Stauferstele Speyer

Domkapitel und Stadt einigen sich auf Standort zwischen Dom und Antikenhalle

Wie die Rheinpfalz am 28. Dezember 2016 berichtete, wird die für Speyer gestiftete Stauferstele zwischen Dom und Antikenhalle aufgestellt werden. Für diesen Standort, den der Historiker Karl Erhard Schuhmacher aus Römerberg-Heiligenstein vorgeschlagen hatte, sprach sich der Kulturausschuss der Stadt am 25. Oktober 2016 aus. Jetzt konnte sich Oberbürgermeister Hansjörg Eger mit dem Domkapitel, dem die Fläche gehört, auf diesen Standort einigen.


VON PETER KOBLANK (2017)

Gemeinsame Stifter der Stauferstele sind Markus Habsburg-Lothringen und Dr. Egon Freiherr von Ellrichshausen-Rothenburg. – Ausschnitt aus der Broschüre des Komitees der Stauferfreunde Stauferfreunde stiften Stauferstelen (2014), S. 73.

Der erstgenannte Stifter ist ein Urenkel des österreichischen Kaisers Franz Josef. Wenn die k.u.k.-Monarchie noch bestände, wäre er tatsächlich ein Erzherzog von Österreich und mit Seine Kaiserliche und Königliche Hoheit (S.K.K.H.) anzusprechen. Dem Komitee scheint entgangen zu sein, dass derartige Titel und Würden mit dem Adelsaufhebungsgesetz von 1919 aufgehoben wurden und deren Führung im öffentlichen Verkehr in Österreich seit nun schon fast hundert Jahren strafbar ist.

Insgesamt 69 Aufenthalte in Speyer, darunter zahlreiche Hoftage, sind für die staufischen Monarchen König Konrad II., Kaiser Friedrich I. Barbarossa, Kaiser Heinrich VI., König Philipp von Schwaben, Kaiser Friedrich II., König Heinrich (VII.) und König Konrad nachweisbar.

Am Weihnachtshoftag 1146 in Speyer rief Bernhard von Clairvaux in einer Predigt zum 2. Kreuzzug auf. Daraufhin verpflichtete sich König Konrad III. gemeinsam mit seinem Neffen Friedrich, dem späteren Kaiser Friedrich I. Barbarossa, zur Kreuzzugsteilnahme.

In der Kaisergruft des Doms zu Speyer ist die 1184 verstorbene zweite Ehefrau von Kaiser Friedrich I. Barbarossa, Beatrix von Burgund, mit ihrer im selben Jahr als Kind verstorbenen Tochter Agnes bestattet. Zweifellos war es der Wunsch des Kaisers, dort neben seiner Frau und bei seinen Vorfahren, den Salierkaisern, bestattet zu werden. Allerdings starb er 1190 auf dem Dritten Kreuzzug, wo seine sterblichen Überreste in Tarsus (Eingeweide) und Antakya (Bindegewebe) in der heutigen Türkei sowie in Sour (Knochen) im heutigen Libanon verschollen sind.

1193 fand in Speyer in der Karwoche 1193 ein Hoftag statt, auf dem es zur Gegenüberstellung von Kaiser Heinrich VI. und seinem Gefangenen Richard Löwenherz kam. Der König von England war auf seiner Rückreise vom Dritten Kreuzzug wider alles Recht von Herzog Leopold V. von Österreich gefangen genommen und dem Kaiser übergeben worden. Er wurde nach längerer Gefangenschaft auf Burg Trifels gegen eine horrende Lösegeldforderung freigelassen.

Konrad III. von Scharfenberg, Bischof von Speyer, wurde 1208 von König Philipp von Schwaben, einem Sohn von Barbarossa, zum Kanzler berufen. Er war neben dem Truchsess und dem Kämmerer im königlichen Gemach in Bamberg anwesend, als Otto VIII. von Wittelsbach im selben Jahr den König ermordete. Nach Philipps Tod verwaltete Konrad die Reichsinsignien und brachte sie von Bamberg zur Reichsburg Trifels.

Philipp von Schwaben wurde ursprünglich im Bamberger Dom bestattet. Sein Neffe, der spätere Kaiser Friedrich II., veranlasste die Umbettung von Bamberg in den Speyerer Dom und war am 29. Dezember 1213 bei der Zeremonie anwesend.

