Der im Mai 2024 fertiggestellte Gmünder Stauferfries an der Backsteinwand des Einkaufszentrums "Remsgalerie" in der Ledergasse hat eine Länge von 60 Metern. In Edelstahl geschnitten zeigt er den Einzug von König Konradin, dem letzten Staufer, in Schwäbisch Gmünd im Jahre 1266. Vergrößerte Ansicht. 🌐Lage.

Gmünder Stauferfries

Die Montage begann im Juli 2022. Auf diesem Foto sind 33 Meter realisiert.
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Konradin, gefolgt von seinem Freund Friedrich von Baden. Vergrößerte Ansicht.

Bei Dunkelheit wird der Fries mit LED-Licht hinterleuchtet. Dadurch wird der Schattenriss vertauscht, indem die Zwischenräume hell werden und der Edelstahl dunkel erscheint. Foto: Carl Bächtold. Vergrößerte Ansicht.

Entstehungsgeschichte

Der Maler, Grafiker und Kunsthistoriker Helmut Gruber-Ballehr (1939–2023), der in München geboren wurde und seit 1972 in Schwäbisch Gmünd lebte und arbeitete, hatte 2013 die Idee zu einem Stauferfries und präsentierte einen 15 Meter langen und 1,6 Meter hohen Pinselentwurf mit Acryl auf Folie.

Das daraus entwickelte 60 Meter lange Monumentalkunstwerk stellt den Einzug von König Konradin, dem letzten Staufer, im Jahre 1266 in Schwäbisch Gmünd dar. Während der vierzehnjährige Konradin von links mit seinem Gefolge auf die Stadt zureitet, kommen ihm von rechts Gmünder Bürger entgegen, um ihn zu empfangen.

In Edelstahl geschnitten, macht der Gmünder Stauferfries an der Südfassade des Einkaufszentrums "Remsgalerie" in der Ledergasse die Bedeutung der Staufer für die älteste Stauferstadt sichtbar.

Bei Tag schweben die über neunzig überlebensgroß dargestellten Figuren als silberglänzende Formen vor der nüchtern gestalteten Backsteinfassade. Bei Dunkelheit wird der Gmünder Stauferfries mit auf der Rückseite der Edelstahltafeln verklebten energiesparenden Leuchtdioden (LED) hinterleuchtet.

Der eigens dafür gegründete Verein Stauferfries e.V. arbeitete in Kooperation mit der Stadt an der Realisierung. Er warb um Spenden und Patenschaften für das Projekt. Am 26. August 2022 wurde das Kunstwerk in einer vorläufigen Länge von 33 Metern in Form einer Schenkung an die Stadt Schwäbisch Gmünd übergeben.

Koblank GmbH

Bereits im Jahre 2022 übernahmen die Geschäftsführer der Koblank GmbH für Friedrich von Baden, der als zweitprominenteste Persönlichkeit auf dem gesamten Fries direkt hinter Konradin reitet, sowie für die Fahne des Johanniterordens die Patenschaft. Als Ende 2023 das erst zum Teil realisierte Projekt in einer Klemme steckte, weil der Spendenfluss mehr oder weniger versiegt war, beschloss die Koblank GmbH, die Fertigstellung des Gmünder Stauferfrieses im Frühjahr 2024 zu ermöglichen. Mit einer Spende der noch fehlenden 40.000 Euro wurde die Koblank GmbH im Jahre 2024 ein Hauptsponsor.

Am 3. Mai 2024 wurden die letzten noch fehlenden Edelstahlplatten montiert. Die endgültige Übergabe an die Stadt Schwäbisch Gmünd erfolgte am 15. Juni 2024.

Gemälde von Hans Kloss. Vergrößerte Ansicht.

Video von Carl Bächtold

Historischer Hintergrund

Der 2018 verstorbene Lorcher Maler und Grafiker Hans Kloss verewigte Konradin in seinem Schwäbisch Gmünder Epos auf dem vierten von fünfzehn Monumentalgemälden. Es hat den Titel "König Konrad (Konradin) vor der Johanniskirche".

