Stauferstele Speyer

Domkapitel und Stadt einigen sich auf Standort zwischen Dom und Antikenhalle

Wie die Rheinpfalz am 28. Dezember 2016 berichtete, wird die für Speyer gestiftete Stauferstele zwischen Dom und Antikenhalle aufgestellt werden. Für diesen Standort, den der Historiker Karl Erhard Schuhmacher aus Römerberg-Heiligenstein vorgeschlagen hatte, sprach sich der Kulturausschuss der Stadt am 25. Oktober 2016 aus. Jetzt konnte sich Oberbürgermeister Hansjörg Eger mit dem Domkapitel, dem die Fläche gehört, auf diesen Standort einigen.


VON PETER KOBLANK (2017)

Insgesamt 69 Aufenthalte in Speyer, darunter zahlreiche Hoftage, sind für die staufischen Monarchen König Konrad II., Kaiser Friedrich I. Barbarossa, Kaiser Heinrich VI., König Philipp von Schwaben, Kaiser Friedrich II., König Heinrich (VII.) und König Konrad nachweisbar.

Am Weihnachtshoftag 1146 in Speyer rief Bernhard von Clairvaux in einer Predigt zum 2. Kreuzzug auf. Daraufhin verpflichtete sich König Konrad III. gemeinsam mit seinem Neffen Friedrich, dem späteren Kaiser Friedrich I. Barbarossa, zur Kreuzzugsteilnahme (RI IV,2,1 n. 19.)

In der Kaisergruft des Doms zu Speyer ist die 1184 verstorbene zweite Ehefrau von Kaiser Friedrich I. Barbarossa, Beatrix von Burgund, mit ihrer kurz vor ihr verstorbenen Tochter Agnes bestattet. Diese im Kindesalter verstorbene Tochter war nach 1180 mit dem späteren König Emmerich von Ungarn verlobt worden. Emmerich heiratete später Konstanze von Aragon, die wiederum nach seinem Tod in zweiter Ehe den späteren Kaiser Friedrich II. heiratete.

Zweifellos war es der Wunsch von Barbarossa, dort neben seiner Frau und bei seinen Vorfahren, den Salierkaisern, bestattet zu werden. Allerdings starb er 1190 auf dem Dritten Kreuzzug, wo seine sterblichen Überreste in Tarsus (Eingeweide) und Antakya (Bindegewebe) in der heutigen Türkei sowie in Sour (Knochen) im heutigen Libanon verschollen sind.

1193 fand in Speyer in der Karwoche ein Hoftag statt, auf dem es zur Gegenüberstellung von Kaiser Heinrich VI. und seinem Gefangenen Richard Löwenherz kam. Der König von England war auf seiner Rückreise vom Dritten Kreuzzug wider alles Recht von Herzog Leopold V. von Österreich gefangen genommen und dem Kaiser übergeben worden. Er wurde nach längerer Gefangenschaft auf Burg Trifels gegen eine horrende Lösegeldforderung freigelassen.

Konrad III. von Scharfenberg, Bischof von Speyer, wurde 1208 von König Philipp von Schwaben, einem Sohn von Barbarossa, zum Kanzler berufen. Er war neben dem Truchsess und dem Kämmerer im königlichen Gemach in Bamberg anwesend, als Otto VIII. von Wittelsbach im selben Jahr den König ermordete. Nach Philipps Tod verwaltete Konrad die Reichsinsignien und brachte sie zur Reichsburg Trifels.

Philipp von Schwaben wurde ursprünglich im Bamberger Dom bestattet. Sein Neffe, der spätere Kaiser Friedrich II., veranlasste die Umbettung von Bamberg in den Speyerer Dom und war Ende Dezember 1213 bei der Zeremonie anwesend. (MGH DD F II, Band 2, Nr. 213).

V.l.n.r.: Im Vordergrund das Doppelgrab von Barbarossas Ehefrau Beatrix und ihrer Tochter Agnes. Dahinter das Grab von Philipp von Schwaben, der nach seiner Ermordung im Jahr 1208 ursprünglich in Bamberg bestattet wurde, aber 1213 von seinem Neffen, dem späteren Kaiser Friedrich II., nach Speyer umgebettet wurde. – Philipp von Schwaben auf einem gotischen Steinrelief (um 1480) an der Südwand der Vorhalle der Krypta und als Statue von Anton Dominik von Fernkorn (1858) in der Vorhalle des neoromanischen Westbaus. – Im Jahr 1900 wurden die Gräber im Dom geöffnet. Das Grab von Philipp von Schwaben auf dem Bild rechts war das erste, auf das man bei den Grabungen stieß. 1903 wurde er in einem neuen Bleisarg in der kurz zuvor fertiggestellten neuen Kaisergruft unter dem östlichen Ende des Mittelschiffs wiederbestattet, ebenso wie seine Mutter Beatrix von Burgund und seine Schwester Agnes. Siehe auch: Staufergräber.

