Das "staufische" Königreich Jerusalem

Zwischen 1225 und 1268 waren die Staufer auch Könige von Jerusalem

Mit der Heirat von Königin Isabella II. von Jerusalem wurde Kaiser Friedrich II. aus dem Hause der Staufer zum König von Jerusalem. Diesen Titel trugen auch sein Sohn König Konrad IV. und dessen Sohn Konrad, genannt Konradin. Mit der Hinrichtung Konradins im Jahre 1168 in Neapel, starben die Staufer in männlicher Linie aus.


VON PETER KOBLANK (2018)

Jerusalem ist für alle drei abrahamitischen Religionen eine heilige Stadt:

  • König Salomo hat auf dem Tempelberg den ersten jüdischen Tempel erbaut, der Anfang des 6. Jh. v. Chr. durch die Babylonier zerstört wurde. Die Klagemauer ist ein Rest einer neuen Tempelanlage, die 70 n.Chr. von den Römern zerstört wurde.
  • Jesus von Nazareth ist nach christlichem Glauben am dritten Tag nach seiner Kreuzigung dort, wo heute die Grabeskirche steht, von den Toten wiederauferstanden.
  • Der Prophet Mohammed ist nach sunnitischem Glauben von dort, wo heute der Felsendom steht, in den Himmel aufgestiegen, um sich mit Propheten des Judentums und Jesus zu treffen.

Ende des 11. Jahrhunderts stand Jerusalem unter muslimischer Herrschaft.

1. Vorgeschichte

1.1 Erster Kreuzzug und Gründung der Kreuzfahrerstaaten

Papst Urban II. rief im Jahre 1095 in Clermont dazu, dem Byzantinischen Kaiserreich gegen eine Invasion der muslimischen Seltschuken zu helfen. Das Hauptziel dieses Kreuzzug, zu dem wahrscheinlich zwischen siebzig- und hunderttausend Adlige und einfache Menschen aufbrachen, wurde dann aber das Heilige Land. Im Juli 1099 wurde Jerusalem erobert und dieser Erfolg im August 1099 mit einem Sieg bei Askalon gekrönt.

Der Erste Kreuzzug war ein voller Erfolg und führte zur Gründung von vier Kreuzfahrerstaaten. Vergrößertes Bild.
Die christlichen Adligen, die zum Bleiben bereit waren, gründeten zwischen 1098 und 1109 in Palästina vier Kreuzfahrerstaaten:
  • Grafschaft Edessa
  • Fürstentum Antiochia
  • Königreich Jerusalem
  • Grafschaft Tripolis

Die Kreuzfahrer boten zunächst Raimund von Toulouse die Königskrone von Jerusalem an, der sie aber ablehnte.

Als zweiter wurde Gottfried von Bouillon gefragt, der ebenfalls eine Krönung ablehnte, da er in der Stadt, in der Jesus Christus die Dornenkrone getragen habe, keine goldene Krone tragen wollte. Er war aber bereit, die Herrschaft zu übernehmen und ließ sich mit princeps (dt.: Fürst) und advocatus sancti sepulchri (dt.: Vogt des Heiligen Grabes) titulieren. Der tiefere Grund für seine Ablehnung der Königskrone könnte gewesen sein, dass er sich nicht über den Patriarchen von Jerusalem stellen wollte, der eine theokratische Herrschaft unter Führung des Papstes anstrebte. Gottfried erweiterte die Grenzen des Königreichs durch die Eroberung von Jaffa, Haifa, Tiberias und weiterer Städte.

1.2 Königreich Jerusalem

Wappen des Königreichs Jerusalem.
Nach Gottfrieds Tod im Juli 1100 übernahm dessen älterer Bruder Balduin die Herrschaft und ließ sich vom Patriarchen zum König der Lateiner von Jerusalem krönen. Diese Krönung fand zwar "nur" in Bethlehem und nicht in Jerusalem statt, aber damit waren die Würfel für einen säkularen Staat gefallen und das Königreich etabliert. Balduin eroberte die Hafenstädte Akkon, Beirut und Sidon und erlangte die Oberhoheit über die drei anderen Kreuzfahrerstaaten Edessa (von ihm selbst im Jahre 1097 gegründet), Antiochia und Tripolis.