Am 28. Dezember 1266 urkundete der damals 14-jährige Konradin in Gmünd, bevor er im September 1267 nach Italien zog, um sein Erbe als rechtmäßiger König von Sizilien anzutreten. Dort verlor er die entscheidende Schlacht gegen Karl I. von Anjou, wurde auf der Flucht ergriffen und 1268 in Neapel enthauptet. Er war der letzte Staufer in männlicher Linie.

Seine Gebeine liegen in der Basilica santuario di Santa Maria del Carmine Maggiore in Neapel. Der spätere König Maximilian II. von Bayern gab 1833, als er noch Kronprinz war, dem dänischen Bildhauer Bertel Thorvaldsen den Auftrag für eine Marmorstatue für Konradin mit einem Sockel für dessen Gebeine, die sich bis dahin unter dem Hauptaltar in einem Bleisarg befanden.

Links: Konradin lässt bei der Beizjagd mit seinem Freund Friedrich von Baden einen Falken steigen. Codex Manesse, um 1300, Fol. 7r. – Rechts: Konradin und Friedrich von Baden vernehmen beim Schachspiel ihr Todesurteil. Johann Heinrich Wilhelm Tischbein, 1784, Original im Bestand des Schlossmuseums Gotha. – Vergrößerte Ansicht.

Die öffentliche Enthauptung Konradins auf dem Marktplatz von Neapel 1268. Miniatur aus der Nuova Cronica des Giovanni Villani, um 1350, Fol. 112v. Vergrößerte Ansicht.

Das von Bertel Thorvaldsen im Auftrag von König Maximilian II. von Bayern geschaffene Grabmal von Konradin in der Basilica santuario di Santa Maria del Carmine Maggiore. Vergrößerte Ansicht.

Lateinischer Text der Urkunde vom 28. Dezember 1266. Vergrößerte Ansicht.

Konradins Aufenthalt in Gmünd

In der Urkunde vom 28. Dezember 1266, aus der sich auf einen Aufenthalt Konradins in Gmünd schließen lässt, werden zwei Esslinger Bürger mit Zollrechten belehnt. Sie hat also nichts mit irgendwelchen Sachverhalten in Gmünd zu tun, wurde aber aput Gamvndiam ausgestellt, nach mittellateinischem Gebrauch der Präposition "apud" also in Gmünd.

Der damals 14-jährige Konradin (dieser heute übliche Name geht auf das Diminutiv Corradino zurück, das ihm der italienische Volksmund gab) urkundet als Chonradus secundus, dei gracia Ierusalem et Sycilie rex, dux Sweuie, also als Konrad II. König von Jerusalem und Sizilien sowie Herzog von Schwaben. Die Ordinalzahl II. bezieht sich auf das Königreich Sizilien, denn als König von Jerusalem war er bereits der dritte und als Herzog von Schwaben der vierte mit dem Namen Konrad.

Die Urkunde ist datiert auf anno dominice incarnacionis millessimo ducentesimo sexagesimo septimo, in die Innocentum, decime indicionis, also auf das Inkarnationsjahr 1267, den Tag der unschuldigen Kinder, der am 28. Dezember gefeiert wird, und die 10. Indiktion.

Die Indiktion (lat. indictio = Ankündigung) ist ein 15-jähriger Zyklus zur Jahreszählung, der seit der Spätantike bis zum Ende des Mittelalters in Urkunden sehr häufig redundant verwendet wurde. Sie errechnet sich mit der Formel Indiktion = (Inkarnationsjahr + 3) mod 15. Für das Inkarnationsjahr 1267 ergibt sich nach dieser Formel als Indiktion: (1267 + 3) / 15 = 84 Rest 10. Die Indiktion in der Urkunde passt demnach zum Inkarnationsjahr, was bei mittelalterlichen Urkunden nicht immer der Fall ist und dann die Datierung erschwert.

Am 28. Dezember 1267 war Konradin aber bereits in Italien, wo er 1268 ums Leben kam. Dieser Widerspruch erklärt sich damit, dass der Schreiber der Urkunde das neue Kalenderjahr 1267 nicht am 1. Januar 1267, sondern bereits mit dem 25. Dezember des Vorjahres beginnen ließ, dem Tag der Geburt Christi. Daher ist die Urkunde auf den 28. Dezember 1266 zu datieren.

