Stauferstele – quo vadis?

Netzwerk an Europas herausragendsten Stauferstätten

Achtundzwanzig Stauferstelen wurden in den Jahren 2000 bis 2014 errichtet. Es gibt auf der Welt kein vergleichbares Netzwerk monumentaler Geschichtsdenkmäler. Fünfzehn Jahre, die Anlass für eine Zwischenbilanz geben.


VON PETER KOBLANK (2014)


Komitee der Stauferfreunde: Stauferfreunde stiften Stauferstelen, Gerlingen 2014, Seite 12.

In der Broschüre Stauferfreunde stiften Stauferstelen wird erklärt, dass im Jahre 2002 bei der Einweihung der Stauferstele auf dem Hohenstaufen – es war die zweite Stauferstele nach der in Fiorentino – der Vorschlag gemacht wurde, "ein Netzwerk solcher Stauferstelen an Europas herausragendsten Stauferstätten zu errichten."

Zu diesem Zweck wurde an jenem Samstag, dem 1. Juni 2002, das Komitee der Stauferfreunde ins Leben gerufen.

Der tatsächliche Urheber der Idee wurde schrittweise eliminiert

Ältere Auflagen von 2007 (oben) und 2011 (unten).

Franz Weber
Eigenartigerweise wanderte die Urheberschaft dieses Vorschlags seit 2007 schrittweise von Franz Weber, der von 1985 bis 2009 Landrat des Landkreises Göppingen war, zum Göppinger Kreisarchivar i. R. Walter Ziegler, Mitglied im Komitee der Stauferfreunde:

  • In der ersten Auflage der Broschüre Stauferfreunde stiften Stauferstelen im Jahr 2007 wird Landrat Franz Weber als alleiniger Vater dieser Idee genannt.
  • In der Auflage im Jahr 2011 muss er seine Vaterschaft bereits mit Walter Ziegler teilen.
  • Neuerdings ist Franz Weber vollständig gelöscht (Abbildung ganz oben).

Herausragendste Stauferstätten?

Im Jahre 2011 wurde bei der Stauferstele in Besigheim die ursprüngliche Idee erstmals aufgegeben. Denn der Bezug Besigheims zu den Staufern beschränkt sich auf die Tatsache, dass der damalige König und spätere Kaiser Friedrich I. Barbarossa 1153 im elsässischen Kloster Erstein bestätigte, dass das Kloster den Hof Besigheim an den Markgraf von Baden verschenkt hat. Alles andere, was auf der Stele über die Beziehung zwischen den Badenern und den Staufern – einschließlich der Enthauptung Konradins in Neapel – berichtet wird, hat nichts mit Besigheim zu tun.

Diese Inflationierung (Entwertung von lat. inflare = aufblasen) der Stauferstelen setzt sich deutlich erkennbar fort in Göppingen (nur eine Urkunde von Friedrich I. Barbarossa für das Kloster Lorch, außerdem bereits eine Stauferstele im Stadtbezirk Hohenstaufen), im Kloster Maulbronn (nur eine in Speyer ausgestellte Urkunde, in der Friedrich I. Barbarossa das Kloster unter seinen Schutz nimmt), in Dinkelsbühl (nur eine von vielen Stadtgründungen der Staufer sowie die Erwähnung in einem niemals in die Praxis umgesetzten Ehevertrag) und in Heilbronn (nur die Nennung zweier Dörfer, die damals nicht einmal zu Heilbronn gehörten, in einem niemals in die Praxis umgesetzten Ehevertrag sowie der Nordheimer Vertrag).

All diese Orte haben zwar unstrittig einen gewissen Bezug zu den Staufern, spielen aber in deren Geschichte keinerlei relevante, geschweige denn herausragende Rolle.

Übergewichtung von Baden-Württemberg

In dem Jahrzehnt zwischen 2000 und 2009 wurden elf Stauferstelen eingeweiht. Das waren in zehn Jahren vierzig Prozent aller Stauferstelen, während sechzig Prozent in den nachfolgenden nur fünf Jahren errichtet wurden.

28 Stauferstelen wurden bis Ende 2014 errichtet. Die 5 Stauferstelen im Ausland sind heller dargestellt. In den ersten zehn Jahren zwischen 2000 und 2009 wurden immerhin 4 von 11 Stauferstelen im Ausland errichtet. Nach 2009 ist von weiteren 17 Stauferstelen nur noch 1 außerhalb Deutschlands eingeweiht worden.

