Staufergräber - Anlagen


VON PETER KOBLANK (2014)

Dom zu Speyer (Deutschland)

Der Dom zu Speyer steht seit 1981 auf der UNESCO-Liste des Weltkulturerbes. Der Bau wurde um 1225 vom späteren Kaiser Konrad II. als Grablege der Salierkaiser begonnen. Neben sämtlichen Salierkaisern und drei späteren römisch-deutschen Königen sind auch drei Staufer in zwei Gräbern in der Kaisergruft unter dem östlichen Ende des Mittelschiffs bestattet: Beatrix von Burgund, die Ehefrau von Kaiser Friedrich I. Barbarossa, mit ihrer kurz vor ihr verstorbenen Tochter Agnes in einem Doppelgrab sowie deren Sohn König Philipp von Schwaben in einem Einzelgrab.

Im Vordergrund das Doppelgrab von Barbarossas Ehefrau Beatrix und deren Tochter Agnes. Dahinter das Grab von Philipp von Schwaben, der nach seiner Ermordung im Jahr 1208 ursprünglich in Bamberg bestattet wurde, aber 1213 von seinem Neffen, dem späteren Kaiser Friedrich II., nach Speyer umgebettet wurde.

Philipp von Schwaben auf einem gotischen Steinrelief (um 1480) an der Südwand der Vorhalle der Krypta und als Statue von Anton Dominik von Fernkorn (1858) in der Vorhalle des neoromanischen Westbaus. – Im Jahr 1900 wurden die Gräber im Dom geöffnet. Das Grab von Philipp von Schwaben auf dem Bild rechts war das erste, auf das man bei den Grabungen stieß. Bereits am zweiten Grabungstag wurde sein Bleisarg geöffnet. Am 19. Dezember 1903 wurde er in einem neuen Bleisarg in der kurz zuvor fertiggestellten neuen Kaisergruft unter dem östlichen Ende des Mittelschiffs wiederbestattet, ebenso wie seine Mutter Beatrix von Burgund und seine Schwester Agnes.

In diesem Bleisarg, der heute in der Sammlung Domschatz im Historischen Museum der Pfalz in Speyer ausgestellt ist, wurde Philipp von Schwaben 1208 einen Tag nach seiner Ermordung durch Otto von Wittelsbach im Bamberger Dom bestattet. Auf Veranlassung seines Neffen, dem späteren Kaiser Friedrich II., wurde er 1213 exhumiert und mitsamt seinem Sarg in die Grablege im Dom zu Speyer überführt. Der Bleisarg besteht aus mehreren sich überlappenden Bleiplatten, die von Eisennieten und -bändern zusammengehalten werden. In seinem Inneren befanden sich die sterblichen Überreste Philipps sowie zahlreiche Fragmente seiner Grabkleider.

Speziell das Grab Philipps beinhaltete besonders reichhaltige Beigaben, unter anderem Schuhe (links), ein Mantel in der Art eines liturgischen Gewandes (rechts) sowie eine Tunika, ein Gürtel, Strümpfe, zwei Goldbänder und ein Handschuhmedaillon, die aufwändig rekonstruiert wurden und ebenfalls zur Sammlung Domschatz gehören.

Dom St. Blasii in Braunschweig (Deutschland)

Eine Gedenkplatte, die im Jahre 2009 im Mittelschiff des Braunschweiger Doms St. Blasii zwischen dem im Jahre 1188 geweihten Marienaltar und dem um 1235/40 errichteten Grabmal von Heinrich dem Löwen und dessen Ehefrau Mathilde von England in den Boden eingelassen wurde, erinnert an die Stelle, an der Kaiserin Beatrix ursprünglich zusammen mit ihrem Ehemann Kaiser Otto IV. bestattet war. Otto IV. war der Sohn von Heinrich dem Löwen, der diesen Dom als Grablege der Welfen gestiftet hatte.

