Staufergräber

Nur wenige der prominentesten Staufer sind in Deutschland bestattet

Im Gegensatz zu einigen anderen europäischen Herrscherhäusern, die ihre Familienangehörigen an einem Ort bestattet haben, beispielsweise in der Basilique Saint Denis, in Westminster Abbey, im Dom zu Roskilde oder in der Wiener Kapuzinergruft, hatten die Staufer keine zentrale Grablege.


VON PETER KOBLANK (2014)

Herzog Friedrich I. von Schwaben gründete nicht nur die Burg auf dem Hohenstaufen, nach dem die Historiker ihn und seine Nachkommen benennen. Er stiftete außerdem mit dem Kloster Lorch eine Grablege für sein Adelsgeschlecht.

Der Gedanke einer zentralen Grabstätte konnte sich bei den nächsten Generationen jedoch nicht durchsetzen. Bereits sein Sohn Herzog Friedrich II. von Schwaben ließ sich gemeinsam mit seiner zweiten Ehefrau im Kloster Walbourg im Elsass bestatten.

Die fünfunddreißig prominentesten Staufer, ihre Ehefrauen sind in dieser Zahl enthalten, liegen an siebenundzwanzig verschiedenen Orten in neun Staaten:

ITItalien12 Staufer an 9 Orten Andria (2), Bologna (1), Cosenza (1), Gioia del Colle (1), Melfi (½), Messina (½),
Neapel (1), Palermo (4), Sant’Ambrogio sul Garigliano (1)
DE Deutschland 11 Staufer an  5 OrtenBamberg (1), Braunschweig (1), Ebrach (2), Lorch (5), Speyer (2)
FRFrankreich3 Staufer an  2 OrtenSélestat (1), Walbourg (2)
ATÖsterreich3 Staufer an  3 OrtenKlosterneuburg (1), Lilienfeld (1), Stams (1)
ESSpanien3 Staufer an  3 OrtenBarcelona (1), Sevilla (1), Valencia (1)
SESchweden1 Staufer an  1 OrtVä (1)
CZTschechien1 Staufer an  1 OrtPrag (1)
TRTürkei Staufer an  2 OrtenTarsus (⅓), Antakya (⅓)
LBLibanon Staufer an  1 OrtSour (⅓)

  9Staaten35 Staufer an 27 Orten

Zwölf dieser bedeutendsten Staufer sind in Italien bestattet, also mehr als in jedem anderen Land. Die repräsentativste Grablege von allen befindet sich ebenfalls in Italien: In der Kathedrale von Palermo haben Kaiser Heinrich VI., seine Ehefrau Konstanze und sein Sohn Kaiser Friedrich II. in beeindruckenden Porphyrsarkophagen unter von jeweils sechs Säulen getragenen Baldachinen ihre letzte Ruhe gefunden. Zusammen mit Friedrichs II. erster Frau Konstanze, die hier in einem antiken Steinsarg aus der Römerzeit bestattet ist, liegen vier prominente Staufer in Palermo, das neben Lorch auch insofern einen Spitzenplatz einnimmt.

Friedrich II. wird im Süden Italiens noch heute verehrt. Fast immer liegen frische Blumen an seinem Porphyrsarkophag in der Kathedrale von Palermo.

Deutschland folgt mit elf wichtigen Staufern, die meisten in Lorch, andere in den Domen von Bamberg, Braunschweig und Speyer sowie im Kloster Ebrach.

In Frankreich liegen Hildegard von Egisheim, die Stammmutter der Staufer, und Herzog Friedrich II. nebst zweiter Ehefrau in zwei Klosterkirchen, die ebenfalls als Familiengrablege in Frage gekommen wären, sich aber genausowenig wie Lorch durchsetzen konnten.

In Österreich sind drei Witwen von Staufern, die alle ein zweites Mal geheiratet hatten, bestattet.

In Schweden ist eine Witwe, die in ihrer zweiten Ehe Königin von Dänemark wurde, bestattet.

In Tschechien ist Königin Kunigunde von Böhmen, eine Tochter von Philipp von Schwaben, bestattet.

In Spanien ist Königin Beatrix von Kastilien und León, eine weitere Tochter von Philipp von Schwaben, bestattet. Konstanze, eine Tochter von Kaiser Friedrichs II., heiratete einen byzantinischen Kaiser von Nicäa, verstarb aber in Valencia als Nonne. Eine andere Konstanze, Tochter von König Manfred, wurde Königin von Aragonien und Sizilien und verstarb in Barcelona ebenfalls als Nonne.

Auf Türkei und Libanon verteilen sich die Eingeweide, das Bindegewebe und die Knochen von Kaiser Friedrich I. Barbarossa, der auf dem Dritten Kreuzweg im Fluss Saleph ums Leben kam.

Es gab bisher keine systematische Übersicht der wichtigsten Staufergräber. Zwar hat sich Hansmartin Decker-Hauff 1977 mit diesen Thema beschäftigt, doch fehlt es seinem Aufsatz an Systematik und sorgfältiger Recherche.1 Auch Olaf B. Rader, der 2012 in seinem Aufsatz nur einen Bruchteil der Frauen berücksichtigte, hatte nicht das Ziel eines vollständigen Inventars.2

Da es den Rahmen dieses Artikels sprengen würde, die einzelnen Staufer vorzustellen, wird in den folgenden Übersichten auf die Online-Enzyklopädie Wikipedia verlinkt.3

