SIRACUSA 2018

Blick von Nordosten auf das quadratische Kastell, das Kaiser Friedrich II. zwischen 1232 und 1240 in Siracusa (Sizilien) errichten ließ. Die südlichste und am weitesten vom Hohenstaufen entfernte Stauferstele ist die dritte in Italien und steht innerhalb der die gesamte Halbinselspitze von Siracusa umfassenden Verteidigungsanlage vor dem vorne rechts im Bild befindlichen Rundturm beim Eingang zum Kastell.

Inschriften der 37. Stauferstele



Wappen der Stadt Siracusa

CASTELLO MANIACE
UN VERO E PROPRIO
SIMBOLO DEL POTERE
E DELLA GENIALITÀ
DELL' IMPERATORE
FEDERICO II
—————————————
COSTRUITO
1232-1240



Wappen des Herzogtums Schwaben

FRIEDRICH
DER GRÖSSTE
UNTER DEN
FÜRSTEN DER ERDE
DAS STAUNEN
DER WELT
UND IHR
WUNDERBARER
WANDLER
MATTHÄUS VON PARIS
—————————————
FREDERICK
THE GREATEST
OF PRINCES
THE WORLD'S
MARVEL AND
ITS WONDROUS
IMMUTATOR
MATTHEW OF PARIS
———————————————————
MARKUS WOLF FECIT MMXVIII
STAUFERSTELE XXXVII



Wappen des Königreichs Sizilien

FEDERICO II
IL PIÙ GRANDE
TRA I PRINCIPI
DELLA TERRA
STUPORE DEL
MONDO
E MERAVIGLIA
DELLA GENTE
MATTEO DA PARIGI
—————————————
UNICO FIGLIO
DELL' IMPERATORE
ENRICO VI
DI HOHENSTAUFEN
1165-1197
E DELLA REGINA
CONSORTE DI SICILIA
COSTANZA
D' ALTAVILLA
1154-1198
NIPOTE
DELL' IMPERATORE
FEDERICO I BARBAROSSA
E DEL RE
RUGGERO II
DI SICILIA
DETTO IL NORMANNO
———————————————————
GESTIFTET VON
DR. SUSANNE BOŠNJAKOVIĆ-BÜSCHER
IN MEMORIAM
SREĆKO BOŠNJAKOVIĆ *1937 †2014



Wappen des Reichs

FRIDERICUS
DEI GRATIA
IMPERATOR ROMANORUM
ET SEMPER AUGUSTUS
REX IERUSALEM
ET SICILIAE
DUX SUEVIAE
—————————————
PRINCIPUM
MUNDI MAXIMUS
STUPOR MUNDI
ET IMMUTATOR
MIRABILIS
26.XII.1194
IESI
13.XII.1250
FIORENTINO

Hintergrundinformationen zur Stauferstele

Die Stauferstele steht im Inneren der Festungsanlage links vor dem Eingang zum Kastell, das Kaiser Friedrich II. zwischen 1232 und 1240 an Stelle einer älteren Burg erbauen ließ. Das Kastell wird in Erinnerung an den byzantinischen General Georgios Maniakes, der Siracusa um 1038 vorübergehend von den Arabern befreit hat, als "Castello Maniace" bezeichnet. – Der quadratische Sockel wurde hier anders als bei allen anderen Stauferstelen an den unbeschrifteten Seiten der achteckigen Stele ausgerichtet. Die auf diesem Foto abgebildete Stifterinschrift steht dadurch nicht unter einer bestimmten Inschrift, sondern zwischen zwei beschrifteten Seiten der Stele.

La Stele di Siracusa

Inaugurata nel Castello Maniace la 37esima stele dedicata alla famiglia sveva degli Staufer.

DI PASQUALE EPISCOPO (LUGLIO 2018)

734 v. Chr. gründeten griechische Siedler aus Korinth auf der Insel Sizilien das antike Συρακούσαι (Syrakusai).