V.l.n.r.: Im Vordergrund das Doppelgrab von Barbarossas Ehefrau Beatrix und ihrer Tochter Agnes. Dahinter das Grab von Philipp von Schwaben, der nach seiner Ermordung im Jahr 1208 ursprünglich in Bamberg bestattet wurde, aber 1213 von seinem Neffen, dem späteren Kaiser Friedrich II., nach Speyer umgebettet wurde. – Philipp von Schwaben auf einem gotischen Steinrelief (um 1480) an der Südwand der Vorhalle der Krypta und als Statue von Anton Dominik von Fernkorn (1858) in der Vorhalle des neoromanischen Westbaus. – Im Jahr 1900 wurden die Gräber im Dom geöffnet. Das Grab von Philipp von Schwaben auf dem Bild rechts war das erste, auf das man bei den Grabungen stieß. 1903 wurde er in einem neuen Bleisarg in der kurz zuvor fertiggestellten neuen Kaisergruft unter dem östlichen Ende des Mittelschiffs wiederbestattet, ebenso wie seine Mutter Beatrix von Burgund und seine Schwester Agnes. Siehe auch: Staufergräber

Im Jahr 1220 begleitete der Speyerer Bischof Konrad den staufischen König Friedrich II. nach Rom zur Kaiserkrönung durch Papst Honorius III. In Italien lernte er auf dieser Reise die neuen Ordensgemeinschaften der Dominikaner und Franziskaner kennen. Hieraus resultierte einer der ersten Franziskanerkonvente in Deutschland, das Franziskanerkloster Speyer.

Standort am Dom

Wie die Rheinpfalz am 6. Juli 2016 berichtete, setzt sich der Historiker Karl Erhard Schuhmacher aus Römerberg-Heiligenstein – der mit dem Komitee der Stauferfreunde nicht in Kontakt steht – dafür ein, dass die Stauferstele zwischen Dom und Antikenhalle aufgestellt wird. Er weist darauf hin, dass über den Dom als Grablege hinaus die vielen Aufenthalte der Stauferkaiser Friedrich Barbarossa, Heinrich VI. und Friedrich II. in Speyer von weit größerer Bedeutung seien. Historiker sprächen angesichts der grundlegenden Reiseherrschaft der Stauferkaiser von einem "residentiellen Charakter" der Stadt. Die Kaiser des Hochmittelalters hatten keinen ständigen Herrschersitz und zogen von Pfalz zu Pfalz und von Stadt zu Stadt. Häufigere längere Aufenthalte an einem Ort galten als vorübergehende Residenz.

In Speyer diente nach Auffassung von Schuhmacher die damals nördlich des Querhauses des Doms gelegene Bischofspfalz als Stätte staufischer Reichstage und temporärer Sitz der kaiserlichen Verwaltung.

Nördlich des Doms befand sich zur Stauferzeit auf dieser derzeit wenig ansprechenden Fläche die Bischofspfalz, die Stätte staufischer Hoftage. Hier ist der ideale Standort für die geplante Stauferstele. Fotos: Schuhmacher.

Argumente von
Karl Erhard Schuhmacher

"Als Aufenthaltsort, Tagungsstätte von Reichstagen und zeitweiliger Sitz der Verwaltung der Staufer diente aller Wahrscheinlichkeit nach die sogenannte Bischofspfalz, ein Residenzgebäude, das sich nördlich des Querhauses des Doms befand.

Die ehemalige Bischofspfalz mit Nebengebäude erstreckte sich von der hinteren Ecke des nördlichen Querhauses bis zur heutigen Ehrenhalle. Diese Fläche ist heute in einer Breite von knapp fünfzehn Metern baumfrei, also für die Stele gut geeignet, und gegenwärtig gärtnerisch nicht gestaltet.

Diese Fläche nördlich des Doms wird gegenüber der südlichen Schauseite vernachlässigt, obwohl es historisch gesehen ein sehr bedeutender Platz mit Bischofspfalz und Jesuitenkirche war. Noch heute ist die Nordseite des Domgebäudes mit der St. Afra-Kapelle baulich interessanter als die Südseite.

Wie meine obigen Bilder zeigen, führt von der Apsis kommend ein Spazierweg am nördlichen Querhaus vorbei und entlang der St. Afra-Kapelle zu einer befestigten Fläche auf der Höhe des Westwerks. Ein zweiter Weg von dem unteren Domgarten kommend schräg zum Dom hin und vereinigt sich auf der Höhe der St. Afra-Kapelle mit dem ersten Weg.