Im Jahr 1220 begleitete der bereits erwähnte Speyerer Bischof Konrad III den staufischen König Friedrich II. nach Rom zur Kaiserkrönung durch Papst Honorius III. In Italien lernte er auf dieser Reise die neuen Ordensgemeinschaften der Dominikaner und Franziskaner kennen. Hieraus resultierte einer der ersten Franziskanerkonvente in Deutschland, das Franziskanerkloster Speyer.

Vier Salierkaiser, vier Könige aus den Häusern Habsburg, Nassau und der ungarischen Arpaden, die Pfarrkirche von Esslingen, das Jahr der Weihe des Doms und das seiner Erhebung zum UNESCO Weltkulturerbe - soll all das tatsächlich auf der Stauferstele in Speyer stehen?
Vergrößerte Ansicht.

Die Inschriften der Stele

Im Rahmen des über mehrere Jahre gehenden Entscheidungsprozesses, der schließlich zu einem Standort im nördlichen oberen Domgarten führte (siehe unten), haben sich Bistumsarchiv, Stadtarchiv und das "Komitee der Stauferfreunde" auf die Inschriften des Stele geeinigt. Diesen Text kann man unter buergerinfo.speyer.de abrufen.

Es handelt sich um den wortreichsten Text, der jemals in eine Stauferstele graviert wurde.

Dies ist unter anderem einer Liste sämtlicher im Dom bestatteter Könige und Kaiser geschuldet, unter ihnen aber nur ein einziger Staufer: Philipp von Schwaben. Diese Auflistung, die auch noch unnötigerweise das Weihejahr des Doms und das Jahr seiner Erhebung zum UNESCO Weltkulturerbe erwähnt, nennt an drittletzter und letzter Stelle Rudolf I. von Habsburg und Albrecht I. von Habsburg.

Dass der einzige Staufer in dieser Auflistung für den historisch interessierten Normalverbraucher nicht als solcher erkennbar ist und dort vollkommen untergeht, scheint dabei keine Rolle zu spielen.

Zwar wird Philipp von Schwaben im Zusammenhang mit seiner Umbettung aus Bamberg in einer weiteren Inschrift erwähnt, aber dort weiß man nicht, wer wichtiger ist: Philipp oder die Pfarrkirche von Esslingen.

Wer war "Agnes von Schwaben"?

Dass auch Kaiserin Beatrix, die Ehefrau von Kaiser Friedrich I. Barbarossa, im Speyerer Dom bestattet ist, wird nur beiläufig unterhalb einer Inschrift zu ihrer auch unter Historikern weitgehend unbekannten Tochter Agnes erwähnt.

Am 8. Oktober 1184 starb Agnes bereits im Kindesalter, wahrscheinlich mit sechs Jahren, wenige Wochen vor ihrer Mutter Beatrix und wurde bei der Gelegenheit mit ihr im Speyerer Dom bestattet.

Das kleine Mädchen war mit einem Sohn von König Béla III. von Ungarn verlobt, wahrscheinlich mit dessen 1182 zum Mitkönig gekrönten erstgeborenen Sohn Emmerich (auch Imre genannt), der bei ihrem Tod auch erst zehn Jahre alt war. Die Verlobung ist nach 1180 anzusetzen, da laut einer Chronik des Stift Zwettl in diesem Jahr Barbarossa und Béla über die Verheiratung ihrer Kinder verhandelten. Ein genaues Datum oder wenigstens Jahr der Verlobung geben die Quellen nicht her. Wenn auf der Stele steht, dass diese Verlobung im Jahre 1182 stattfand, so ist dies frei erfunden und wird daher auf der Liste der Errata landen.

Dass diese Agnes nur ein kleines Kind war und keine historische Relevanz besaß, ist für den Leser dieser Inschrift nicht erkennbar.

Werden die Stifter die Notbremse ziehen?

Wesentlich sinnvoller wäre es, auf einer der vier Textseiten der Stele in aller Prägnanz zu thematisieren, dass die staufische Kaiserin Beatrix (mitsamt ihrer kleinen Tochter Agnes) und ihr Sohn, König Philipp von Schwaben, in der Kaisergruft des Domes liegen.

