Staufergräber - Anlagen


VON PETER KOBLANK (2018)

Bamberger Dom (Deutschland)

Der Bamberger Dom St. Peter und St. Georg, eine Gründung Kaiser Heinrichs II. und seiner Gemahlin Kunigunde aus dem Jahre 1007, wurde 1185 durch einen Brand zerstört und anschließend neu erbaut.

Dieser zweite Dom in seiner heutigen Gestalt, eine spätromanisch-frühgotische Doppelchoranlage mit vier Türmen, wurde 1237 geweiht. Er gehört neben Speyer, Mainz, Worms und Königslutter zu den hochmittelalterlichen deutschen Kaiserdomen. In seinem Inneren befinden sich vier prominente Grabstätten:

  • Steinsarkophag von Kaiser Heinrich II. und seiner Ehefrau Kunigunde, dem einzigen heiliggesprochenen Kaiserpaar des römisch-deutschen Reiches, aus der Werkstatt von Tilman Riemenschneider am Aufgang zum Ostchor
  • Steinsarkophag des zweiten Bamberger Bischofs Suitger und späteren Papstes Clemens II. im Westchor, das einzige erhaltene Papstgrab auf deutschem Boden1
  • Steinsarkophag von König Konrad III., dem ersten römisch-deutschen König aus dem Hause der Staufer, im nördlichen Seitenschiff der Krypta unter dem Ostchor
  • Steinsarkophag des ersten Bamberger Bischofs Eberhard I., ein Sammelgrab mit vier weiteren Bamberger Bischöfen im südlichen Seitenschiff der Krypta unter dem Ostchor

1152 – Konrads Grab im Langhaus des ersten Doms

Der erste Stauferkönig Konrad III. starb am 15. Februar 1152 in Bamberg an einer Malaria tertiana,2 die er sich beim Zweiten Kreuzzug zugezogen hatte. Wie der zeitgenössische Geschichtsschreiber Bischof Otto von Freising berichtet, wollte ihn seine Dienerschaft wunschgemäß im Kloster Lorch an der Seite seines Vaters beisetzen. Die Bamberger Geistlichkeit bestattete ihn jedoch im Bamberger Dom neben dem Grabmal von Kaiser Heinrich (iuxta tumbam imperatoris Heinrici),3 das sich damals im Langhaus des Doms befand.

Im Jahre 1208 wurde König Philipp von Schwaben, ein Sohn von Kaiser Friedrich I. Barbarossa, in Bamberg ermordet und ebenfalls im Bamberger Dom bestattet. Ende 1213 ließ Kaiser Friedrich II. seinen Onkel Philipp von Schwaben in den Dom zu Speyer umbetten. Seinen Urgroßonkel König Konrad III. hingegen ließ er in Bamberg, wo dessen Grab die nächsten knapp viereinhalb Jahrhunderte im Langhaus des Doms blieb.

1237 – Konrads Grab im Langhaus des zweiten Doms

Auf Grund der Vergrößerung und Achsverschiebung des heutigen, im Jahre 1237 geweihten zweiten Domes gegenüber dem ersten Bau des 11. Jahrhunderts ist anzunehmen, dass die Kaisergräber von Heinrich und Kunigunde umgesetzt werden mussten, um wieder einen repräsentativen Platz im Langhaus zu erhalten.4 Dies dürfte auch das Grab Konrads betroffen haben.

Laut einer im letzten Viertel des 14. Jahrhunderts zusammengestellten Auflistung der Gräber im Bamberger Dom lag Konrads Grab nach wie vor neben dem von Kaiser Heinrich II. an der Seite von Eberhard, dem ersten Bamberger Bischof (iuxta tumbam sancti Heinrici in latere domini Eberhardi episcopi primi).5

Ab Mitte des 17. Jahrhunderts wurden Konrads sterbliche Überreste dann allerdings fünf Mal umgesetzt: Hinter den Mauritiusaltar (1656), unter den Hochaltar (1667), in den Domschatz (1828), in die Ostkrypta (1845) und schließlich an den heutigen Standort in der Ostkrypta (1975).