Genealogische Sortierung

Friedrich von Büren† nach 1053DELorch Klosterkirche 4
Hildegard von Egisheim† 1094/95FRSélestat Sainte-Foy 5
    Herzog Friedrich I. von Schwaben† 1105DELorch Klosterkirche 6
    ∞ Agnes von Waiblingen† 1134ATKlosterneuburg Stift 7
        Herzog Friedrich II. von Schwaben† 1147FRWalbourg Klosterkirche 8
        ∞ Judith Welf† 1130/31DELorch Klosterkirche 6
        ·   Kaiser Friedrich I. Barbarossa† 1190TRTarsus, Antakya    LB  Sour 9
        ·   ∞ Beatrix von Burgund† 1184DESpeyer Kaiserdom 10
        ·       Kaiser Heinrich VI.† 1197ITPalermo Kathedrale 11
        ·       ∞ Konstanze von Sizilien† 1198ITPalermo Kathedrale 11
        ·       ·   Kaiser Friedrich II.† 1250ITPalermo Kathedrale 12
        ·       ·   ∞ Konstanze von Aragón† 1222ITPalermo Kathedrale 13
        ·       ·       König Heinrich (VII.)† 1242ITCosenza Dom 14
        ·       ·       ∞ Margarete von Babenberg† 1266ATLilienfeld Stiftskirche 15
        ·       ·   ∞ Jolante von Brienne† 1228ITAndria Kathedrale 16
        ·       ·       König Konrad IV.† 1254ITMelfi Dom, Messina Dom 17
        ·       ·       ∞ Elisabeth von Bayern† 1273ATStams Stiftskirche 18
        ·       ·           König Konradin† 1268ITNeapel Santa Maria del Carmine 19
        ·       ·   ∞ Isabella von England† 1241ITAndria Kathedrale 16
        ·       ·   ∞ Bianca Lancia† 1244/46ITGioia del Colle 20
        ·       ·       Kaiserin Konstanze† 1307ESValencia San Juan del Hospital 21
        ·       ·       König Manfred† 1266ITSant’Ambrogio sul Garigliano 22
        ·       ·          Königin Konstanze† 1302ESBarcelona Kathedrale 23
        ·       ·       König Enzio† 1272ITBologna Basilica di San Domenico 24
        ·       König Philipp von Schwaben† 1208DESpeyer Kaiserdom 25
        ·       ∞ Irene Maria von Byzanz† 1208DELorch Klosterkirche 6
        ·           Kaiserin Beatrix† 1212DEBraunschweig Dom 26
        ·           Königin Kunigunde† 1248CZPrag Agneskloster 27
        ·           Königin Beatrix† 1235ESSevilla Kathedrale 28
        ∞ Agnes von Saarbrücken † nach 1147FRWalbourg Klosterkirche 8
        König Konrad III.† 1152DEBamberg Dom 29
        ∞ Gertrud von Sulzbach† 1146DEEbrach Abteikirche 30
            König Heinrich (VI.)† 1150DELorch Klosterkirche 6
            Friedrich von Rothenburg† 1167DEEbrach Abteikirche 30
            ∞ Gertrud von Bayern und Sachsen† 1197SEVä Kirche 31

Interaktive Landkarte

Rot: Friedrich von Büren und die staufischen Herzöge von Schwaben, Könige und Kaiser des römisch-deutschen Reiches, Könige von Sizilien und Könige von Jerusalem. Grün: Deren Ehefrauen. Blau: Enzio sowie Töchter, die mit anderen Königen und Kaisern verheiratet waren. Sie können auf die Punkte klicken, um zu erfahren, wer dort bestattet ist.32

Geografische Sortierung

ITPalermo Kathedrale 11PorphyrsarkophagKaiser Heinrich VI.† 1197
Palermo Kathedrale 11PorphyrsarkophagKonstanze von Sizilien† 1198
Palermo Kathedrale 12PorphyrsarkophagKaiser Friedrich II.† 1250
Palermo Kathedrale 13Römischer SarkophagKonstanze von Aragón† 1222
Andria Kathedrale 16Jolante von Brienne† 1228
Andria Kathedrale 16Isabella von England† 1241
Gioia del Colle 20 Bianca Lancia† 1244/46
Cosenza Dom 10Römischer SarkophagKönig Heinrich (VII.)† 1242
Sant’Ambrogio sul Garigliano 22 König Manfred† 1266
Bologna Basilica di San Domenico 24Grabmal König Enzio† 1272
Melfi Dom 17 König Konrad IV.† 1254
Messina Dom 17 König Konrad IV.† 1254
Neapel Santa Maria del Carmine 19MarmorstatueKönig Konradin† 1268
DE Lorch Klosterkirche 4Friedrich von Büren† nach 1053
Lorch Klosterkirche 6Staufertumba (Sammelgrab)Herzog Friedrich I. von Schwaben† 1105
Lorch Klosterkirche 6Staufertumba (Sammelgrab)Judith Welf † 1130/31
Lorch Klosterkirche 6Staufertumba (Sammelgrab)König Heinrich (VI.)† 1150
Lorch Klosterkirche 6Staufertumba (Sammelgrab)Irene Maria von Byzanz† 1208
Bamberg Dom 29Steinsarkophag (Krypta)König Konrad III.† 1152
Braunschweig Dom 26Welfentumba (Sammelgrab)Kaiserin Beatrix† 1212
Ebrach Abteikirche 30Sarkophagdeckplatte Gertrud von Sulzbach† 1146
Ebrach Abteikirche 30SarkophagdeckplatteFriedrich von Rothenburg† 1167
Speyer Kaiserdom 10SteinsarkophagBeatrix von Burgund† 1184
Speyer Kaiserdom 25SteinsarkophagKönig Philipp von Schwaben† 1208
FRSélestat Sainte-Foy 5Grab (Krypta)Hildegard von Egisheim† 1094/95
Walbourg Klosterkirche 8Herzog Friedrich II. von Schwaben† 1147
Walbourg Klosterkirche 8Agnes von Saarbrücken † nach 1147
ESSevilla Kathedrale 28Grabmal Königin Beatrix† 1235
Valencia San Juan del Hospital 21HolzsargKaiserin Konstanze† 1235
Barcelona Kathedrale 23SteinsarkophagKönigin Konstanze† 1302
ATKlosterneuburg  Stift 7Grab (Gruft)Agnes von Waiblingen† 1134
Lilienfeld Stiftskirche 15GrabMargarete von Babenberg† 1266
Stams Stiftskirche 18GrabplatteElisabeth von Bayern† 1273
CZPrag Agneskloster 27GrabplatteKönigin Kunigunde† 1248
SEVä Kirche 31Gertrud von Bayern und Sachsen† 1197
TRTarsus 9Kaiser Friedrich I. Barbarossa† 1190
Antakya 9Kaiser Friedrich I. Barbarossa† 1190
LBSour 9Kaiser Friedrich I. Barbarossa† 1190

Abbildungen

Für zehn dieser fünfunddreißig Staufer lässt sich an dreizehn Orten die letzte Ruhestätte nicht mehr genau lokalisieren, was in der obigen Tabelle mit einem Strich gekennzeichnet ist. Immerhin haben die nachfolgend abgebildeten Gräber von vierundzwanzig Staufern, also von rund siebzig Prozent, die Jahrhunderte überdauert.