Dionysios I. führte im Jahre 405 v. Chr. in Syrakus die Tyrannenherrschaft ein.

Sein Sohn, der Tyrann Dionysios II. von Syrakus, ist Handlungsfigur in der von Timaios von Tauromenion überlieferten Anekdote vom Damoklesschwert und auch in der Ballade Die Bürgschaft von Friedrich Schiller.

Archimedes von Syrakus war einer der bedeutendsten griechischen Mathematiker, Physiker und Ingenieure der Antike. Seine Wurfmaschinen wurden bei der Verteidigung von Syrakus im Zweiten Punischen Krieg eingesetzt. Die Römer brauchten drei Jahre, bis sie 212 v. Chr. die Stadt eroberten.

Nach einer Erzählung von Valerius Maximus wurde Archimedes von einem römischen Soldaten mit gezogenem Schwert nach seinem Namen gefragt. Statt diesen zu nennen, bat Archimedes, seine in den Sand gezeichneten Diagramme nicht zu zerstören (noli, inquit, obsecro, istum disturbare). Daraufhin erschlug ihn der Soldat.

Das antike Syrakus teilte in den letzten fast dreitausend Jahren das Schicksal Siziliens, das im Laufe der Geschichte von Griechen, Römern, Vandalen, Ostgoten, Byzantinern, Arabern, Normannen, Staufern, Anjous, Aragonesen, Savoyern, Habsburgern und spanischen Bourbonen regiert wurde und seit 1861 zu Italien gehört.

Unter arabischer Herrschaft verlor Syrakus im 9. Jahrhundert seine Stellung als bedeutendste Stadt auf der Insel an Palermo, das zur neuen Hauptstadt Siziliens ausgebaut wurde. Heute ist Siracusa mit über hundertzwanzigtausend Einwohnern Siziliens viertgrößte Stadt und ein bedeutender wirtschaftlicher und touristischer Standort.

Wo im antiken Syrakus möglicherweise ein Heratempel stand, wurde später ein Kastell errichtet. Der byzantinische General Georgios Maniakes eroberte zwischen 1037 und 1040 den Osten des damals von den Arabern besetzten Siziliens zurück. Er sorgte wahrscheinlich für eine Verstärkung der Verteidigungsanlagen. Aus dieser Zeit ist der Name "Castello Maniace" tradiert.

Nach einer erneuten arabischen Periode wurde Syrakus 1087 von den Normannen erobert. Durch die Heirat von Kaiser Heinrich VI. aus dem Hause der Staufer mit Konstanze, die später ihren Vater, den Normannenkönig Roger II. von Sizilien beerbte, fiel das Königreich Sizilien an die Staufer.

Kaiser Friedrich II., der einzige Sohn von Heinrich VI. und Konstanze, ließ zwischen 1232 und 1240 an Stelle der alten Anlage ein prachtvolles neues Kastell erbauen, das noch heute die Ansicht des Hafens von Syrakus dominiert.

Castello Maniace. Grundrisskonstruktion nach Giuseppe Agnello (links), Rekonstruktionsversuch der gotischen Säulenhalle (E. Bucher). Quelle: Die Zeit der Staufer, Band III, Stuttgart 1977, S.153.

Gotische Säulenhalle mit Kreuzrippengewölbe im August 2016 während der Restaurierung. Foto: Sibylle Kreisel.

Friedrich-von-Schwaben-Platz – Kaiser und König von Sizilien 1194-1250. Foto: Sibylle Kreisel.

Am besten ist das Stauferkastell aus der Luft zu erkennen. Das Foto stammt aus einer Zeit, als noch keine Stauferstele existierte. Sie steht heute bei dem runden Eckturm links im Bild.