1656 – Konrads Umbettung hinter den Mauritiusaltar

1513 wurden Kaiser Heinrich II. und seine Ehefrau Kunigunde in ein marmornes Hochgrab aus der Werkstatt Tilman Riemenschneiders umgebettet, das nach einigen Verschiebungen innerhalb des Doms am Aufgang zum Ostchor aufgestellt wurde. 1656 wurde auch das Grab Konrads, das sich immer noch beim ursprünglichen Standort des Kaisergrabs im Hauptschiff befand, von dort entfernt. Anlass war eine grundlegende Erneuerung des Bodenbelags des Langhauses in den Jahren 1657/58.6

Konrads Gebeine wurden 1656 hinter den damaligen Altar des heiligen Mauritius umgebettet.7 Dieser Altar, der sich vor dem Peterschor befand,8 fiel der Domrestauration ab 1828 zum Opfer. Nur noch das um 1520 entstandene Rosenkranzgemälde, das heute in der Sakramentskapelle über dem Tabernakel angebracht ist und Lucas Cranach d. Ä. zugeschrieben wird, ist vom Mauritiusaltar übriggeblieben.

1667 – Konrads Umbettung unter den Hauptaltar im Westchor

1667 wurde Konrad in einem Kasten unter dem Hauptaltar des Westchors beigesetzt. Mit ihm bestattet wurden damals die sterblichen Überreste von fünf zwischen 1040 und 1328 verstorbenen Bamberger Bischöfen,9 deren Gräber ursprünglich ebenfalls im Langhaus links neben dem Grab Heinrichs sowie vor und hinter dem damaligen Kunigundealtar lagen.10

1828 – Konrads Umbettung in den Domschatz

Ab 1828 ordnete König Ludwig I. von Bayern die Purifizierung des Inneren des Doms an. Ziel dieser umfassenden Rekonstruktionsarbeiten war, die barocke und klassizistische Ausstattung zu eliminieren und den ursprünglichen mittelalterlichen Zustand wiederherzustellen.

Damals öffnete man den Kasten unter dem westlichen Hauptaltar und fand die Gebeine Konrads zusammen mit denen der fünf Bischöfe, aber gesondert zusammengebunden und an einer Krone kenntlich.11 Diese Krone zerbrach, als sie ein Kirchendiener versehentlich fallen ließ; sie ist heute nicht mehr auffindbar. Der Kasten mit den sterblichen Überresten der sechs Toten wurde zunächst im Domschatz aufbewahrt.

1845 – Konrads Umbettung in die Ostkrypta

1845 wurden in der Krypta unter dem Ostchor zwei baugleiche neoromanische Steinsärge aus Sandstein aufgestellt. In dem einen wurde König Konrad III. beigesetzt und in dem anderen die fünf Bischöfe.12

Neoromanischer Sarkophag aus Sandstein mit den sterblichen Resten von König Konrad III. Wohl kein anderes mittelalterliches Königsgrab ist an einem derart unprominenten Ort vor der Öffentlichkeit versteckt, wie dieses hier an der Nordwand der Krypta unter dem Ostchor des Bamberger Doms. Foto: Sibylle Kreisel.

Die Deckplatte von Konrads Sarkophag an der Nordwand der Krypta ist mit den Reliefs eines Adlers, eines Zepters und eines Schwerts geschmückt. Die Umschrift auf der Deckplatte lautet: HIER RUHEN DIE GEBEINE KAISER KONRAD III AUS DEN GESCHLECHT DER HOHENSTAUFEN. Dieser knappe Satz enthält drei Fehler: Nach "Gebeine" fehlt ein "von", König Konrad III. war kein Kaiser und es müsste "aus dem Geschlecht" heißen.

Konrads Steinsarg ist 122 cm hoch, die Deckplatte ist 217 cm lang und 106 cm breit. Die Wände sind auf drei Seiten mit rundbogigen Säulenarkaden gegliedert, dahinter Zierfelder mit Rosettenmustern. Foto: Sibylle Kreisel.

In dem gegenüber von Konrads Sarkophag an der Südwand der Krypta befindlichen und identisch gestalteten Steinsarg sind die fünf Bamberger Bischöfe bestattet, die ursprünglich im Langhaus neben dem Grab Heinrichs sowie vor und hinter dem damaligen Kunigundealtar lagen und im 17. Jahrhundert zusammen mit Konrad in den Westchor umgebettet worden waren: Der erste Bamberger Bischof Eberhard I. sowie die Bischöfe Egilbert (Nr. 9), Timo (Nr. 13), Wulfing (Nr. 21) und Heinrich II. (Nr. 23).13 Die Deckplatte dieses Pendants trägt ein Metropolitenkreuz zwischen zwei Wappen und die irreführende Umschrift HIER RUHEN DIE GEBEINE DER ERSTEN FÜNF BISCHÖFFE IM BISTHUM BAMBERG, denn es sind nicht die "ersten fünf" Bamberger Bischöfe (in der Umschrift mit "ff" geschrieben).

