der Ruine wurden zum Bau der Stadtmauer verwendet. Einzig die Blasiuskapelle wurde nach dem Beben renoviert.

Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Stadt 1631 von General Graf von Tilly eingenommen. Der Sage nach leerte der damalige Bürgermeister Georg Nusch auf Befehl Tillys 3¼ Liter Wein auf einen Zug und bewahrte damit die Stadt vor der Zerstörung. Aus diesem Anlass findet noch heute jährlich das Festspiel Der Meistertrunk statt.

Erläuterung der Inschriften

Frankenzinken. Der Salierkaiser Heinrich V. übertrug laut einer zeitgenössischen Chronik von Ekkehard Uraugiensis (dt. von Aura) 1116 Konrad, dem Sohn seiner Schwester Agnes von Waiblingen (Chuonrado sororis sue filio) das Herzogtum Ostfranken (ducatum orientalis Franciae).1 Ob der spätere König Konrad in diesem Zusammenhang auch an Rothenburg kam, ist strittig.2 Der Titel eines dux orientalis Francie de Rotinburc stammt aus den um 1280 verfassten Annales Spirenses. Dort wird allerdings auch fälschlich behauptet, Heinrich habe Konrad eine seiner Töchter zur Frau gegeben.3 Es ist daher irreführend, durch Nennung des Titels aus den unzuverlässigen Annales Spirenses den gemeinsamen Erwerb des Herzogtums Ostfranken und von Rothenburg im Jahre 1116 als Tatsache darzustellen.4 – Auf dem Sockel der Stauferstele sind die Stätten der bis zu diesem Zeitpunkt bereits aufgestellten elf Stauferstelen genannt.

Rothenburg. Der erste Stauferkönig Konrad III., Sohn von Herzog Friedrich I. von Schwaben und Agnes von Waiblingen, erwarb 1142 vom Würzburger Stift Neumünster den Platz zum Bau einer neuen "Roten Burg". In staufischer Zeit entstand dann neben dieser Burg die Stadt Rothenburg. Sie wird 1188 in einer in Seligenstadt ausgestellten Urkunde als castrum Rotenburch (lat.: castrum steht für Befestigte Stadt) genannt.5

Reichsadler. Kaiser Friedrich I. Barbarossa soll 1152 von seinem Onkel Konrad III. auf dessen Sterbebett in Bamberg zum Thronfolger bestimmt worden sein, da Konrads Sohn noch minderjährig war. Dieser Sohn, Herzog Friedrich von Rothenburg (*1144/1145), starb 1167 vor Rom an der Malaria und wurde an der Seite seiner Mutter Gertrud von Sulzbach im Kloster Ebrach beigesetzt. Sein Vater Konrad ist im rund 35 Kilometer von Ebrach entfernten Bamberger Dom in der Hallenkrypta unter dem Ostchor bestattet. – Auf dem Sockel sind die Stifter, die die Stauferstele gaben (lat.: dederunt) und der Bildhauer, der sie im Jahr 2010 machte (lat.: fecit), genannt. Die Stauferstele soll an Maria Staudacher und Luise Raff erinnern.

Stauferlöwen. Kaiser Friedrich I. Barbarossa wies die nach dem Tod von Herzog Friedrich von Rothenburg im Jahre 1167 freigewordenen staufischen Hausgüter seinem Sohn Konrad zu, die in einem Ehevertrag eine Rolle als Morgengabe für die Braut spielen. Kaiser Friedrich I. Barbarossa vereinbarte 1188 im Seligenstädter Vertrag die Verlobung seines 1172 geborenen Sohnes, des späteren Herzog Konrad II. von Schwaben, mit Berengaria, Tochter von König Alfons VIII. von Kastilien. Die Übergabe staufischen Besitzes an die Braut wird in der Urkunde als donatio propter nuptias bezeichnet, womit eine Zuwendung des Ehemanns an die Frau als Witwenvorsorge (Morgengabe) gemeint ist. Allerdings ist dieser Ehevertrag nicht verwirklicht worden. Der Seligenstädter Vertrag wird auch auf den Stauferstelen in Schwäbisch Gmünd, Dinkelsbühl, Heilbronn und Bopfingen erwähnt.