Der einzigartige staufische Bau hat einen quadratischen Grundriss mit etwa fünfzig Meter Seitenlänge und Rundtürmen an den vier Ecken. Trotz seines äußerlichen Kastellcharakters handelte es sich im Inneren eher um einen Palast, der der Repräsentation diente und für Verteidigungszwecke kaum geeignet war. Das Untergeschoss bestand aus einem einzigen Saal mit von Kreuzrippen überspannten Jochen, die auf sechzehn teilweise noch erhaltenen Säulen ruhten, die von reich geschmückten Kapitellen bekrönt waren.

Kaiser Friedrich II. wird in Italien Federico II di Svevia (dt.: von Schwaben) genannt. Nachweislich hat er sich mindestens drei Mal in Syrakus aufgehalten. In der Nähe des Castello Maniace ist ihm ein Platz gewidmet, wo er als Kaiser und als König von Sizilien gewürdigt wird. Das auf dem Straßenschild anscheinend ursprünglich falsch angegebene Geburtsjahr wurde nachträglich korrigiert.

Das quadratische hochmittelalterliche Kastell wurde in den 1540-er Jahren, als Sizilien ein aragonisch-spanisches Vizekönigreich war, mit Bastionen zu einer frühneuzeitlichen Festungsanlage umbaut, um türkische Einfälle vom Meer her abzuwehren.

Man weiß nicht, ob der zweifellos dreigeschossig geplante quadratische staufische Bau auch so vollendet wurde. Falls ein drittes Geschoss existiert hat, wurde es ab 1673 von den Spaniern im Rahmen weiterer Befestigungsmaßnahmen entfernt, um Kanonen keine Angriffsfläche zu bieten. Die Verteidigungsanlage auf der Halbinselspitze, die an drei Seiten auf natürliche Art durch das Meer geschützt war, wurde damals stadtwärts durch einen heute zugeschütteten Grabendurchstich vom Festland getrennt.

Nach starken Beschädigungen durch eine Pulverexplosion im Jahre 1704 wurde die Verteidigungsanlage in etwa so wiederhergestellt, wie sie sich heute präsentiert.

Die gesamte Halbinselspitze von Siracusa wurde in den 1540-er Jahren, als Sizilien ein aragonisch-spanisches Vizekönigreich war, mit Bastionen zu einer frühneuzeitlichen Festungsanlage umbaut, um türkische Einfälle vom Meer her abzuwehren. Steht man vor dem Eingang im Norden dieser Festung, ahnt man noch nichts von dem stauferzeitlichen Kastell im Inneren der Anlage.

Die Stauferstele in Siracusa ist nach der allerersten Stauferstele, die im Jahre 2000 in Fiorentino errichtet wurde, und der in Bari von 2009 die dritte in Italien. Foto: Sibylle Kreisel.

Erläuterung der Inschriften

Stadtwappen Siracusa. Das Wappen von Siracusa zeigt einen gekrönten Adler mit einer Burg auf den Knien und einem Bündel mit sechs Blitzen in den Krallen. Der italienische Text darunter lautet: Castello Mainiace, ein wirkliches und wahrhaftiges Symbol der Macht und Genialität des Kaisers Friedrich II. Erbaut 1132-1240.

Stauferlöwen. Der deutsche Text stammt von Matthaeus Parisiensis (dt.: Matthäus von Paris, ital.: Matteo da Parigi, engl.: Matthew of Paris). Dieser zeitgenössische englische Geschichtsschreiber berichtete über den Tod von Friedrich II. im Jahre 1250:

Obiit autem circa eadem tempora principum mundi maximus Frethericus, stupor quoque mundi et immutator mirabilis.
Etwa zur gleichen Zeit starb Friedrich, der größte der Fürsten der Welt, auch das Staunen der Welt und ein wunderbarer Wandler.

Darunter steht eine englische Version des Textes von Matthäus von Paris. Dies ist der erste und bisher einzige Text auf einer Stauferstele, der auch englischsprachige Touristen berücksichtigt.