1975 – Konrads Umbettung innerhalb der Ostkrypta

Links: Ostkrypta mit dem Steinsarg von König Konrad III. auf der linken Seite und seinem gegenüberliegenden Pendant mit den fünf Bamberger Bischöfen auf einer Postkarte aus dem Jahre 1907. Die beiden im Jahre 1845 aufgestellten Sarkophage standen damals relativ nahe beim Altar in den Seitenschiffen. – Rechts: Ostkrypta nach dem Umbau von 1975 mit den innerhalb der Seitenschiffe versetzten Steinsärgen. Sie sind jetzt weiter vom Altar entfernt. Vergrößerte Ansicht.

Feier anlässlich der erneuten Beisetzung von König Konrad III. und den fünf Bischöfen am 25. Juni 1975. Im Vordergrund die zwei Totenkisten, die jetzt wieder in den beiden Steinsärgen liegen, die damals innerhalb der Krypta versetzt wurden.16

1974 begann man, die Ostkrypta so umzugestalten, dass sie wieder ihre ursprüngliche Bedeutung als Unterkirche erhielt und für Gottesdienste zur Verfügung stand.14 Warum aus diesem Grund die beiden Sarkophage innerhalb der Seitenschiffe verschoben werden mussten, ist allerdings nicht nachvollziehbar.

Die beiden Steinsärge wurden 1974 geöffnet, die darin befindlichen Kisten mit den sterblichen Überresten unversehrt vorgefunden und in einer Kammer im nördlichen Westturm zwischengelagert.15

1975 kamen die beiden Steinsärge an ihre heutigen Standorte im fünften Joch an der Nordwand (Konrad) und an der Südwand (Bischöfe) der Krypta.

In Bamberg erinnert eine Stauferstele an Konrad III., den ersten Staufer auf dem Königsthron.

1.  Sofern man den im Jahre 274 verstorbenen und ursprünglich in der Calixtus-Katakombe in Rom bestatteten Papst Felix I. nicht berücksichtigt, dessen Gebeine später nach Süddeutschland gelangt sein und heute in einem Sarg unter dem Altar der Kapelle von Schloss Heiligenberg liegen sollen.
2.  Knut Görich: Friedrich Barbarossa. Eine Biografie. München 2011, S. 91.
3.  Ottonis gesta Friderici imperatoris, MGH SS rer. Germ. 46, S. 98, Zeile 23 ff.
4.  Renate Kroos: Liturgische Quellen zum Bamberger Dom. In: Zeitschrift für Kunstgeschichte, Band 39 (1976), S. 105-146, hier: S. 131.
5.  Notae Sepulcrales Bebenbergenses, MGH SS 17, S. 640, Zeile 10-14. – Datierung des Dokuments: Kroos, S. 134 (1374/99); Exner, S. 1251 (1374/98).
6.  Kroos, S. 135 f.
7.  Georg Thomas Rudhart: Des Königs Konrad III. Grabstätten im Dome zu Bamberg. In: Archiv für Geschichte und Altertumskunde von Oberfranken, Band 3, Heft 2 (1846), S. 101-107, hier: S. 106.
8.  Kroos, S. 127.
9.  Matthias Exner (Hrsg.): Stadt Bamberg. Bd. 2: Domberg, 1. Drittelband: Das Domstift. Berlin 2015, S. 1255. – Zur Datierung 1667 auch Kroos, S. 136.
10.  Notae Sepulcrales Bebenbergenses, MGH SS 17, S. 640, Zeile 18-20 (Eberhard I.) und 641, Zeile 10-11 (Egilbert), Zeile 20-22 (Timo), Zeile 38-39 (Wulfing) und Zeile 45-46 (Heinrich II.).
11.  Rudhart, S. 106 f.
12.  Exner, S. 1251 f und S. 1255.
13.  Rudhart, S. 106.
14.  Hans-Günter Röhrig: Eine Demonstration der Vergänglichkeit. Überführungen, Auslagerungen und Beisetzungen in der Krypta des Domes. In: Hans-Günter Röhrig (Hrsg.): Dieses große Fest aus Stein. Lesebuch zum 750. Weihejubiläum, Bamberg 1987, S. 71-77, hier: S. 75.
15.  Röhrig, S. 75.
16.  Röhrig, S. 77.

Peter Koblank: Staufergräber

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