Staufergräber - Anlagen


VON PETER KOBLANK (2015)

Silifke (Türkei)

Genau in dieser Schlucht soll Kaiser Friedrich I. Barbarossa 1190 ums Leben gekommen sein, als er mit einem Vortrupp seines Kreuzfahrerheers auf dem Weg nach Seleukia (heute Silifke) war und den Fluss Saleph (heute Göksu, dt.: Blaues Wasser) aus nördlicher Richtung (im Bild von rechts nach links) durchqueren wollte. – 1971 ließ die Deutsche Botschaft an der Straße, die südlich des Flusses verläuft, einen Gedenkstein oberhalb der vermuteten Unglücksstelle errichten. Dessen türkisch-deutsche Inschrift lautet:1

Anıti auf dem touristischen Hinweisschild bedeutet Gedenkstätte. Wegen Vandalismus musste die Inschriftenplatte im Laufe der Zeit erneuert werden.

UNWEIT DIESER STELLE ERTRANK AM 10. JUNI 1190
DER RÖMISCH-DEUTSCHE KAISER FRIEDRICH I. BARBAROSSA
IM GÖKSU AN DER SPITZE SEINES HEERES AUF DEM WEGE
NACH PALÄSTINA NACHDEM ER MIT DEM SELDSCHUKISCHEN
SULTAN KILIÇ ARSLAN II. DEN FRIEDLICHEN DURCHMARSCH
DURCH DESSEN LANDE VEREINBART HATTE

Diese Inschrift suggeriert, dass Barbarossa im Herrschaftsgebiet des seldschukischen Sultans Kiliç Arslan II. ums Leben kam, als er dieses friedlich durchquerte.

Erstens lag aber Barbarossas Todesort, wie auf der Landkarte weiter unten ersichtlich, nicht im muslimischen Sultanat von Kiliç Arslan II., sondern im christlichen Fürstentum Armenien, wo der mit Barbarossa verbündete Fürst Leon II. herrschte.

Zweitens verlief der vorangegangene "Durchmarsch" durch das nördlich des Fürstentums Armenien gelegene seldschukische Sultanat von Kiliç Arslan II. alles andere als friedlich ab.2 3

Denn der Sultan Kiliç Arslan II. hatte zwar freien Durchgang zugesagt, aber er hielt sich nicht an diese Vereinbarung. Die Kreuzfahrer waren von Anfang an unablässigen Überfällen ausgesetzt. Vor der Seldschuken-Hauptstadt Ikonium (heute Konya) trat ihnen schließlich Kutbeddin, der Sohn des Sultans, mit einer Streitmacht entgegen. So kam es am 18. Mai 1190 zur Schlacht bei Ikonium, bei der das kaiserliche Heer die Hauptstadt des Sultanats eroberte.

Hermann Wislicenus: Kaiser Barbarossa in der Schlacht bei Ikonium, Ölgemälde im Kaisersaal der Kaiserpfalz in Goslar (Ausschnitt), 1877 bis 1897.

Mit hochrangigen Geiseln, die der Sultan nach seiner Niederlage den Kreuzfahrern als Begleitung stellen musste, schützte Barbarossa den restlichen Marsch durch das seldschukische Sultanat gegen weitere Angriffe.

Ende Mai 1190 erreichten die Kreuzfahrer Larende (heute Karaman) und setzten ihren Marsch in Richtung Mittelmeer im christlichen Fürstentum Armenien fort. Dieser auch Kleinarmenien genannte Staat war von Armeniern gegründet worden, die nach der seldschukischen Eroberung aus ihrer ursprünglichen Heimat nach Kilikien geflohen waren. Herrscher war der mit Barbarossa verbündete armenische Fürst Leon II., der neun Jahre später vom Erzbischof Konrad von Mainz im Gegenzug für seine Unterstützung der Kreuzritter als Leon I. zum ersten König von Armenien gekrönt wurde.

Nachdem das Heer das Taurus-Gebirge überquert hatte, kam Friedrich Barbarossa am 10. Juni unweit von Silifke im Göksu ums Leben. Ein Großteil der Kreuzfahrer kehrte demoralisiert auf dem Seeweg in die Heimat zurück. Barbarossas Sohn Herzog Friedrich V. von Schwaben setzte mit dem Restheer den Weg nach Palästina fort, wo er ein halbes Jahr später vor Akkon an einer Malariaerkrankung starb.