Palermo (Kathedrale): Kaiser Heinrich VI. 11, dahinter Konstanze von Sizilien 11Kaiser Friedrich II. 12Konstanze von Aragón 13.

Cosenza (Dom): König Heinrich (VII.) 14 – Bologna (Basilica di San Domenico): König Enzio 24.

Neapel (Santa Maria del Carmine): König Konradin 19 – Lorch (Staufertumba in der Klosterkirche): Herzog Friedrich I. von Schwaben 6, Judith Welf 6, König Heinrich (VI.) 6, Irene Maria von Byzanz 6.

Bamberg (Ostkrypta des Doms): König Konrad III. 29 – Braunschweig (Welfentumba im Dom): Kaiserin Beatrix 26.

Ebrach (Abteikirche): Gertrud von Sulzbach 30, Friedrich von Rothenburg 30 – Speyer (Krypta des Kaiserdoms): Beatrix von Burgund (vorne im Doppelgrab mit ihrer Tochter Agnes) 10, König Philipp von Schwaben (hinten) 25.

Sélestat (Krypta von Sainte-Foy): Hildegard von Egisheim 5 – Sevilla (Kathedrale): Königin Beatrix 28.

Valencia (San Juan del Hospital): Kaiserin Konstanze 21 – Barcelona (Kathedrale): Königin Konstanze 23.

Klosterneuburg (Gruft unter der Leopoldskapelle): Agnes von Waiblingen 7 – Lilienfeld (Stiftskirche): Margarete von Babenberg 15.

Stams (Stiftskirche): Elisabeth von Bayern 18 – Prag (Agneskloster): Königin Kunigunde 27 – Bilder: Koblank, Wikipedia.

Einzelnachweise

1.

Hansmartin Decker-Hauff: Hohenstaufengräber. Überlegungen statt einer Aufzählung. In: Otto Müller (Hrsg.): Auf den Spuren der Staufer. Gerlingen 1977, S. 40-54. – Er nennt dort angebliche Staufergräber in Burgos und im Prager Veitsdom ohne Hinweis darauf, wer da bestattet sein soll.

In einem anderen Aufsatz behauptet er, Gertrud von Bayern und Sachsen sei in Dänemark im Dom von Roskilde (richtig: Vä in Schweden), Beatrix sei in der Kathedrale von Burgos (richtig: Kathedrale von Sevilla) und Kunigunde sei im Prager Veitsdom (richtig: Prager Agneskloster) bestattet. – Hansmartin Decker-Hauff: Das Staufische Haus. In: Württembergisches Landesmuseum (Hrsg.): Die Zeit der Staufer. Geschichte - Kunst - Kultur. Stuttgart 1977, Band III, S. 339-374, hier: S. 354 u. S. 361.

2.

Olaf B. Rader, Von Lorch bis Palermo. Die Grablegen der Staufer als Erinnerungsorte. In: Karl-Heinz Rueß (Hrsg.): Von Palermo zum Kyffhäuser. Staufische Erinnerungen und Staufermythos, Schriften zur staufischen Geschichte und Kunst, Band 21, Göppingen 2012, S. 46-63. – Er klassifiziert die staufischen Begräbnisstätten in nur von einzelnen Familienmitgliedern genutzte (Walbourg, Sélestat), über Generationen genutzte (Lorch), überregional bedeutende (Speyer, Palermo), dem historischen Augenblick folgende (Cosenza, Bologna, Neapel) und verschollene Grablegen (Friedrich I. Barbarossa, Manfred, Konrad IV.).

3.

In diesem Rahmen wurden zahlreiche der hier verlinkten Wikipedia-Artikel bezüglich der Grabstätte ergänzt und mit eigenen Bildern sowie mit Bildern, die in anderen Artikeln zu finden sind, insbesondere auch in den italienischen und spanischen Wikipedia-Versionen, illustriert. Drei Wikipedia-Artikel wurden vollkommen neu angelegt.

4.

Friedrich von Büren wurde zunächst in der Kirche des Augustiner-Chorherrenstifts unten in Lorch beerdigt. Diese romanische, der Jungfrau Maria gewidmete Stiftskirche war der Vorgängerbau der heutigen Evangelischen Stadtkirche. 1140, als sein Enkel König Konrad III. seine Vorfahren von der Stiftskirche unten in Lorch hinauf in die Kirche des Klosters Lorch verlegte, soll er ebenfalls umgebettet worden sein. Dies geht aus einer Aufzeichnung im Roten Buch des Kloster Lorch hervor, in der es heißt: ... rex Cunradus simul cum Friderico duce Suevorum ... ossa patris sui Friderici aliorumque parentum suorum, que in beate Marie semper virginis ecclesia Loriche fuerant sepulta, inde transtulit atque in hoc monasterio ... tradidit. König Konrad III. hat demnach auch die Knochen von Friedrich (von Büren), dem Vater von Herzog Friedrich (I.) umgebettet. – Klaus Graf: Staufer-Überlieferungen aus Kloster Lorch, in: Sönke Lorenz / Ulrich Schmidt (Hrsg.): Von Schwaben bis Jerusalem. Facetten staufischer Geschichte, Sigmaringen 1995, S. 209-240, hier: S. 219.

5.

