SPEYER 2018

Der Moment der Enthüllung der Stauferstele am 2. Juni 2018. V.l.n.r.: Markus Wolf (Bildhauer), Hansjörg Eger (Oberbürgermeister von Speyer) und Luise Layher (Stifterin) mit Enkel Matteo Schönauer. Die Stele steht nördlich vom Dom in Höhe der dort am Seitenschiff des Langhauses angebauten Afra-Kapelle. Foto: Sibylle Kreisel.

Inschriften der 36. Stauferstele



Wappen des Reichs

DOMKIRCHE
SANKT MARIA
UND SANKT STEPHAN
GEWEIHT 1061
SEIT 1981
WELTKULTURERBE
DER UNESCO
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GRABSTÄTTE VON
KAISERN UND KÖNIGEN
AUS SALISCHEM
STAUFISCHEM
HABSBURGISCHEM
UND NASSAUISCHEM
HERRSCHERHAUS



Wappen der Stadt Speyer

IN SPEYER SIND
MEHR ALS SECHZIG
AUFENTHALTE
UND HOFTAGE
STAUFISCHER HERRSCHER
BELEGT
—————————————
DER ENGLISCHE KÖNIG
RICHARD LÖWENHERZ
WIRD IM MÄRZ 1193
IN SPEYER AN KAISER
HEINRICH VI.
AUSGELIEFERT UND AUF
BURG TRIFELS
GEFANGENGESETZT
———————————————————
MARKUS WOLF FECIT MMXVIII
STAUFERSTELE XXXVI



Wappen des Herzogtums Schwaben

AGNES
VON SCHWABEN
TOCHTER VON KAISER
FRIEDRICH I. BARBAROSSA
VERLOBT MIT KÖNIG
IMRE VON UNGARN
STIRBT
AM 8. OKTOBER 1184
—————————————
AGNES
WIRD WIE IHRE
AM 15. NOVEMBER 1184
VERSTORBENE
KAISERLICHE
MUTTER
BEATRIX
VON BURGUND
IM DOM
BEIGESETZT



Wappen des Bistums Speyer

FRIEDRICH II.
IST ZUR BEISETZUNG
SEINES 1208 IN BAMBERG
ERMORDETEN ONKELS
PHILIPP VON SCHWABEN
AM 30. DEZEMBER 1213
IN SPEYER
UND SCHENKT DEM
DOMKAPITEL
DIE PFARRKIRCHE
VON ESSLINGEN
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KONRAD
VON SCHARFENBERG
1200 BIS 1224
BISCHOF VON SPEYER
1212 BIS 1224
BISCHOF VON METZ
1208 BIS 1224
KANZLER
UNTER OTTO IV.
UND FRIEDRICH II.
VERWAHRT NACH
KÖNIG PHILIPPS TOD
DIE REICHSINSIGNIEN
AUF BURG TRIFELS
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GESTIFTET VON LUISE LAYHER
IM ANDENKEN AN IHRE ELTERN
EBERHARD LAYHER 1921-2012
MARGOT LAYHER 1928-2009

Hintergrundinformationen zur Stauferstele

Stauferstele im nördlichen oberen Domgarten in Höhe der am Seitenschiff des Langhauses angebauten Afra-Kapelle (im Bild rechts unten am Dom). Hinter den Bäumen in der Bildmitte das nördliche Querhaus und der Nordostturm des Doms.

Insgesamt sechsundsechzig Aufenthalte in Speyer, darunter zahlreiche Hoftage, sind für die staufischen Monarchen König Konrad III., Kaiser Friedrich I. Barbarossa, Kaiser Heinrich VI., König Philipp von Schwaben, Kaiser Friedrich II., König Heinrich (VII.) und König Konrad IV. nachweisbar.1

Das wohl geschichtsträchtigste Ereignis, das in der Stauferzeit in Speyer stattfand, war die Predigt von Bernhard von Clairvaux, der auf dem Weihnachtshoftag 1146 zum Zweiten Kreuzzug aufrief. Daraufhin verpflichtete sich König Konrad III. gemeinsam mit seinem Neffen Friedrich, dem späteren Kaiser Friedrich I. Barbarossa, zur Kreuzzugsteilnahme.2

Der im Jahre 1061 geweihte Dom zu Speyer ist eine Gründung von Konrad II., dem ersten Kaiser aus dem Hause der Salier. Knapp zwanzig Jahre nach der Vollendung des Doms ließ Konrads Enkel Kaiser Heinrich IV. das Bauwerk teilweise einreißen, um den Dom noch größer wieder aufzubauen.