Ich sehe in der momentan wenig einladenden Situation die gute Chance, die ganze Fläche zwischen nördlichem Querhaus und Ehrenhalle durch eine neue Wegführung- und Weggestaltung und durch Neugestaltung der Fläche rund um die zu erstellende Stele ansprechend zu gestalten."

Laut Rheinpfalz vom 29. Juni 2016 teilte die städtische Pressestelle im Oktober 2013 auf Anfrage mit, dass es "Gesprächskontakte der Stadtspitze mit dem Verein der Stauferfreude" gäbe. Allerdings sei der Standort noch nicht geklärt. Weil ein Standort am Dom gewünscht sei, solle das Domkapitel in die Gespräche einbezogen werden.

Im April 2014 habe die Stadtverwaltung eine neue Anfrage der Zeitung damit beantwortet, dass sich noch "nichts Neues" ergeben habe. Am 10. Juni 2016 habe das Bistum der Zeitung auf Anfrage mitgeteilt, das Domkapitel stehe der Idee wohlwollend entgegen, sehe jedoch "keine Möglichkeit der Umsetzung auf dem Domgelände." Dies sei dem Komitee der Stauferfreunde schriftlich mitgeteilt worden, verbunden mit der Empfehlung, sich an die Stadt Speyer zu wenden, "um einen Standort im weiteren Dom-Umfeld, zum Beispiel im unteren Domgarten, ins Auge zu fassen."

Auf die daraufhin neuerliche Anfrage der Rheinpfalz an die Stadtverwaltung habe Pressesprecher Matthias Nowack den Beratungstermin im Kulturausschuss am 25. Oktober 2016 mitgeteilt.

Positive Entscheidung des Kulturausschusses

Wie die Rheinpfalz am 26. Oktober 2016 unter der Headline "Die Frage geht ans Domkapitel" berichtete, stimmte der Kulturausschuss unter Vorsitz von Oberbürgermeister Hansjörg Eger der Errichtung der Stauferstele beim Dom zu. Damit ist er dem bereits seit Herbst 2013 vorliegenden Antrag und den Überlegungen von Karl Erhard Schuhmacher vom Sommer 2016 gefolgt.

Eger habe, so der Pressebericht, als nächsten Schritt ein Gespräch mit dem Domkapitel als Eigentümer des Geländes zwischen Dom und Antikenhalle angekündigt. Falls das Domkapitel nicht zustimmen sollte, habe sich der Kulturausschuss für einen noch näher zu bestimmenden Standort im unteren Domgarten ausgesprochen. Diesen Bereich habe das Domkapitel im Vorfeld favorisiert.

Wie die Onlinezeitung Speyer Aktuell am 27. Oktober 2016 berichtete, gehört das Areal rund um den Dom verschiedenen Eigentümern, und zwar je nach Fläche der Stadt, der Pfarrei Pax Christi, dem Bischof, dem Domkapitel oder der Bürgerhospitalstiftung.

Einigung mit dem Domkapitel

Wie die Rheinpfalz am 28. Dezember 2016 berichtete, wird nach der Einigung mit dem Domkapitel ein Ortstermin notwendig, um den genauen Standort festzulegen. Dieser soll nach Auskunft von Stadtsprecher Matthias Nowack möglicherweise Anfang Februar 2017 stattfinden.

Nach Mitteilung von Karl Erhard Schuhmacher haben Rasenfläche und Wege der gesamten Nordseite auf Grund von Bauarbeiten für ein neues Beleuchtungssystem für den Dom inzwischen stark gelitten. Es sei daher umso dringender, dass dieser Teil des Domgartens durch gärtnerische Bearbeitung seinen Gartencharakter zurück erhalte. Seiner Meinung nach wäre beim Domkapitel anzuregen, dessen Parkplätze auf den befestigten südlichen Teil zu beschränken. Er empfiehlt dem Komitee der Stauferfreunde, den geplanten Aufstellungsort, so wie er sich heute darstellt, in Augenschein zu nehmen.

Am 23. Februar 2017 berichtete die Rheinpfalz, dass Domkustos Peter Schappert als Vertreter des Grundstücksbesitzers Domkapitel und der von Pressesprecher Matthias Nowack sowie Martin Spitz vom Baubetriebshof begleitete OB Hansjörg Eger sich über einen Standort etwa fünfzehn Meter stadteinwärts von der Antikenhalle an der Nordseite des Doms gelegenen Standort geeinigt haben.

Geplante Stauferstelen

stauferstelen.net