Hildegard von Egisheim wurde in der Kirche des von ihr gestifteten ehemaligen Kloster St. Fides in Sélestat (Schlettstadt) bestattet. Im Jahre 1892 wurde bei Restaurierungsarbeiten die Krypta wiederentdeckt. In einem gemauerten Grab vor dem Altar wurden die Überreste einer Frau gefunden, die mit einer dicken Kalkschicht bedeckt war, woraus man schloss, dass sie ein Opfer der Pest wurde. Ihre Gesichtszüge hatten sich in dem Kalk abgedrückt, so dass Abgüsse ihrer Büste hergestellt werden konnten. Zumal die Kleidung der Toten in das 11. oder 12. Jahrhundert passt, besteht Grund zur Vermutung, es handle sich um Hildegard. Allerdings starb diese im Alter von etwa siebzig Jahren, während die Büste eher auf eine vierzigjährige Frau hindeutet. Es wird daher auch vermutet, dass es sich um ihre kurz vor ihr verstorbene Tochter Adelheid handelt. Die Gipsabgüsse dieser Toten, die u. a. in der Krypta in Sélestat und im Dokumentationsraum für staufische Geschichte am Hohenstaufen zu sehen sind, sind die einzigen realen Portraits eines namentlich bekannten Menschen aus dem Mittelalter.

6.

Herzog Friedrich I. von Schwaben stiftete um 1100 das Benediktinerkloster Lorch. Es diente von 1140, als sein Sohn König Konrad III. den Stifter und weitere Vorfahren aus der Stiftskirche unten in Lorch in die zu diesem Zeitpunkt fertiggestellte Klosterkirche umbettete, bis zur Bestattung von Irene von Byzanz im Jahre 1208 als Grablege der Staufer. Abt Nikolas Schenk von Arberg ließ 1475 sämtliche Staufergräber im Mittelschiff, vor den Stufen des Chores und im Chor öffnen und die Überreste in eine Tumba zusammentragen, die im Mittelschiff der Klosterkirche steht. Welcher Staufer ursprünglich wo begraben war, ist unbekannt.

Herzog Friedrich I. von Schwaben wurde 1105 zunächst in der Stiftskirche unten in Lorch bestattet. Sein Sohn König Konrad III. veranlasste 1140 seine Umbettung hinauf ins Kloster. 1475 wurde Friedrich I. in der Klosterkirche aus seinem Einzelgrab in die heute noch existierende Tumba umgebettet.

Judith Welf und Irene Maria von Byzanz sind ebenfalls in diesem Gemeinschaftsgrab bestattet.

Judith Welf könnte aber auch in Walbourg im Elsass beigesetzt worden sein, vielleicht auch nur ihr Herz. So z.B. Walter Koch: König Konrad III. (1138-1152). In: Karl Rudolf Schnith (Hrsg.): Mittelalterliche Herrscher in Lebensbildern. Von den Karolingern zu den Staufern. Wien, S. 263. Allerdings gibt es in der Klosterkirche des ehemaligen Benediktiner-Klosters Sankt Walburga, wo ihre Ehemann Herzog Friedrich II. von Schwaben und dessen zweite Frau Agnes bestattet wurden, keine Spuren davon.

An Irene Maria von Byzanz, die letzte Stauferin und einzige Königin, die in Lorch bestattet wurde, erinnert ein 1898 an der Ostwand des südlichen Seitenschiffs der Lorcher Klosterkirche angebrachtes Epitaph sowie eine Stauferstele am Eingang zum Kloster.

König Heinrich (VI.), der im Alter von dreizehn Jahren verstorbene Sohn und Mitkönig Konrads III. ist möglicherweise nicht in Lorch, sondern wie seine Mutter Gertrud von Sulzbach und sein Bruder Friedrich von Rothenburg in der Abtei Ebrach bestattet. Die um 1470 entstandene Hystoria Friderici Imperatoris Magni zitiert ein heute nicht mehr existierendes Epitaph, das sich damals in der Lorcher Klosterkirche befand. Dieses zählt Heinrich und seine Mutter unter den in Lorch Bestatteten auf: Gertrud regina, Conradi regis amica, illic cum nato Heinrico iacet cinerato (dt.: Königin Gertrud, König Konrads Freundin, liegt dort mit ihrem zu Asche gewordenen Sohn Heinrich). Seine Mutter Gertrud ist aber definitiv in Ebrach bestattet. – Ferdinand Geldner: Um die frühen Staufergräber in Ebrach, Lorch und Bamberg. In: Gerd Zimmermann: Festschrift Ebrach 1127-1977, Volkach 1977, S. 38-52, hier: S. 44-48.– Siehe auch König Heinrich (VI.) vs. Kaiser Heinrich VI.

Außerdem sollen die Gebeine folgender Staufer in der Tumba liegen: Ludwig und Walter, zwei Brüder von Herzog Friedrich I.; vier jung verstorbene Kinder von Kaiser Friedrich I. Barbarossa (Beatrix, Friedrich, Rainald, Wilhelm, Konrad und Berta) sowie dessen Sohn Herzog Konrad II. von Schwaben, der im Vertrag von Seligenstadt mit einer kastilischen Prinzessin verheiratet wurde; drei früh verstorbene Kinder von Philipp von Schwaben und Irene Maria von Byzanz (Rainald, Friedrich und Beatrix) – Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg (Hrsg.): 900 Jahre Kloster Lorch. Ein Rundgang durch die Geschichte des Klosters. Stuttgart 2002, S. 10.

7.

Agnes von Waiblingen ist mit ihrem Ehemann, dem Babenberger Markgraf Leopold III., in einer öffentlich nicht zugänglichen Gruft unter dem ehemaligen Kapitelsaal des Stift Klosterneuburg in der Nähe von Wien bestattet. Dort befindet sich heute die Leopoldskapelle mit dem Verduner Altar. Der Eingang zur Gruft befindet sich direkt links neben der Kapelle. Reliquien von Leopold befinden sich seit 1936 in einem vergoldeten Silberschrein an Wand hinter dem Altar. Mehr Details.

8.

Herzog Friedrich II. von Schwaben und Agnes von Saarbrücken wurden in der Klosterkirche des ehemaligen Benediktiner-Klosters Sankt Walburga im elsässischen Walbourg bestattet, ihre Gräber sind heute jedoch nicht mehr vorhanden. – Hans-Wolfgang Bächle: Die Hohenstaufen (I). Schwäbisch Gmünd 2007, S. 53. Mehr Details.

9.