Der im romanischen Stil erbaute und vergrößerte Dom war als Grablege für Kaiser Konrad II. und seine Ehefrau Gisela vorgesehen. Eine Neuerung war, dass auch alle weiteren Herrscher der Salierdynastie sich hier begraben ließen. Auch drei Mitglieder aus dem Hause der Staufer, zwei Habsburger und ein Nassauer fanden hier ihre letzte Ruhe. Der Speyerer Dom ist damit die bedeutendste Königs- und Kaisergrablege in Deutschland.

Ursprünglich wurden die verstorbenen Herrscher am östlichen Ende des Mittelschiffs unter Bodenplatten bestattet. Später entstand darüber die große Stufenanlage des Doms mit dem erhöhten Königschor.

Bei den Ausgrabungen im Jahre 1900 im Königschor wurden die Gräber geöffnet. Anschließend wurde dort die Kaiserkrypta eingebaut, in der die Steinsärge der Könige, Kaiser und Kaiserinnen seitdem besichtigt werden können. Siehe auch: Staufergräber.

Im Jahre 1900 wurden die unter dem Königschor liegenden Königs- und Kaisergräber ausgegraben und geöffnet. Die damals gefundenen Grabbeigaben sind heute im Historischen Museum der Pfalz, fünf Gehminuten vom Dom entfernt, in der Sammlung Domschatz ausgestellt.

1902 wurde die heutige Königs- und Kaisergruft fertiggestellt, die von der Krypta aus zugänglich ist. Die Gräber, die jahrhundertelang nicht sichtbar waren, liegen jetzt in dieser neuen Gruft unter dem Königschor am östlichen Ende des Mittelschiffs.

Die Anfang des 20. Jahrhunderts neu geschaffene Königs- und Kaisergruft befindet unter dem Königschor am östlichen Ende des Mittelschiffs. Deutlich erkennbar die hellere neuromanische Westfassade, die 1854 bis 1858 mit rotem und weißem Stein errichtet wurde. – Die Stauferstele befindet sich hinter den Bäumen links unten im Bild zwischen der am nördlichen Seitenschiff des Langhauses angebauten Afra-Kapelle und der Antikenhalle, deren weiße Rückwand man am linken Bildrand sieht.

Die Stauferstele steht nicht weit von der 1826 erbauten klassizistischen Antikenhalle, die seit 1930 als Ehrenmal für das ehemals in Speyer beheimatete 2. Königlich Bayerische Pionier-Bataillon dient.

Dort ist auch die 1184 verstorbene zweite Ehefrau von Kaiser Friedrich I. Barbarossa, Kaiserin Beatrix von Burgund, mit ihrer kurz vor ihr verstorbenen Tochter Agnes bestattet.

Zweifellos war es der Wunsch von Barbarossa, ebenfalls bei seinen Vorfahren, den Salierkaisern, an der Seite seiner Ehefrau bestattet zu werden. Allerdings starb er 1190 auf dem Dritten Kreuzzug. Seine sterblichen Überreste wurden in Tarsus (Eingeweide) und Antakya (Bindegewebe) in der heutigen Türkei sowie in Sour (Knochen) im heutigen Libanon beigesetzt und sind inzwischen ausnahmslos verschollen. Siehe auch: Staufergräber.

König Philipp von Schwaben, ein Sohn Barbarossas, wurde 1208 in Bamberg ermordet und ursprünglich im Bamberger Dom bestattet. Sein Neffe, der spätere Kaiser Friedrich II., veranlasste die Umbettung von Bamberg in den Speyerer Dom und war Ende Dezember 1213 bei der Zeremonie persönlich anwesend.3

Zwischen den Gräbern von Beatrix und Philipp blieb eine Fläche für ein weiteres Grab ausgespart. Man nimmt an, dass Friedrich II. damals beabsichtigte, bei passender Gelegenheit auch die im Nahen Osten beigesetzten sterblichen Reste von Kaiser Friedrich I. Barbarossa, seinem Großvater, nach Speyer transferieren zu lassen.4 Seit der Umbettung in die heutige Königs- und Kaisergruft, die 1902 unter dem Königschor eingebaut wurde, liegen die Gräber von Beatrix und Philipp jedoch unter den damals neu angefertigten Grabplatten direkt nebeneinander.