Inzwischen drängen sich 22 der 28 Stauferstelen im nördlichen Baden-Württemberg sowie unmittelbar angrenzend in Bayern.1 Sie alle befinden sich maximal hundert Kilometer von Stuttgart entfernt, wo das Komitee sitzt.

Von diesen ersten elf Stauferstelen stehen vier im Ausland: Fiorentino und Bari (Italien), Haguenau (Frankreich) und Klosterneuburg (Österreich). Hinzu kommt eine auf dem Trifels, die restlichen sechs, also nur etwa die Hälfte, stehen in Baden-Württemberg.

In den folgenden fünf Jahren zwischen 2010 und 2014 hat sich der Schwerpunkt massiv nach Baden-Württemberg verschoben:

Siebzehn Stauferstelen stammen aus diesen fünf Jahren. Davon stehen dreizehn in Baden-Württemberg. Drei weitere befinden sich in Bayern, allerdings maximal sechs Kilometer von der Grenze zu Baden-Württemberg entfernt in Rothenburg, Niederhaus und Dinkelsbühl.

Die einzige (!) dieser siebzehn Stauferstelen zwischen 2010 und 2014, die weiter als hundert Kilometer von Stuttgart entfernt steht, wurde 2013 im tschechischen Cheb errichtet.

Relevante Stauferstätten

Man braucht nur einen Blick die Karte der Staufergräber zu werfen, um die geografischen Dimensionen zu begreifen, in denen sich die Staufer bewegten. Über diese Grabstätten hinaus gibt es beispielsweise allein in Deutschland ehemalige Pfalzen wie Aachen, Nürnberg, Frankfurt, Kaiserswerth oder Gelnhausen, von denen sogar noch Reste erhalten sind und wo – anders als an einer Reihe bisheriger Stelenstandorte – tatsächlich staufische Geschichte geschrieben wurde.

Links: Die wichtigsten Gräber der Staufer sind über viele Länder verteilt.2 Auch wenn diese Grabstätten nur einen Bruchteil der wichtigsten Stauferstätten darstellen, gibt diese Karte immerhin eine Vorstellung davon, in welchem geografischen Raum sich die Staufer bewegten. – Rechts: Nur 6 Stauferstelen wurden bisher außerhalb des weiter oben detailliert dargestellten Bereichs bei Stuttgart aufgestellt, in dem sich 22 Staufenstelen an Orten drängen, die zum Teil für die Geschichte des Hauses Hohenstaufen eher irrelevant waren. Rund um Stuttgart kamen in den letzten fünf Jahren 16 neue Stelen hinzu, außerhalb dieser Zone nur eine einzige (Cheb).

Von dem selbstgesteckten Ziel, ein Netzwerk von Stauferstelen "an Europas herausragendsten Stauferstätten" zu errichten, ist das Projekt nach fünfzehn Jahren immer noch weit entfernt.

Das Netzwerk bleibt unsichtbar

Seit der dreizehnten Stauferstele, die 2011 in Besigheim errichtet wurde, wird nicht mehr wie zuvor auf die anderen bereits existierenden Stauferstelen hingewiesen. Bei allen Stauferstelen ab Besigheim ist für den Betrachter nicht mehr zu erkennen, dass dieses Denkmal zu einem Netzwerk gehört, das in dieser Form weltweit einmalig ist. Stattdessen präsentiert sich jede dieser Stauferstelen nur noch als ganz normales Einzeldenkmal, ohne auf das Alleinstellungsmerkmal ihres Kontextes hinzuweisen. Das Netzwerk bleibt für den, der vor der einzelnen Stauferstele steht, unsichtbar.

Die zwölfte Stauferstele, die in Rothenburg steht, ist die letzte, bei der auf dem Sockel auf die anderen zu diesem Zeitpunkt bereits errichteten Stauferstelen verwiesen wird. Bei den sechzehn nachfolgenden Stauferstelen deutet ab 2011 nichts mehr darauf hin, dass diese zu einem Netzwerk gehören.

Wer beispielsweise auf dem Hohenneuffen vor der Stauferstele steht, liest Inschriften, mit deren Inhalt er sich vielleicht vertieft beschäftigen will. Wenn er Glück hat, findet er über das Internet, wenn er nach "Hohenneuffen" sucht, die Information, dass das eine "Stauferstele" ist. Erst wenn ihm das geglückt ist, findet er weitere ausführliche Informationen und wird erst dann zu seiner Verblüffung erkennen, dass dieses Denkmal siebenundzwanzig Geschwister hat, die sich auf fünf europäische Staaten verteilen.