Doch nicht der Tod Konrads im Jahre 1196 verhinderte ein "staufisches Königreich Kastilien". Da die Braut minderjährig war, handelte es sich aus ihrer Sicht um eine desponsatio impuberis. Das Eheverhältnis war zwar begründet, hinsichtlich des Vollzugs aber auf die Zukunft ausgerichtet. Erst wenn die Braut ehemündig geworden war und zustimmte, entstand durch ihre Zustimmung ein vollgültiges matrimonium. Zwischen Herbst 1191 und Anfang April 1192 erklärte Berengaria, dass sie dieser Ehe nicht zustimme. Dies wurde von Erzbischof Gonzalo von Toledo und dem päpstlichen Legaten Gregor, Kardinaldiakon von San Angelo, bezeugt. Die Anwesenheit dieser hochrangigen Geistlichen deutet darauf hin, dass Papst Coelestin III. mit Erfolg versucht hatte, diese Verbindung der Staufer nach Spanien zu hintertreiben.6 Die tatsächliche Meinung des Mädchens spielte in der damaligen Zeit, in der fürstliche Ehen so gut wie ausschließlich aus politischem Kalkül geschlossen und getrennt wurden, keinerlei Rolle.

Bauliche Zeugnisse der Stauferzeit

Blasiuskapelle im Burggarten.

Markusturm.

Nach dem Dreißigjährigen Krieg verlor die Stadt ihre Bedeutung, es trat Stillstand ein. Aus diesem Grund ist die Stadt mit ihrer alten Bausubstanz noch in einem besonders gut erhaltenen Zustand.

Allerdings wurde Rothenburg am 31. März 1945 durch die US-Luftwaffe bombardiert. Die Zerstörung betraf hauptsächlich den neueren Ostteil der Altstadt, so dass die bedeutendsten Baudenkmäler unbeschädigt erhalten blieben; die zerstörten Gebäude wurden originalgetreu wiederhergestellt.

Aus staufischer Zeit ist jedoch nicht viel erhalten. Der einzige erhaltene Teil der Burg ist die Blasiuskapelle im heutigen Burggarten,7 die teilweise aus dem 12. Jahrhundert stammt.8 Heute dient sie als Ehrenmal für die Gefallenen der beiden Weltkriege.

Im Anschluss an die Befestigungsanlage der Burg wurde im 12. Jahrhundert die heutige innere Altstadt in Form eines nach Westen offenen Hufeisens befestigt. Hiervon sind noch der Weiße Turm (Erdgeschoss Ende 12. Jahrhundert) und der Markusturm (13. Jahrhundert) erhalten. Auch der Dominikanerturm im Klosterhof stammt aus dieser Zeit. Die endgültige Befestigung Rothenburgs mit Toren, Mauern und Türmen um die Stadterweiterungen ist poststaufisch und wurde schrittweise zwischen dem Ende des 13. bis ins 17. Jahrhundert errichtet.

1.  Eckehardi Uraugiensis Chronica, Monumenta Germaniae Historica Scriptores 6, Annalista Saxo, S. 249.
2.  Regesta Imperii Online: RI IV,1,2 n. 14.
3.  Jürgen Petersohn: Franken im Mittelalter. Identität und Profil im Spiegel von Bewußtsein und Vorstellung, Ostfildern 2008, S. 117. PDF-Ausgabe.
4.  Der Historiker Klaus Graf hat diese Irreführung auf der Stele entdeckt und die fachlichen Hintergrundinformationen geliefert.
5.  Monumenta Germaniae Historica, Band 10, 4, Nr. 970.
6.  Tobias Weller: Die Heiratspolitik des deutschen Hochadels im 12. Jahrhundert, Köln/Weimar/Wien 2004, S. 152-154. – Peter Koblank: Vertrag von Seligenstadt 1188. auf stauferstelen.net.
7.  Thomas Biller: Die Blasiuskapelle der staufischen Reichsburg Rothenburg ob der Tauber. In: Heyer-Boscardin, M. Letizia (Hrsg.): Wider das "finstere Mittelalter" (Schweizer Beiträge zur Kulturgeschichte und Archäologie des Mittelalters; 29), Basel 2002, S. 41-50, hier: S. 41.
8.  ebd. S. 45.

Stifter der Stauferstele

Gunter Haug
Dr. Gerhard Raff
In memoriam
Luise Raff (1887-1980)
Maria Staudacher (1903-1965)

Einweihung: 19. September 2009


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