Links die im Jahre 2009 anlässlich des 800. Jahrestags der Kaiserkrönung Ottos IV. im Boden eingebrachte Gedenktafel. Sie ersetzt die rechts neben diesem Text abgebildete ebenfalls neuzeitliche Vorgängertafel, auf der nur Otto IV. genannt war. – 1707 ließ Herzog Anton Ulrich von Braunschweig-Wolfenbüttel die im Langhaus bestatteten Gebeine seiner Vorfahren (mit Ausnahme von Heinrich den Löwen und dessen Ehefrau Mathilde) exhumieren und die insgesamt dreizehn Fürsten in einer monumentalen, von einer Bronzetafel bedeckten Kalkstein-Tumba in der nördlichen Apsis des Braunschweiger Doms gemeinsam beisetzen.

Auf der Bronzeplatte auf der Welfentumba ist Beatrix als Tochter von König Philipp von Schwaben und Nichte von Kaiser Friedrich I. Barbarossa genannt, die 1208 mit Otto IV. verheiratet wurde. Sie starb 1212 wenige Tage nach dem Vollzug der Ehe im Alter von vierzehn Jahren. Otto IV. verstarb 1218 im Alter von etwa 43 Jahren.

Die Rekonstruktion zeigt die ursprüngliche Innengestaltung des Doms mit dem Grab von Beatrix und Otto zwischen dem Siebenarmigen Leuchter (um 1190/92) und dem Grabmal von Heinrich dem Löwen und seiner Frau Mathilde.

Heinrich der Löwe, Schwiegervater von Beatrix, baute die Burg Dankwarderode zu einer repräsentativen Residenz aus und ließ um 1166 auf dem Braunschweiger Domplatz ein Löwenstandbild als Zeichen seiner herzoglichen Herrschaft errichten, die älteste erhaltene Großplastik des Mittelalters nördlich der Alpen. Der 1873 durch einen Brand zerstörte Palas (rechts) wurde 1887 bis 1906 auf der Grundlage archäologischer Untersuchungen rekonstruiert und als neoromanischer Bau wieder errichtet.

Église Sainte-Walburge de Walbourg (Frankreich)

Das Benediktiner-Kloster Sankt Walburga im elsässischen Walbourg wurde um 1100 gegründet und 1790 aufgelöst. Als Gründer der Abtei gelten Herzog Friedrich I. von Schwaben und Peter von Lützelburg, wahrscheinlich unter Mitwirkung von Friedrichs Bruder Otto, der bis 1100 Bischof von Straßburg war. 1102 bestätigte Papst Paschalis II. die zugunsten des Konvents getroffenen Verfügungen.

Herzog Friedrich II. von Schwaben, der 1147 starb, wurde er auf eigenen Wunsch in der Klosterkirche Sankt Walburga bestattet, ebenso seine nach ihm verstorbene zweite Ehefrau Agnes von Saarbrücken.

Walbourg konnte sich ebenso wenig wie das von Herzog Friedrich I. zu diesem Zweck gestiftete Kloster Lorch als Grablege der Staufer durchsetzen. Die Gräber von Herzog Friedrich II. und seiner zweiten Ehefrau Agnes von Saarbrücken sind heute nicht mehr vorhanden.

Judith Welf, die erste Ehefrau von Herzog Friedrich II., ist aller Wahrscheinlichkeit nach im Kloster Lorch bestattet worden. Sie könnte aber auch in Walbourg im Elsass beigesetzt worden sein, vielleicht auch nur ihr Herz. So z.B. Walter Koch: König Konrad III. (1138-1152). In: Karl Rudolf Schnith (Hrsg.): Mittelalterliche Herrscher in Lebensbildern. Von den Karolingern zu den Staufern. Wien, S. 263.

Abwegig ist die von Wilhelm Muschka vertretene Meinung, der rechte Pfeiler eines heute zugemauerten Seitenportals (das auch auf dem Bild weiter oben zu sehen ist) an der südlichen äußeren Langhauswand der Klosterkirche sei das Grabmonument des Herzogs. In dem knapp zwanzig Zentimeter breiten Türpfosten aus dem frühen 12. Jahrhundert ist das Relief einer männlichen Figur, die eine stilisierte Blume in den Händen hält. – Wilhelm Muschka: Agnes von Waiblingen. Stammmutter der Staufer und Babenberger-Herzöge. Eine mittelalterliche Biografie, Marburg 2012, S. 216-218.

Die Abteikirche wurde unter Abt Burkhard von Müllenheim zwischen 1456 und 1462 im gotischen Stil umgebaut.


Peter Koblank: Staufergräber

stauferstelen.net