Eine Stauferstele, die dem Betrachter verschweigt, dass sie kein x-beliebiges Denkmal, sondern eine Stauferstele und Teil eines Netzwerks ist, hat aber ihr Ziel in erheblichem Maße verfehlt.

Ankündigungen

Für 2015 sind in der aktuellen Broschüre des Komitees vier neue Stauferstelen angekündigt.3 Zwei davon an staufergeschichtlich unbedeutenden Orten, die anderen zwei aber an tatsächlich "herausragendsten Stauferstätten":

  • Silifke in der Türkei, wo vor 825 Jahren4 Kaiser Friedrich I. Barbarossa im Fluss Saleph umkam
  • Nijmegen in den Niederlanden, wo noch Reste der staufischen Pfalz existieren und vor 850 Jahren4 Kaiser Heinrich VI. geboren wurde

Allerdings sind im Gegensatz zu den beiden anderen für 2015 angekündigten Stelen bei Silifke und Nijmegen noch keine konkreten Personen als Stifter genannt.

Gestiftet, aber nicht aufgestellt

Will man der aktuellen Broschüre des Komitees Glauben schenken, gibt es darüber hinaus einen Realisierungsstau von weiteren zwanzig Stauferstelen, die bereits gestiftet, aber noch nicht aufgestellt sind.5 Darunter sind bedeutende Stauferstätten wie Bamberg, Mainz, Speyer, Bologna, Foggia, Palermo und Rom, die auch bereits in früheren Auflagen der Broschüre genannt wurden.

Den Rekord der gestifteten, aber nicht realisierten Stauferstelen halten Foggia und Bologna, für die schon seit 2007 eine Finanzierung bzw. Stifterzusage vorliegt.6

1.  Landkarten auf stauferstelen.net.
2.  Peter Koblank: Staufergräber. Nur wenige der prominentesten Staufer sind in Deutschland bestattet.
3.  Komitee der Stauferfreunde: Stauferfreunde stiften Stauferstelen, Gerlingen 2014, S. 63-64.
4.  Von 2015 aus gerechnet.
5.  Komitee der Stauferfreunde: Stauferfreunde stiften Stauferstelen, Gerlingen 2014, S. 65-74.
6.  Komitee der Stauferfreunde: Stauferfreunde stiften Stauferstelen, Gerlingen 2007, ohne Seitennummerierung.