Links: In der Königs- und Kaisergruft im Vordergrund das Doppelgrab von Barbarossas Ehefrau Beatrix und ihrer Tochter Agnes. Dahinter das Grab von Philipp von Schwaben. Im Jahr 1900 wurden die Gräber im Dom geöffnet und anschließend in diese neue Gruft umgebettet. – Rechts: Das Grab von Philipp von Schwaben war das erste, auf das man damals bei den Grabungen stieß. Siehe auch: Staufergräber.

Erläuterung der Inschriften

Reichsadler. Der Dom zu Speyer ist die größte erhaltene romanische Kirche der Welt. Er wurde 1925 von Papst Pius XI. zur Basilica minor erhoben und steht seit 1981 auf der UNESCO-Liste des Weltkulturerbes.

In der zu Anfang des 20. Jahrhunderts geschaffenen neuen Königs- und Kaisergruft sind bestattet:

Salier

  • Kaiser Konrad II. († 1039)
  • Kaiserin Gisela von Schwaben († 1043), Gemahlin Konrads II.
  • Kaiser Heinrich III. († 1056), Sohn Konrads II.
  • Kaiser Heinrich IV. († 1106), Sohn Heinrichs III.
  • Kaiserin Bertha von Savoyen († 1087), Gemahlin Heinrichs IV.
  • Kaiser Heinrich V. († 1125), Sohn Heinrichs IV.

Staufer

  • Kaiserin Beatrix von Burgund († 1184), zweite Gemahlin von Kaiser Friedrich I. Barbarossa
  • Agnes († 1184), Tochter von Barbarossa und Beatrix
  • König Philipp von Schwaben († 1208), Sohn von Barbarossa und Beatrix

Habsburger

  • König Rudolf von Habsburg († 1291)
  • König Albrecht von Österreich († 1308), Sohn Rudolfs von Habsburg

Nassauer

  • König Adolf von Nassau († 1298)

Stadtwappen Speyer. Insgesamt sechsundsechzig Aufenthalte in Speyer, darunter zahlreiche Hoftage, sind für die staufischen Monarchen nachweisbar:1

König Konrad III.6
Kaiser Friedrich I. Barbarossa    10
Kaiser Heinrich VI.3
König Philipp von Schwaben9
Kaiser Friedrich II.17
König Heinrich (VII.)13
König Konrad IV.8

1193 fand in Speyer in der Karwoche ein Hoftag statt, auf dem es zur Gegenüberstellung von Kaiser Heinrich VI. und dem englischen König Richard Löwenherz kam. Richard war auf seiner Rückreise vom Dritten Kreuzzug wider alles Recht von Herzog Leopold V. von Österreich gefangen genommen und dem Kaiser übergeben worden. Der englische König wurde erst nach längerer Gefangenschaft auf Burg Trifels gegen eine horrende Lösegeldzahlung freigelassen. Siehe auch Stauferstele Trifels.

Auf dem Sockel steht, dass der Bildhauer Markus Wolf sie im Jahre 2018 gemacht (lat.: fecit) hat und dass dies die 36. Stauferstele ist.

Stauferlöwen. Dass Kaiserin Beatrix, die Ehefrau von Kaiser Friedrich I. Barbarossa, im Speyerer Dom bestattet ist, wird eher beiläufig im unteren Teil dieser Inschrift erwähnt. Oben steht ihre Tochter Agnes,5 die am 8. Oktober 1184 im Kindesalter, wahrscheinlich sechs Jahre alt, starb. Als wenige Wochen später auch ihre Mutter Beatrix verstarb, wurden beide (ursprünglich in getrennten Gräbern) im Speyerer Dom bestattet.

Agnes wurde von ihrem Vater Friedrich I. Barbarossa als kleines Kind mit einem Sohn von König Béla III. von Ungarn verlobt, wahrscheinlich mit dessen 1182 zum Mitkönig gekrönten erstgeborenen Sohn Emmerich (auch Imre genannt), der ebenfalls noch ein Kind war. Emmerich heiratete später Konstanze von Aragon, die nach dessen Tod in zweiter Ehe den späteren Kaiser Friedrich II. heiratete. Dass Agnes nur ein frühverstorbenes, selbst in Fachkreisen weitgehend unbekanntes Mädchen und – im Gegensatz zu Ihrer Mutter, der Kaiserin Beatrix – ohne historische Relevanz war, ist für den Leser dieser Inschrift nicht erkennbar.