Die kontrapunktive Weitschweifigkeit des bisherigen Konzepts, in dem nicht einmal eine Schenkung einer Esslinger Kirche an das Speyerer Domkapitel unerwähnt bleiben kann, wirft zwei Fragen auf:

  • Wie man bei anderen mit ähnlich zu viel Text überladenen Stauferstelen beobachten kann, liest das niemand. Die meisten anfangs durchaus Interessierten wenden sich nach der Lektüre von spätestens zwei Seiten überfordert ab und gehen weiter.
  • Im Festpreis einer Stele ist eine bestimmte Anzahl eingravierter Buchstaben enthalten. Hier in Speyer sind es geschätzt fast doppelt so viele Buchstaben. Dies führt zu ein paar tausend Euro Mehrkosten, die die Stifter zusätzlich zu übernehmen hätten.

Es ist eine spannende Frage, ob die Stifter diesen Mehrpreis zahlen werden oder – zum Wohle der Speyerer Stauferstele – die Notbremse ziehen und auf prägnante und übersichtliche Texte pochen, die der Staufer und der Stadt Speyer würdig sind.

Der lange Weg zum Standort am Dom

Wie die Rheinpfalz am 6. Juli 2016 berichtete, setzt sich der Historiker Karl Erhard Schuhmacher aus Römerberg-Heiligenstein – der mit dem Komitee der Stauferfreunde nicht in Kontakt steht – dafür ein, dass die Stauferstele zwischen Dom und Antikenhalle aufgestellt wird. Er weist darauf hin, dass über den Dom als Grablege hinaus die vielen Aufenthalte der Stauferkaiser Friedrich Barbarossa, Heinrich VI. und Friedrich II. in Speyer von weit größerer Bedeutung seien. Historiker sprächen angesichts der grundlegenden Reiseherrschaft der Stauferkaiser von einem "residentiellen Charakter" der Stadt. Die Kaiser des Hochmittelalters hatten keinen ständigen Herrschersitz und zogen von Pfalz zu Pfalz und von Stadt zu Stadt. Häufigere längere Aufenthalte an einem Ort galten als vorübergehende Residenz.

In Speyer diente nach Auffassung von Schuhmacher die damals nördlich des Querhauses des Doms gelegene Bischofspfalz als Stätte staufischer Reichstage und temporärer Sitz der kaiserlichen Verwaltung.

Nördlich des Doms befand sich zur Stauferzeit auf dieser derzeit wenig ansprechenden Fläche die Bischofspfalz, die Stätte staufischer Hoftage. Hier ist der ideale Standort für die geplante Stauferstele. Fotos: Schuhmacher.

Argumente von
Karl Erhard Schuhmacher

"Als Aufenthaltsort, Tagungsstätte von Reichstagen und zeitweiliger Sitz der Verwaltung der Staufer diente aller Wahrscheinlichkeit nach die sogenannte Bischofspfalz, ein Residenzgebäude, das sich nördlich des Querhauses des Doms befand.

Die ehemalige Bischofspfalz mit Nebengebäude erstreckte sich von der hinteren Ecke des nördlichen Querhauses bis zur heutigen Ehrenhalle. Diese Fläche ist heute in einer Breite von knapp fünfzehn Metern baumfrei, also für die Stele gut geeignet, und gegenwärtig gärtnerisch nicht gestaltet.

Diese Fläche nördlich des Doms wird gegenüber der südlichen Schauseite vernachlässigt, obwohl es historisch gesehen ein sehr bedeutender Platz mit Bischofspfalz und Jesuitenkirche war. Noch heute ist die Nordseite des Domgebäudes mit der St. Afra-Kapelle baulich interessanter als die Südseite.

Wie meine obigen Bilder zeigen, führt von der Apsis kommend ein Spazierweg am nördlichen Querhaus vorbei und entlang der St. Afra-Kapelle zu einer befestigten Fläche auf der Höhe des Westwerks. Ein zweiter Weg von dem unteren Domgarten kommend schräg zum Dom hin und vereinigt sich auf der Höhe der St. Afra-Kapelle mit dem ersten Weg.

Ich sehe in der momentan wenig einladenden Situation die gute Chance, die ganze Fläche zwischen nördlichem Querhaus und Ehrenhalle durch eine neue Wegführung- und Weggestaltung und durch Neugestaltung der Fläche rund um die zu erstellende Stele ansprechend zu gestalten."