Nachträge

09.01.2015   In einem Presseartikel der NWZ–Göppinger Kreisnachrichten behauptet Gerhard Raff vom Komitee der Stauferfreunde, in Bologna, Augsburg, Bamberg, Foggia, Rom, Prag, Speyer oder Würzburg seien Stauferstelen "im Jahr 2015 geplant". Die in der aktuellen Broschüre des Komitees offiziell für 2015 angekündigten Standorte Nijmegen und Silifke (siehe oben Fußnote 3) bleiben unerwähnt.
25.04.2015   In Denkendorf steht dreizehn Kilometer Luftlinie von Stuttgart entfernt die 29. Stauferstele. Auch wenn das dortige Kloster aus der Stauferzeit stammt und zweifellos von den Staufern profitiert hat, gehört Denkendorf nie und nimmer zu Europas herausragendsten Stauferstätten. Es ist eine weitere Stele in den Kategorien Staufergeschichtlich unbedeutender Ort und Übergewichtung von Baden-Württemberg. – Auf der Liste der Errata hat diese Stele zwei Einträge zu verantworten.
13.06.2015   In Bamberg wurde die 30. Stauferstele eingeweiht, zwei Jahre nach Cheb erstmals wieder an einem für die Staufergeschichte höchst relevanten Ort außerhalb des Stauferstelen-Ballungsraums um Stuttgart. Leider steht sie völlig abseits auf einer Grünfläche vor dem ehemaligen Langheimer Hof in der Oberen Karolinenstraße 8, der mit den Staufern nichts zu tun hat, und wo sie nur von den wenigsten Bamberg-Besuchern wahrgenommen werden dürfte. – Mit drei Errata hält diese Stele einen unrühmlichen Rekord. Im Sommer 2016 wurde immerhin eines davon nachgebessert und eine falsche Jahreszahl 1209 in 1203 umgearbeitet.
13.09.2015   In Königstein steht die 31. Stauferstele, die dritte in 2015. Die Verbindung zu den Staufern stellt ein Reichskämmerer der Staufer namens Kuno von Münzenberg her, der laut Steleninschrift die Burg Königstein erbaut hat. Tatsächlich existierte die Burg aber schon vor Kuno. Von allen bisherigen Stauferstelen-Standorten ist Königstein wohl der abwegigste. – Von den zwei Errata dieser Stele basiert eines auf einem längst korrigierten Fehler in einem Wikipedia-Artikel.
22.10.2015   In Baden-Baden musste die Stadtverwaltung bereits zum dritten Mal die Folgen von Vandalismus an der vor genau einem Jahr in Baden-Baden errichteten Stauferstele beseitigen, was möglicherweise mit einem ungünstig gewählten Standort zusammenhängt.
14.12.2015   In Überlingen lehnt Oberbürgermeisterin Sabine Becker das Angebot einer Stauferstele ab, weil man "Überlingen vor dem Hintergrund des aktuellen historischen Kenntnisstands nicht als Stauferstadt ansprechen kann."
31.12.2015   Bilanz von 2015: Drei neue Stelen, nur eine an einem staufergeschichtlich relevanten Ort. Die für 2015 in der Broschüre des Komitees angekündigten Stelen in Silifke oder Nijmegen wurden nicht realisiert, von den am Jahresanfang in einem Presseartikel acht angekündigten Stelen nur die in Bamberg. – Qualitätstiefpunkt mit sieben Errata auf drei Stelen.
01.02.2016   In Nijmegen soll dieses oder nächstes Jahr definitiv eine Stauferstele errichtet werden. Dies wäre nach Cheb (2013) und Bamberg (2015) endlich wieder ein Standort, der zu Europas herausragendsten Stauferstätten gehört.
04.06.2016   In Esslingen steht jetzt nach sechsjährigem Ringen um den konkreten Standort die 32. Stauferstele. Esslingen hat neben fast zwanzig nachgewiesenen Aufenthalten von Stauferkönigen und -kaisern einen besonderen Bezug zu Friedrich II. (1213 Schenkung an Speyer). Diese Stele ist seit der 24. Stauferstele, die 2014 in Heilbronn errichtet und erfolgreich nachgebessert wurde, die erste, die frei von Fehlern ist.
29.07.2016   In Würzburg, wo Kaiser Friedrich I. Barbarossa im Jahre 1156 seine zweite Frau Beatrix von Burgund heiratete und 1165 die "Würzburger Eide" gegen Papst Alexander III. abgelegt wurden, scheiterte die Stauferstele an der Standortfrage.
31.12.2016   In Speyer, wo Barbarossas Ehefrau Kaiserin Beatrix und sein Sohn König Philipp von Schwaben im Dom beigesetzt und 69 Aufenthalte der staufischen Herrscher nachgewiesen sind, haben sich Stadt und Domkapitel jetzt über einen Standort beim Chor des Doms geeinigt.
In Baden-Baden wurde der Vandalimus an der Stauferstele von Nachahmungstätern fortgesetzt, nachdem die Stadt die Schmierereien von 2015 nur unvollständig beseitigt hatte.
01.04.2017   In Güglingen wird die 33. Stauferstele eingeweiht, die tatsächlich als Aprilscherz geeignet ist. Denn die einzige Verbindung zwischen Güglingen und den Staufern ist ein Ehevertrag aus dem Jahr 1188, aus dem hervorgeht, dass Barbarossa dort ein Allodium besaß. Dieses Eigengut sollte neben etwa dreißig größtenteils wesentlich wertvolleren Besitzungen zur Morgengabe einer künftigen Schwiegertochter gehören. Das Eheprojekt wurde allerdings nie realisiert.
30.04.2017   In Ettlingen wird die 34. Stauferstele eingeweiht. Die einzige Verbindung zwischen Ettlingen und den Staufern ist die staufische Gründung der Stadt vor 1219/1220 und die Belehnung an den Markgrafen von Baden ab 1219/1220. Die Stadt Ettlingen behauptet schon seit Jahrzehnten irreführender Weise die Stadtgründung im Jahre 1192 als eine erwiesene Tatsache. Auf der Stele soll "vermutlich 1192" stehen, was ebenfalls unsinnig ist, da diese Vermutung eines Heimatforschers auf Annahmen beruht, die aus der Luft gegriffen sind.

Pro Jahr errichtete Stelen (grün) und Anzahl der darauf zu findenden Fehler (rot, = korrigiert).

Errata der Stauferstelen

Geplante Stauferstelen

stauferstelen.net