Kaiser Friedrich I. Barbarossa kam im Fluss Göksu (Türkei, damals Saleph) in der Nähe von Silifke (Türkei, damals Seleukia) um, wo heute ein Denkmal steht. Mehr Details. – Seine Eingeweide wurden in Tarsus (Türkei) beigesetzt. Sein Bindegewebe wurde in einem heute nicht mehr existierenden marmornen Sarkophag im Chor der Kirche St. Peter in Antakya (Türkei, damals Antiochia in Syrien) bestattet. Barbarossas Knochen sollen in der Kathedrale in Sour (Libanon, damals Tyrus), in deren Ruine 1874 erfolglos nach seinen Überresten gegraben wurde, beigesetzt worden sein. – Knut Görich: Friedrich Barbarossa. Eine Biographie. München 2012, S. 599 u. S. 649-651.

1874 reiste der Historiker Johannes Nepomuk Sepp auf Kosten von Reichskanzler Otto von Bismarck in den Nahen Osten, um nach den Gebeinen Barbarossas zu suchen. Hätte er bei seinen Grabungen in Sour (Tyrus) Erfolg gehabt, wären die sterblichen Überreste Barbarossas im damals kurz vor seiner endgültigen Vollendung befindlichen Kölner Dom beigesetzt worden, der damit zu einem überragenden Nationaldenkmal stilisiert worden wäre. – Olaf B. Rader, Von Lorch bis Palermo. Die Grablegen der Staufer als Erinnerungsorte. In: Karl-Heinz Rueß (Hrsg.): Von Palermo zum Kyffhäuser. Staufische Erinnerungen und Staufermythos, Schriften zur staufischen Geschichte und Kunst, Band 21, Göppingen 2012, S. 46-63, hier: S. 59. – Johann Nepomuk Sepp: Meerfahrt nach Tyrus zur Ausgrabung der Kathedrale mit Barbarossa's Grab im Auftrag des Fürsten Reichskanzler unternommen von Prof. Dr. Sepp, Leipzig 1879. Mehr Details.

Es ist bemerkenswert, dass die Gebeine des Kaisers, die sich in einer relativ kleinen Kiste hätten transportieren lassen, nicht von den heimkehrenden Kreuzrittern nach Deutschland zurückgebracht wurden, damit er beispielsweise in Speyer bei seinen salischen Vorfahren und neben seiner Frau Beatrix seine letzte Ruhestätte fände. Möglicherweise erschien aber eine Bestattung im Heiligen Land hochwertiger oder man wollte nicht die Risiken auf dem langen und gefährlichen Heimweg in Kauf nehmen.

Als eine Art Ersatzgrab dient das Kyffhäusergebirge, wo Barbarossa in einer Höhle schlafen soll. Dort wurde 1896 das monumentale Kyffhäuserdenkmal eingeweiht.

10. 

Beatrix von Burgund wurde im Dom zu Speyer bestattet, wo sie seit 1903 zusammen mit ihrer kurz vor ihr verstorbenen Tochter Agnes in einem Doppelgrab in der damals neu geschaffenen Kaisergruft liegt. Mehr Details.

11.

Kaiser Heinrich VI. und seine Ehefrau Konstanze von Sizilien sind in zwei Porphyrsarkophagen in der Kathedrale Maria Santissima Assunta (dt.: Heiligste in den Himmel aufgenommene Maria) in Palermo bestattet.

Heinrich VI. starb am 28. September 1197 in Messina und wurde zunächst dort bestattet. Wahrscheinlich im Mai 1198 wurde er in der Kathedrale von Palermo bestattet. – Hartmut Jericke: Kaiser Heinrich VI. der unbekannte Staufer. Zürich 2008, S. 122.

Sein Sohn Friedrich II. ließ 1215 zwei kostbare Porphyrsarkophage von Cefalú nach Palermo transportieren, die auf Wunsch seines normannischen Großvater Roger II. unter Verwendung römischer Spolien hergestellt worden waren. In einen der beiden ließ Friedrich die Gebeine seines Vaters Heinrich VI. umbetten, in dem anderen wurde er später selbst bestattet. In den freigewordenen Sarg von Heinrich kam dessen Frau Konstanze. Die Sarkophage standen ursprünglich im Chorbereich der Kathedrale. Erst im 18. Jahrhundert wurde die Seitenkapelle angebaut, in der sie seitdem stehen. – Olaf B. Rader, Von Lorch bis Palermo. Die Grablegen der Staufer als Erinnerungsorte. In: Karl-Heinz Rueß (Hrsg.): Von Palermo zum Kyffhäuser. Staufische Erinnerungen und Staufermythos, Schriften zur staufischen Geschichte und Kunst, Band 21, Göppingen 2012, S. 46-63, hier: S. 55.

12.

Kaiser Friedrich II. ist in einem Porphyrsarkophag in der Kathedrale Maria Santissima Assunta (dt.: Heiligste in den Himmel aufgenommene Maria) in Palermo bestattet.

Sein Herz wurde in der Kathedrale Santa Maria Assunta in Coelo (dt.: Heilige in den Himmel aufgenommene Maria) in Foggia in einer Silberkapsel in einem Sarkophag unter einem von Löwen getragenen Baldachin beigesetzt, wie von Emilio Giacomo Cavalieri († 1726) beschrieben. Dieses Grabmal ging 1731 bei einem schweren Erdbeben zugrunde, zwei grüne Säulen im Altar der Cappella Maggiore dell'Iconavetere sollen von ihm stammen. – Carl Arnold Willemsen: Apulien. Kathedralen und Kastelle. Ein Begleiter durch das normannisch-staufische Apulien. Köln 1973, S. 37.

13.

Konstanze von Aragón wurde in der Kathedrale Maria Santissima Assunta (dt.: Heiligste in den Himmel aufgenommene Maria) in Palermo in einem römischen Sarkophag beigesetzt, dessen Relief eine Löwenjagd zeigt. Die lateinische Inschrift über dem Relief lautet: Ich war Siziliens Königin und Kaiserin, Konstanze. Hier wohne ich nun, Friedrich, die Deine. Der Sarkophag befindet sich heute rechts an der Wand neben den Porphyrsarkophagen ihrer Schwiegereltern.

14.