Laut Rheinpfalz vom 29. Juni 2016 teilte die städtische Pressestelle im Oktober 2013 auf Anfrage mit, dass es "Gesprächskontakte der Stadtspitze mit dem Verein der Stauferfreude" gäbe. Allerdings sei der Standort noch nicht geklärt. Weil ein Standort am Dom gewünscht sei, solle das Domkapitel in die Gespräche einbezogen werden.

Im April 2014 habe die Stadtverwaltung eine neue Anfrage der Zeitung damit beantwortet, dass sich noch "nichts Neues" ergeben habe. Am 10. Juni 2016 habe das Bistum der Zeitung auf Anfrage mitgeteilt, das Domkapitel stehe der Idee wohlwollend entgegen, sehe jedoch "keine Möglichkeit der Umsetzung auf dem Domgelände." Dies sei dem Komitee der Stauferfreunde schriftlich mitgeteilt worden, verbunden mit der Empfehlung, sich an die Stadt Speyer zu wenden, "um einen Standort im weiteren Dom-Umfeld, zum Beispiel im unteren Domgarten, ins Auge zu fassen."

Auf die daraufhin neuerliche Anfrage der Rheinpfalz an die Stadtverwaltung habe Pressesprecher Matthias Nowack den Beratungstermin im Kulturausschuss am 25. Oktober 2016 mitgeteilt.

Positive Entscheidung des Kulturausschusses

Wie die Rheinpfalz am 26. Oktober 2016 unter der Headline "Die Frage geht ans Domkapitel" berichtete, stimmte der Kulturausschuss unter Vorsitz von Oberbürgermeister Hansjörg Eger der Errichtung der Stauferstele beim Dom zu. Damit ist er dem bereits seit Herbst 2013 vorliegenden Antrag und den Überlegungen von Karl Erhard Schuhmacher vom Sommer 2016 gefolgt.

Eger habe, so der Pressebericht, als nächsten Schritt ein Gespräch mit dem Domkapitel als Eigentümer des Geländes zwischen Dom und Antikenhalle angekündigt. Falls das Domkapitel nicht zustimmen sollte, habe sich der Kulturausschuss für einen noch näher zu bestimmenden Standort im unteren Domgarten ausgesprochen. Diesen Bereich habe das Domkapitel im Vorfeld favorisiert.

Wie die Onlinezeitung Speyer Aktuell am 27. Oktober 2016 berichtete, gehört das Areal rund um den Dom verschiedenen Eigentümern, und zwar je nach Fläche der Stadt, der Pfarrei Pax Christi, dem Bischof, dem Domkapitel oder der Bürgerhospitalstiftung.

Einigung mit dem Domkapitel

Wie die Rheinpfalz am 28. Dezember 2016 berichtete, wird nach der Einigung mit dem Domkapitel ein Ortstermin notwendig, um den genauen Standort festzulegen. Dieser soll nach Auskunft von Stadtsprecher Matthias Nowack möglicherweise Anfang Februar 2017 stattfinden.

Nach Mitteilung von Karl Erhard Schuhmacher haben Rasenfläche und Wege der gesamten Nordseite auf Grund von Bauarbeiten für ein neues Beleuchtungssystem für den Dom inzwischen stark gelitten. Es sei daher umso dringender, dass dieser Teil des Domgartens durch gärtnerische Bearbeitung seinen Gartencharakter zurück erhalte. Seiner Meinung nach wäre beim Domkapitel anzuregen, dessen Parkplätze auf den befestigten südlichen Teil zu beschränken. Er empfiehlt dem Komitee der Stauferfreunde, den geplanten Aufstellungsort, so wie er sich heute darstellt, in Augenschein zu nehmen.

Am 23. Februar 2017 berichtete die Rheinpfalz, dass Domkustos Peter Schappert als Vertreter des Grundstücksbesitzers Domkapitel und der von Pressesprecher Matthias Nowack sowie Martin Spitz vom Baubetriebshof begleitete OB Hansjörg Eger sich über einen Standort etwa fünfzehn Meter stadteinwärts von der Antikenhalle an der Nordseite des Doms gelegenen Standort geeinigt haben.

Stadtratsbeschluss am 15. November 2017

Der Stadtrat beschloss am 15. November 2017 auf Empfehlung des Kulturausschusses vom 24. Oktober 2017 die Errichtung einer Stauferstele im nördlichen oberen Domgarten.

Geplante Stauferstelen

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