Wappen des Bistums Speyer. Der spätere Kaiser Friedrich II. ließ 1213 seinen fünf Jahre zuvor in Bamberg ermordeten und bestatteten Onkel, König Philipp von Schwaben, nach Speyer umbetten. Friedrich schenkte dem Domkapitel von Speyer zu seinem und seiner Vorfahren Seelenheil und zur Haltung eines Jahrtages für seinen Vater und seinen Onkel die ihm durch Erbrecht gehörende Kirche in Esslingen mit dem Patronatsrecht und allem, was an Einkünften und sonst dazu gehörte.3 Siehe auch Stauferstele Bamberg und Stauferstele Esslingen.

Steinsarg von Bischof Konrad III. von Scharfenberg (rechts) in der Westwand der Königs- und Kaisergruft.
Konrad III. von Scharfenberg war Bischof von Speyer und Metz sowie Kanzler des römisch-deutschen Reiches. Stammsitz seiner Familie war die dem Trifels benachbarte Burg Scharfenberg. Er war im Jahre 1208 neben dem Truchsess und dem Kämmerer im königlichen Gemach in Bamberg Zeuge, wie König Philipp von Schwaben dort von Otto VIII. von Wittelsbach ermordet wurde. Nach Philipps Tod verwaltete Konrad die Reichsinsignien und brachte sie zur Reichsburg Trifels. Der Bischof begleitete im Jahre 1220 seinen König nach Rom, wo Friedrich II. von Papst Honorius III. zum Kaiser gekrönt wurde. – Bischof Konrad III. von Scharfenberg ist in der Königs- und Kaisergruft schräg gegenüber von Philipp von Schwaben in der westlichen Wand in einem Steinsarg bestattet.

Auf dem Sockel steht die Stifterin Luise Layher, die auch schon die Stauferstele Güglingen finanziert hat und ihrer Eltern Eberhard und Margot Layher gedenkt.

1.  Württembergisches Landesmuseum (Hrsg.): Die Zeit der Staufer. Geschichte - Kunst - Kultur, Band IV Karten und Stammtafeln. Stuttgart 1977. Karte I, III, V, VII, IX, X und XII.
2.  RI IV,2,1 n. 19.
3.  MGH DD F II, Band 2, Nr. 213).
4.  Hartmut Jericke: Begraben und vergessen? Tod und Grablege der deutschen Kaiser und Könige. Von den Anfängen bis zum Ende der Stauferzeit. Leinfelden-Echterdingen 2005, S. 96 f.
5.  Umfassend dokumentiert mit allen verfügbaren Quellen: Agnes von Staufen († 1184).

Einweihung am 2. Juni 2018

Noch wartet die verhüllte Stauferstele, die der Bildhauer Markus Wolf ein paar Tage vor der Einweihung im nördlichen oberen Domgarten aufgestellt hat, auf ihren großen Tag. Im Hintergrund die Westtürme des Doms. Foto: Sibylle Kreisel.

Rosen auf dem Steinsarg von König Philipp von Schwaben (vorne) und dem seiner Mutter Kaiserin Beatrix und seiner Schwester Agnes (hinten). Foto: Bernd Krißler.

Links: Luise Layher enthüllt mit einem ihrer Enkel die zweite von ihr gestiftete Stauferstele. Mit im Bild Hansjörg Eger (Oberbürgermeister von Speyer). – Rechts: Die Stifterin mit ihrem Enkel Matteo Schönauer, Festredner Bernhard Vogel (ehemaliger Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz und Thüringen), Markus Wolf (Bildhauer) und Hansjörg Eger (OB von Speyer). Fotos: Sibylle Kreisel.

Luise Layher hat bereits im Jahre 2017 die Stauferstele in Güglingen gestiftet. Sie ist neben Irmgard Schmid-Maybach, der Stifterin der Stauferstelen in Bad Wimpfen und in Kloster Maulbronn, die einzige Person, die zwei Stauferstelen gestiftet hat.

Stifter der Stauferstele

Luise Layher
Im Andenken an ihre Eltern
Eberhard Layher (1921-2012)
und Margot Layher (1228-2009)

Einweihung: 2. Juni 2018


Krypta und Kaisergräber im Dom zu Speyer

Mannheimer Morgen: 36. Stauferstele steht in Speyer

Stauferstele Speyer – Der lange Weg zum Standort am Dom

Staufergräber – Dom zu Speyer (Deutschland)

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