Königreich Sizilien. Oben steht eine italienische Version des Textes von Matthäus von Paris. Darunter steht auf Italienisch: Einziger Sohn von Kaiser Heinrich VI. von Hohenstaufen (1165-1197) und dessen Ehefrau und Königin von Sizilien, Konstanze von Hauteville (1154-1198). Enkel von Kaiser Friedrich I. Barbarossa und von König Roger II. von Sizilien, genannt der Normanne. Kaiser Friedrich II. war über seinen staufischen Vater Heinrich VI. ein Enkel von Kaiser Friedrich I. Barbarossa und über seine normannische Mutter Konstanze ein Enkel von König Roger II. von Sizilien.

Reichsadler. Der lateinische Text lautet: Friedrich von Gottes Gnade Kaiser der Römer und stets erhaben, König von Jerusalem und Sizilien, Herzog von Schwaben. Darunter steht die lateinische Version des Textes von Matthäus von Paris. Kaiser Friedrich II. wurde am 26. Dezember 1194 in Jesi geboren und starb am 13. Dezember 1250 im Castel Fiorentino.

Sockel. Auf einer Seite des quadratischen Sockels, der hier anders als bei allen anderen Stauferstelen an den unbeschrifteten Seiten des Oktagons ausgerichtet ist, steht der Name der Stifterin und ihr 2014 verstorbener Ehegemahl Srećko Bošnjaković, an den diese Stele erinnern soll. Auf einer anderen Seite steht, dass der Bildhauer Markus Wolf sie im Jahre 2018 gemacht (lat.: fecit) hat und dass dies die 37. Stauferstele ist.

Einweihung am 21. Juli 2018

Links: Giuseppe Moscatt, der Vorsitzende der Associazione Culturale Italo-Tedesca Siracusa, und seine Frau Vincenza Salamone-Moscatt waren für die Gesamtorganisation der Stele in Sizilien verantwortlich. – Rechts: Johann Heinrich von Stein vom Komitee der Stauferfreunde bei der Festansprache. Vergrößerte Ansicht. Fotos: Sibylle Kreisel.

Die Stifterin Susanne Bošnjaković-Büscher im Moment der Enthüllung. Mit im Bild: Rosalba Panvini (Superintendentin von Siracusa) und Francesco Italia (Bürgermeister von Siracusa). Vergrößerte Ansicht. Fotos: Sibylle Kreisel.

Die Stauferstele in Siracusa ist die einzige, bei der die Kosten für das Fundament nicht von der Stadt übernommen wurden. Fotos: Sibylle Kreisel.

Koblank GmbH

Erst mit erheblicher finanzieller Unterstützung durch die Koblank GmbH, die das Stauferstelenprojekt bereits seit 2012 publizistisch im Internet fördert, konnte die Stele in Siracusa realisiert werden. Weitere Details.

Stifter der Stauferstele

Dr. Susanne Bošnjaković-Büscher
In memoriam Srećko Bošnjaković *1937 †2014

Einweihung: 21. Juli 2018


Manfred Akermann: La patria degli Staufer
Incontri. La Sicilia e l'altrove. N. 9, 2014, p. 17-21.
Sibylle Kreisel: Una Stauferstelen anche in Sicilia?
Incontri. La Sicilia e l'altrove. N. 12, 2015, p. 3.
Elio Miccichè: Editoriale
Incontri. La Sicilia e l'altrove. N. 23, 2018, p. 1.
Flugreise 19. bis 23. Juli 2018 zur Einweihung
Invito all'inaugurazione della stele
Giovanna Marino: Le due facce relative al Castro Maniace
Libertà Sicilia, 26 Luglio 2018, p. 8.
Konrad Vanja: Il secolo di Federico II
Rezension des Incontri Sonderheftes Juli 2018.
Pasquale Episcopo: La Stele di Siracusa
Inaugurata nel Castello Maniace la 37esima stele dedicata alla famiglia sveva degli Staufer.
Stauferstele in Sizilien
Hohe Zusatzkosten, konstruktive Besonderheiten

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