König Heinrich (VII.) wurde im Dom von Cosenza, der Cattedrale di Santa Maria Assunta (dt.: Kathedrale der Heiligen in den Himmel aufgenommenen Maria) in einem prachtvollen Grabdenkmal beigesetzt. Dies wurde 1574 abgebrochen wurde, weil derartige Grabanlagen dem Geist des Konzils von Trient widersprachen. Bis Ende des 18. Jahrhunderts wurden Heinrichs sterbliche Reste in einer Eisenkassette in der Sakristei verwahrt, danach verlieren sich die Spuren. 1934 wurde bei Bauarbeiten im Dom ein spätantiker Sarkophag aus der Römerzeit entdeckt, in dem Heinrichs sterbliche Überreste vermutet werden. – Olaf B. Rader: Friedrich II. – Der Sizilianer auf dem Kaiserthron. München 2010, S. 414-415.

Ein italienisches Forscherteam untersuchte im Jahre 2000 seine sterblichen Überreste und stellte fest, dass Heinich (VII.) an Lepra erkrankt war. – Hans Uwe Ullrich: Gefangen in goldenen Ketten: Aus dem Leben Enzios, König von Sardinien. Berlin 2012, S. 54.

Der Steinsarg steht heute im rechten Seitenschiff des Doms und ist mit einem Bildrelief verziert, das die Erlegung des Kalydonischen Ebers darstellt. – Siehe auch Heinrich der Klammersiebte.

15.

Margarete von Babenberg wurde auf ihren Wunsch an der Seite Ihres Vaters Herzog Leopolds VI. von Österreich und der Steiermark links im Altarraum der Stiftskirche in Lilienfeld bestattet. – Sabine Penth: Margarete von Babenberg. Römische Königin - Herzogin von Österreich - Königin von Böhmen. In: Karl-Heinz Rueß (Hrsg.): Frauen der Staufer, Schriften zur staufischen Geschichte und Kunst, Band 25, Göppingen 2006, S. 90-112, hier: S. 98.

Außen an der nördlichen Balustrade um den Altarraum weisen am Marmorsockel zwei Inschriften auf die beiden Gräber hin, die sich direkt dahinter im Altarraum befinden. Mehr Details.

16.

Jolante von Brienne und Isabella von England, zweite und dritte Ehefrau von Kaiser Friedrich II., wurden in der Krypta der Kathedrale Santa Maria Assunta (dt.: Heilige in den Himmel aufgenommene Maria) in Andria bestattet. Die genaue Lage ihrer Gräber konnte bisher nicht lokalisiert werden. Die beiden Nischen im Boden der Krypta wurden 1935 durch eine Inschrift als Begräbnisstätten erklärt, ohne dass es dafür eine Gewähr gibt. – Carl Arnold Willemsen: Apulien. Kathedralen und Kastelle. Ein Begleiter durch das normannisch-staufische Apulien. Köln 1973, S. 95.

Über Landgräfin Margarete von Thüringen († 1170), Tochter von Friedrich II. und Isabella von England, lebte das Geschlecht der Staufer im Tochterstamm im Hause der Wettiner weiter. Die Landgräfin trennte sich in ihrem letzten Lebensjahr von ihrem Mann und starb in Frankfurt, wo sie im Weißfrauenkloster untergekommen war. Als 1953 im Rahmen des Abbruchs der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Weißfrauenkirche Ausgrabungen stattfanden, wurden rund siebzig Grabstätten nachgewiesen; das Grab der Landgräfin konnte jedoch nicht gefunden werden. – Armin Wolf: Die Frauen Kaiser Friedrichs II. und ihre Nachkommenschaft. In: Karl-Heinz Rueß (Hrsg.): Frauen der Staufer, Schriften zur staufischen Geschichte und Kunst, Band 25, Göppingen 2006, S. 113-90-112, hier: S. 117. – Anton Kirchner: Geschichte der Stadt Frankfurt am Main, Teil I, Frankfurt am Main 1807, S. 230.

17.

König Konrad IV. starb in Lavello. Sein Herz und seine Eingeweide wurden in Dom von Melfi beigesetzt. Im Jahre 1259 wurde der Dom von Messina bei einem durch Blitzschlag verursachten Brand samt dem dort aufgebahrten Sarg mit Konrads Leichnam vernichtet. – Walter Koch: Die Nachkommen Kaiser Friedrichs II.. In: Karl Rudolf Schnith (Hrsg.): Mittelalterliche Herrscher in Lebensbildern. Von den Karolingern zu den Staufern. Wien, S. 351.

Weder in Melfi, noch in Messina gibt es Gedenktafeln, die an Konrad IV. erinnern. – Hans-Wolfgang Bächle: Das Erbe der Hohenstaufen. Schwäbisch Gmünd 2008, S. 38.

18.

Elisabeth von Bayern wurde zunächst in einer kleinen hölzernen Johanneskirche im Kloster Stams in Tirol beigesetzt. Nachdem die Klosterkirche 1284 fertig gestellt war, wurde sie dorthin umgebettet. – Elke Goez: Elisabeth von Bayern, Gemahlin Konrads IV. und Meinhardts II. von Görz-Tirol. In: Karl-Heinz Rueß (Hrsg.): Frauen der Staufer, Schriften zur staufischen Geschichte und Kunst, Band 25, Göppingen 2006, S. 151-170, hier: S. 157-158.

Links vor dem Hauptalter der Stiftskirche in Stams liegt eine Grabplatte mit einer lateinischen Inschrift, die besagt, dass sie und ihr Ehemann Mainhardus als gemeinsame Stifter des Klosters mit vier Kindern hier bestattet sind. Im Österreichischen Grab im westlichen Mittelschiff stehen lebensgroße geschnitzte und vergoldete Statuen von ihr und ihrem Ehemann Mainhard II. Mehr Details.

19.

König Konradin wurde zunächst auf Befehl von Karl von Anjou am Strand von Neapel verscharrt, dann aber in der kleinen Kirche Santa Maria della Grotta in Neapel beigesetzt, die später zur Kirche Santa Maria del Carmine (dt.: Heilige Maria vom Berg Carmel) ausgebaut wurde. Maximilian von Bayern stiftete 1847 eine Marmorstatue, in deren Sockel seine Gebeine seitdem liegen. – Hans-Wolfgang Bächle: Das Erbe der Hohenstaufen. Schwäbisch Gmünd 2008, S. 91-93.

Mit Konradin starb das Geschlecht der Staufer im Mannesstamm aus.