Als nach seinem erbenlosen Tod sein Bruder Eustach kein Interesse am Thron hatte, wählten die Adligen einen Verwandten – möglicherweise war er ein Cousin – namens Balduin zum neuen König. Alle weiteren Thronfolger wurden dem Erbrecht entsprechend zu Königen und Königinnen gewählt.

Die Mehrheit der Einwohner des Königreichs waren dort bereits ansässige griechisch- und syrisch-orthodoxe Christen, Muslime und Juden, die arabisch oder griechisch sprachen. Die neue adlige Führungsschicht und die einfachen Zuwanderer, die hauptsächlich aus Frankreich stammten, sprachen altfranzösisch. Es gab wenig Deutsche, da die meisten von ihnen am Ende des Ersten Kreuzzugs zurückgefahren waren.

1.3 Verlust von Edessa und Zweiter Kreuzzug

Die Grafschaft Edessa war der als erstes gegründete Kreuzfahrerstaat, flächenmäßig größer als das Königreich Jerusalem, aber auch der erste, der wieder verloren ging. Die Stadt Edessa (heute: Urfa in der Türkei) wurde 1144 unter Imad ad-Din Zengi, dem Atabeg von Aleppo und Mosul, von den Muslimen erobert.

Das löste den Zweiten Kreuzzug aus. Dieser begann 1147 unter Führung des römisch-deutschen Königs Konrad III. aus dem Haus der Staufer und des französischen Königs Ludwig VII. und verlief nach einer erfolglosen Belagerung von Damaskus im Jahre 1149 im Sande.

Zengis Sohn Nur-ad-Din gelang es in den Folgejahren, das muslimische Syrien unter seiner Führung zu vereinen und die Grafschaft Edessa vollständig einzunehmen.

1.4 Verlust von Jerusalem und Reduzierung auf Tyrus

Nach dem Sieg Saladins im Jahre 1187 in der Schlacht von Hattin war vom Königreich Jerusalem schließlich nur noch Tyrus übrig. Die Grafschaft Edessa war schon unter dessen Vorgänger Nur-ad-Din von der Landkarte verschwunden. – Richard Löwenherz gelang im Laufe des Dritten Kreuzzugs 1190 die Rückeroberung von Akkon und nach der gewonnenen Schlacht bei Arsuf im Jahre 1191 die Wiederherstellung eines schmalen Küstenstreifens mit Hafenstädten von Tyrus bis Askalon. Vergrößertes Bild.
In den 1170er Jahren gelang es dem Kurden Saladin, der ursprünglich ein Befehlshaber und Statthalter von Nur-ad-Din war, nach dessen Tod die politische Führung in Syrien und Ägypten zu erlangen. Er besiegte die Kreuzfahrer im Jahre 1187 in der Schlacht bei Hattin. Als nächstes eroberte er die wichtigen Küstenstädte Akkon und Askalon und anschließend Jerusalem.

Nachdem Saladin die Kreuzfahrerstaaten innerhalb von drei Jahren überrannt hatte, war das Königreich Jerusalem auf die Küstenstadt Tyrus reduziert.

In den anderen beiden nach dem Verlust von Edassa noch verbliebenen Kreuzfahrerstaaten hatten nur deren Hauptstädte Antiochia und Tripolis den Muslimen standgehalten.

1.5 Dritter Kreuzzug

Dies war Auslöser des Dritten Kreuzzugs, der vom römisch-deutschen Kaiser Friedrich I. Barbarossa aus dem Hause der Staufer sowie dem französischen König Philipp II. und dem englischen König Richard Löwenherz angeführt wurde.

Barbarossa hatte bereits, als er noch Herzog Schwaben war, seinen Onkel König Konrad III. auf dem Zweiten Kreuzzug begleitet. Er brach am 11. Mai 1189 von Regensburg auf dem Landweg ins Heilige Land auf und kam am 10. Juni 1190 im Fluss Saleph in der heutigen Türkei ums Leben.

Nach seinem Tod übernahm sein Sohn Herzog Friedrich VI. von Schwaben die Führung des deutschen Kreuzfahrerheeres. Obwohl ein großer Teil der Kreuzfahrer das Heer verließ und von Antiochia aus in Richtung Heimat segelte, wollte Friedrich mit seinem Restheer nach Jerusalem ziehen. In Tripolis erkrankte ein Großteil seiner Begleiter an Malaria, weshalb Friedrich mit nur wenigen Rittern Anfang Oktober 1190 bis vor die seit August 1189 von den Christen belagerte Stadt Akkon kam. Friedrich, der ebenfalls erkrankt war, starb dort am 20. Januar 1191 und wurde vor Akkon begraben. Die Deutschen spielten anschließend nur noch eine unbedeutende Rolle bei diesem Kreuzzug.