Im Mai 2012 wurde der ursprüngliche, eher unscheinbare Gedenkstein aus dem Jahre 1971 durch ein monumentales, viereinhalb Meter hohes Denkmal mit einer überlebensgroßen Barbarossastatue ersetzt. Auf dem Sockel steht wieder die gleiche türkisch-deutsche Inschrift, mit der die historischen Tatsachen in mehrfacher Hinsicht verdreht werden. Das Denkmal steht neun Kilometer vom Ortszentrum von Silifke entfernt an der D715, die über Karaman nach Konya führt und an diesem Streckenabschnitt Mersin Karaman Yolu heißt. – Satellitenfoto.

2012 wurde ein neues, monumentales Barbarossadenkmal mit einer Höhe von viereinhalb Metern errichtet. Ein Jahr später war die überlebensgroße Barbarossastatue allerdings von ihrem Sockel verschwunden (Bild rechts).

Auf dieser englischsprachigen Karte des in Kililkien gelegenen Königreichs Armeniens sind Ikonium (Konya), Larende (Karaman) und Seleukia (Silifke) rot unterstrichen. Die Stelle, an der Kaiser Friedrich I. Barbarossa im Saleph (Göksu) umkam, ist mit einem Kreuz gekennzeichnet. Seine Eingeweide wurden in Tarsus, sein Bindegewebe in Antiochia (heute Antakya, Türkei) und seine Knochen wahrscheinlich in Tyrus (heute Sour, Libanon) beigesetzt. – Fotos: Bächle (Schlucht), privat. Karte: Wikipedia.

1.Die türkische Version lautet: SELÇUKLU SULTANI KILIÇ ARSLAN II. İLE ÜLKESİNDEN BARIŞ İÇİNDE SERBEST GEÇIŞ İÇİN BİR ANLAŞMAYAPMIŞ OLAN ROMA-GERMEN İMPARATORU FRIEDRICH I. BARBAROSSA 10 HAZİRAN 1190 TARİHİNDE ORDUSUNUN BAŞINDA FİLİSTİN'E GİDERKEN BU CİVARDA GÖKSU IRMAĞI'NDA BOĞULMUŞTUR
2.Hans-Wolfgang Bächle: Die Hohenstaufen (I). Schwäbisch Gmünd 2007, S. 114-115.
3.Knut Görich: Friedrich Barbarossa. Eine Biographie. München 2011, S. 541-546 u. 576-589.

Sour (Libanon)

1874 wurde in Tyrus im Libanon (heute Sour) in der Ruine der Kathedrale zum Heiligen Kreuz vergeblich nach dem Grab mit den Knochen von Kaiser Friedrich I. Barbarossa gegraben. Von oben nach unten: Zeitgenössische Landkarte, Ruine der Kathedrale von außen, Innenraum der Kathedrale.

Johann Nepomuk Sepp: Meerfahrt nach Tyrus zur Ausgrabung der Kathedrale mit Barbarossa's Grab im Auftrag des Fürsten Reichskanzler unternommen von Prof. Dr. Sepp, Leipzig 1879, S. 144, 240 u. 248.

1984 wurde Sour in die UNESCO-Liste des Weltkulturerbes aufgenommen. In der Area 2 der Al-Mina Archeological Site sind heute noch Reste der Kathedrale zum Heiligen Kreuz zu sehen. Die Kreuzfahrer errichteten hier bald nach der Eroberung von Tyrus im Jahre 1124 auf den Fundamenten und mit Steinen und Säulen einer byzantinischen Vorgängerkirche aus dem 6. Jahrhundert, für die wiederum Spolien römischer Ruinen verwendet worden waren, eine neue Kirche. Die roten Granitsäulen sollen von einem riesigen römischen Herkulestempel stammen. Die Kathedrale wurde nach der Rückeroberung durch die Muslime zerstört. Foto: virtualtourist.com.


Peter Koblank: Staufergräber

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