In der Vorhalle der Stiftskirche von Stams erinnert eine Gedenkplatte an Elisabeths Sohn Konradin. Mehr Details.

20.

Bianca Lancia soll in Gioia del Colle gestorben sein. In der dortigen Pfarrkirche soll ihr Grab im 18. Jahrhundert entdeckt worden sein. – Olaf B. Rader: Friedrich II. Der Sizilianer auf dem Kaiserthron. München 2010, S. 256.

21.

Kaiserin Konstanze war als Ehefrau des byzantinischen Kaisers Johannes III. Kaiserin von Byzanz im Exil in Nicäa. Ihr Aufenthalt am byzantinischen Hof endete einige Jahre nach dem Tod ihres Mannes, nachdem einer seiner Nachfolger im Jahr 1261 Byzanz wieder zurückerobert hatte. Sie fand zunächst Zuflucht bei ihrem Bruder König Manfred von Sizilien und nach dessen Tod bei ihrer Nichte Königin Konstanze von Aragón. In Valencia trat sie in ein Hospitalitinnenkloster ein, wo sie hochbetagt starb. Ihr Holzsarg befindet sich an einer Wand in der Capilla Real de Santa Barbara der Kirche San Juan del Hospital in Valencia. Mehr Details.

22.

König Manfred wurde nach seiner Niederlage bei der Schlacht bei Benevent zunächst auf Befehl von Karl von Anjou bei der Calore-Brücke in Benevent am nördlichen Brückenkopf verscharrt, dann wieder ausgegraben und an der Grenze zwischen dem Königreich Neapel und dem Kirchenstaat in der Nähe von Sant’Ambrogio sul Garigliano am Ufer des Garigliano-Flusses an einer heute nicht mehr bekannten Stelle unterhalb von Rocca d'Evandro beigesetzt. – Hans-Wolfgang Bächle: Das Erbe der Hohenstaufen. Schwäbisch Gmünd 2008, S. 43.

23.

Königin Konstanze war als Ehefrau von König Peter III. Königin von Aragonien und Königin von Sizilien. Sie wurde ursprünglich im Kloster San Francisco in Barcelona bestattet. Nach dessen Abriss im Jahre 1835 wurden ihre sterblichen Reste in die Kathedrale von Barcelona verlegt, wo ihr Steinsarg an einer Wand hängt. Mehr Details.

Über Konstanze lebte das Geschlecht der Staufer im Tochterstamm im Hause Aragón weiter. – Armin Wolf: Die Frauen Kaiser Friedrichs II. und ihre Nachkommenschaft. In: Karl-Heinz Rueß (Hrsg.): Frauen der Staufer, Schriften zur staufischen Geschichte und Kunst, Band 25, Göppingen 2006, S. 113-90-112, hier: S. 122.

24.

König Enzio war ein unehelicher Sohn Friedrichs II. mit einer schwäbischen Adligen namens Adelheid, der 1229 per rescriptum principis legitimiert wurde. Sein Epitaph befindet sich in der Basilica di San Domenico in Bologna.

25.

König Philipp von Schwaben wurde im Jahre 1208 nach seiner Ermordung in Bamberg dort im Dom bestattet. Im Jahre 1213 ließ ihn sein Neffe, der spätere Kaiser Friedrich II., in den Dom zu Speyer umbetten, wo er seit 1903 in der damals neu geschaffenen Kaisergruft liegt. Mehr Details.

26.

Kaiserin Beatrix war als erste Ehefrau von Kaiser Otto IV. Kaiserin des römisch-deutschen Reiches. Sie und später auch ihr Ehemann wurden ursprünglich im Braunschweiger Dom im Langhaus neben dem Grabmal von Ottos Eltern, Heinrich der Löwe und Mathilde von England, gemeinsam bestattet. 1707 ließ Herzog Anton Ulrich von Braunschweig-Wolfenbüttel die im Langhaus bestatteten Gebeine seiner Vorfahren (mit Ausnahme von Heinrich den Löwen und dessen Frau) exhumieren und in einer monumentalen Kalkstein-Tumba in der nördlichen Apsis des Braunschweiger Doms gemeinsam beisetzen. Diese ist mit einer bronzenen Inschriftplatte bedeckt, auf der u.a. Kaiser Otto IV. und Beatrix genannt sind. 2009 wurde anlässlich des 800. Jahrestags der Kaiserkrönung von Otto IV. an der Stelle ihres früheren Grabs beim Grabmal von Heinrich der Löwe und Mathilde von England eine Gedenkplatte zur Erinnerung an das Kaiserpaar im Boden eingelassen. Mehr Details.

27.

Königin Kunigunde war als Ehefrau von König Wenzel I. Königin von Böhmen. Ihr Grab befindet sich im Prager Agneskloster. Auf der bronzenen Tafel steht: CUNEGUNDIS BOHEMORUM REGINA 1202-1248 (dt.: Kunigunde Königin der Böhmen).

28.

Königin Beatrix war als Ehefrau von König Ferdinand III. Königin von Kastilien und León. Sie wurde zunächst im Kloster Santa María la Real de Las Huelgas bei Burgos bestattet. 1279 wurde sie nach Sevilla überführt, wo ihr Gemahl in der damals als Kathedrale genutzten ehemaligen Moschee, die im 15. Jahrhundert abgerissen und mit der größten gotischen Kirche der Welt ersetzt wurde, bereits 1252 bestattet worden war. Ihr repräsentatives Grabmal befindet sich dort in der Capilla Real. – Hans-Wolfgang Bächle: Das Erbe der Hohenstaufen. Schwäbisch Gmünd 2008, S. 120-122. Mehr Details.

29.

König Konrad III. wollte laut Otto von Freising im Kloster Lorch neben seinem Vater bestattet werden. Die Mönche des Zisterzienserklosters Ebrach hingegen behaupteten, Konrad habe bei ihnen seine letzte Ruhestätte finden wollen, wo 1146 bereits seine Gemahlin Gertrud beigesetzt worden war. Die Bamberger Geistlichkeit setzte sich durch; sie bestattete Konrad drei Tage nach seinem Tod im Bamberger Dom. Sein Grab befand sich zunächst in der Nähe des Grabes Heinrichs II., des 1146 heiliggesprochenen Gründers des Bamberger Bistums. Dem 1513 fertiggestellten Kaisergrab Tilman Riemenschneiders musste Konrads Grab weichen. 1845 veranlasste König Ludwig I. von Bayern die Umbettung des Staufers in einen neuromanischen Sarkophag, der sich in der Krypta der Ostkirche befindet. – Knut Görich: Friedrich Barbarossa. Eine Biographie. München 2011, S. 99 f.