Im Sommer 1191 kamen Philipp II. und Richard Löwenherz, die den Seeweg genommen hatten und in Sizilien überwintert hatten, nacheinander vor Akkon an. Fünf Wochen nach der Ankunft von Richard Löwenherz, der auf dem Weg in Heilige Land zuvor noch Zypern erobert hatte, ergab Akkon sich am 12. Juli 1191 den christlichen Belagerern.

Nachdem sich die beiden Könige mittlerweile entfremdet hatten, machte sich Philipp Ende Juli auf den Heimweg. Richard zog im Herbst Richtung Jerusalem, verbrachte Weihnachten in der Nähe der heiligen Stadt, zog sich aber Anfang 1192 ergebnislos an die Küste zurück.

1.6 Nur noch ein Küstenstreifen

Das Königreich Jerusalem war jetzt auf einen vielleicht zehn Kilometer schmalen Streifen an der Mittelmeerküste über eine Länge von rund hundertfünfzig Kilometer zwischen Tyrus und den mit Richards Hilfe zurückeroberten Hafenstädten Akkon, Haiffa, Cäsarea, Arsul und Jaffa minimiert.

In diesem eher erbärmlichen Restkönigreich stritten zwei Gruppierungen der Kreuzfahrer erbittert um die Krone. Richard verkaufte seine kurz zuvor eroberte Insel Zypern an Guido von Lusignan, den einen der Kontrahenten, der abzog und dort ein neues Kreuzfahrer-Königreich gründete.

Konrad von Montferrat, der Führer der anderen Partei, konnte nun das Königreich Jerusalem regieren, das jetzt aber nach einer Stadt benannt war, die nicht mehr zum Staatsgebiet gehörte und dessen neue Hauptstadt Akkon wurde. Konrad wurde kurz darauf von Muslimen ermordet. Heinrich II. von Champagne heiratete nach Absprache mit der adeligen Führungsschicht dessen Witwe und regierte an der Seite seiner Frau als König Heinrich.

Im Oktober 1192 verließ der englische König das Heilige Land für immer. Zuvor hatte er mit Saladin einen Waffenstillstand geschlossen, der u.a. den Pilgern den freien Zugang zum Heiligen Grab in Jerusalem erlaubte.

1.7 Johann von Brienne

Wir überspringen die nächsten Jahre, bis Maria von Monferrat 1205 im Alter von 13 Jahren durch Tod ihrer Mutter Königin von Jerusalem wurde. Während ihrer Minderjährigkeit regierte ihr Halbbruder Johann von Ibelin als ihr Vormund.

Am 14. September 1210 heiratete Maria in Akkon mit Zustimmung der im Haute Court (dt.: Hoher Hof) versammelten Führungsschicht den französischen Ritter Johann von Brienne, mit dem sie am 2. Oktober in Tyrus gekrönt wurde. Ihr Ehemann übernahm nun als ihr Mitkönig die Regierung des Landes. Ihre gemeinsame Tochter Isabella (auch Jolanthe genannt) wurde im Frühjahr 1212 geboren, Maria starb nur kurz darauf an den Folgen der Geburt. Ihre Tochter wurde als die neue Königin Isabella II. von Jerusalem proklamiert, König Johann von Brienne übernahm während ihrer Minderjährigkeit für sie die Regentschaft.

An dieser Stelle muss die Frage behandelt werden, nach welchem Schema die adelige Führungsschicht bis zur Regierungszeit von Johann von Brienne die Könige und Königinnen wählte.

Mit Ausnahme von Balduin II. (Nr. 2) orientierte sich die Thronfolge stets der dynastischen Erbfolge:

3 × folgte der Sohn (Nr. 4, 6, 7).

2 × folgte die Tochter (Nr. 3, 10).

2 × folgte der Bruder eines kinderlos Verstorbenen (Nr. 1, 5).

1 × folgte die Mutter eines kinderlos Verstorbenen (Nr. 8).

1 × folgte die Schwester einer Königin, deren einziger Sohn schon vor ihr kinderlos verstorben war (Nr. 9).

Die Ehemänner der Königinnen regierten als Könige, waren aber rechtlich nur Mitkönige ihrer Ehefrauen.


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