Es fällt auf, dass Friedrich II. im Jahre 1213 nur seinen Onkel Philipp von Schwaben von Bamberg nach Speyer umbetten ließ, nicht aber seinen ebenfalls in Bamberg bestatteten Urgroßonkel König Konrad III. Man kann daran ablesen, dass die Zeitgenossen Konrad nicht als Vorfahren Friedrichs ansahen und die Vorstellung einer Stauferfamilie ein späteres Konstrukt darstellt. – Olaf B. Rader, Von Lorch bis Palermo. Die Grablegen der Staufer als Erinnerungsorte. In: Karl-Heinz Rueß (Hrsg.): Von Palermo zum Kyffhäuser. Staufische Erinnerungen und Staufermythos, Schriften zur staufischen Geschichte und Kunst, Band 21, Göppingen 2012, S. 46-63, hier: S. 54 f.

30.

Gertrud von Sulzbach und ihr Sohn Friedrich von Rothenburg wurden ursprünglich vor dem Hochaltar der ersten Klosterkirche des ehemaligen Zisterzienserklosters in Ebrach beigesetzt. Friedrichs Leiche musste hierzu eigens von dem zwölfhundert Kilometer weit entfernten Rom, wo er bei einem Italienzug Barbarossas an einer Krankheit verstorben war, über die Alpen nach Ebrach transportiert werden. 1269 wurden sie in die frühgotische Kirche übertragen, wo sich ihre Gräber zunächst an einem Seitenpfeiler des Presbyteriums befanden befanden. Unklar ist, ob die Gräber damals schon bildliche Darstellungen in Form von Gisants (Liegefiguren) hatten. 1650 wurden sie an die heutige Stelle in einer südlichen Nische hinter dem Choraltar umgebettet. – Ferdinand Geldner: Um die frühen Staufergräber in Ebrach, Lorch und Bamberg. In: Gerd Zimmermann: Festschrift Ebrach 1127-1977, Volkach 1977, S. 38-52, hier: S. 48.

Der heutige Grabstein von Gertrud stammt aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Der ihres Sohnes stammt aus dem 17. Jahrhundert, also aus der Zeit, in der die beiden Gräber 1650 in die südliche Nische hinter dem Choraltar aufrecht stehend eingemauert wurden, wo sie sich heute noch befinden. Die Königin befindet sich als die wichtigere Person in heraldisch rechter Position. – Markus Hörsch: Die mittelalterlichen Bildwerke in der Abtei Ebrach und ihre Bedeutungen. Interessen und Hierarchien in einer Grabeskirche. In: Achim Hubel (Hrsg.): Neue Forschungen zur mittelalterlichen Bau- und Kunstgeschichte in Franken, Bamberg 2011, S. 77-112, hier: S. 89-97.

Ebenfalls in Ebrach bestattet wurde Hermann von Stahleck († 1156), Pfalzgraf bei Rhein. Er war der Ehemann von Gertrud, der Schwester von König Konrad III., und somit Schwippschwager von Konrads Ehefrau Gertrud von Sulzbach. Als die von ihm kurz vor seinem Tode gestiftete Abtei Bildhausen, ein Tochterkloster von Ebrach, fertiggestellt war, wurde er dorthin in den Chor der Klosterkirche umgebettet. Weil diese Klosterkirche 1826 vollständig abgerissen wurde, wollte man seinen Grabstein auf die nahe gelegene Burg Salzburg bringen, wobei er zerbrach und seitdem verschollen ist. – Peter Fuchs, Hermann, Graf von Stahleck. In: Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften (Hrsg.): Neue Deutsche Biographie, Band 8, Berlin 1969, S. 640. – Erich Schneider: Bildhausen auf hdbg.eu vom Haus der Bayerischen Geschichte.

31.

Gertrud von Bayern und Sachsen war in zweiter Ehe mit dem dänischen König Knut VI. verheiratet. Vä liegt in Schonen, einer historischen Provinz im Süden Schwedens, die bis ins 17. Jahrhundert zu Dänemark gehörte. – Johannes C. H. R. Steenstrup: Gertrud. In: Dansk biografisk Lexikon, Band 6, Kopenhagen 1887-1905, S. 10.

Dass Gertrud dort in einer der Hl. Gertrud geweihten Kapelle (Sankta Gertruds kapell) bestattet wurde, von der heute nur noch eine Ruine steht, wird hin und wieder ohne Nennung von Belegen behauptet. Plausibler wäre jedoch die heute noch existierende romanische Sankta Maria kyrka in Vä, die aus dem frühen 12. Jahrhundert stammt und auf königliche Initiative hin gegründet worden sein soll. Bei dieser der Hl. Maria geweihten Kirche hat Erzbischof Eskil von Lund, der 1170 Gertruds Ehemann Knut VI. in Ringsted zum König krönte, um 1170 ein Prämonstratenserkloster gegründet. Dieses Kloster wurde 1213 durch einen Brand zerstört, woraufhin die Chorherren in das nahegelegene Bäckaskog wegzogen. – Knut VI. überlebte Gertrud um fünf Jahre und wurde in der Sankt Bendts Kirke in Ringsted auf Seeland, der größten Insel Dänemarks, bestattet. Die um 1170 als Abteikirche der Benediktinerabtei Ringsted erbaute romanische Basilika war von 1182 bis 1341 Grablege der Könige von Dänemark. – Der Dom zu Roskilde, der hin und wieder fälschlich als Grabstätte Gertruds genannt wird, ebenfalls auf der Insel Seeland gelegen, übernahm die Rolle als Grablege der dänischen Könige erst Mitte des 15. Jahrhunderts.

32.

Basiskarte: digitale-europakarte.de.

Anlagen

stauferstelen.net