An welchem Tag Konradin in Gmünd ankam und ob er auch das Weihnachtsfest dort verbracht hat, lässt sich aus dieser Urkunde nicht erschließen. Vor seinem Aufenthalt in Gmünd ist Konradin in Schongau, Innsbruck und Augsburg (November 1266) quellenmäßig nachgewiesen. Danach ist er in Rottweil, Engen und Konstanz (Januar 1267), in Augsburg (Februar 1267) sowie in Friedberg und in Esslingen (März 1267) nachgewiesen.

In keiner dieser Quellen zwischen November 1266 und März 1267 wird sein drei Jahre älterer Freund Friedrich von Baden erwähnt, der auf dem Fries direkt hinter Konradin reitet. Seine Abbildung auf dem Fries erfolgte im Rahmen der künstlerischen Freiheit. Dies gilt neben vielen weiteren Details auch für die Fahne des Malteserordens, den es im 13. Jahrhundert noch nicht gab.

Anfang September 1267 brach Konradin nach Italien auf, wo er beim Versuch, sein sizilianisches Erbe zu übernehmen, im Alter von sechzehn Jahren ums Leben kam.

Urkunde vom 28. Dezember 1266: RI V,1,2 n. 4820; WUB Band VI, Nr. 1886; LA BW StAL B 169 U 11.

Dreifacher Bezug zur Gmünder Stadtgeschichte

Der Gmünder Stauferfries bei Nacht. Foto: Carl Bächtold. Vergrößerte Ansicht.

Helmut Gruber-Ballehr knüpfte mit dem Gmünder Stauferfries in dreifacher Weise an Schwäbisch Gmünds Stadtgeschichte an:

  • Mit Konradins Einzug verweist er auf Gmünd als älteste Stauferstadt.
  • Mit der Gestaltung aus Edelstahl verweist er auf Gmünd als Stadt der Gold- und Silberschmiede.
  • Mit Licht und Schatten verweist er auf Gmünd als Stadt des Schattentheaters. Denn je nach Stand der Sonne verändert sich das Bild, das zudem nachts von hinten beleuchtet wird.

Der Pinselentwurf (Acryl auf Folie, 15 × 1,6 m) von Helmut Gruber-Ballehr, links zu sehen, machte 2013 den Anfang. Der nächste Schritt war 2014 eine Bleistift-Reinzeichnung (Bleistift auf Papier, 10 × 0,6 m), deren Linienführung er so optimierte, dass die Figurengruppen ein Gefüge aus gleichwertigen Positiv- und Negativ-Formen bildeten. 2016 entstand als dritte Version eine vektorisierte CAD-Datei und sowie im vierten Schritt die Produktionsvorlage für den Laserschnitt. Vergrößerte Ansicht. Bildquelle: stauferfries.de.

Produktion und Montage der Edelstahltafeln des Frieses


Bild 1 und Bild 2: Der Gmünder Stauferfries besteht aus 136 einzelnen Blechtafeln aus Edelstahl. Diese sind 3 mm dick und auf der geschliffenen Sichtseite mit einer Schutzfolie beklebt. Diese schützt das Edelstahlblech vor unerwünschten Kratzern und Fingerabdrücken. Deshalb wird die Schutzfolie erst bei der Endmontage in der Ledergasse abgezogen. Auf der Konstruktionszeichnung (links) sind die 14 Blechtafeln für die Figuren am Ende des Zuges abgebildet. Bildquellen: RESPA Edelstahltechnik GmbH, stauferfries.de.

Bild 3: Die RESPA Edelstahltechnik GmbH in Heidenheim schneidet die Blechtafeln an einer Trumpf TruLaser 3030 Laseranlage, die Edelstahl bis 25 mm Dicke schneiden kann. In einem ersten Durchgang befreit der Laser die Konturen mit einem sehr feinen Laserstrahl von der Schutzfolie, ohne das Blech zu verletzen. In einem zweiten Durchgang schneidet er die Figuren aus dem Blech. Das dauert insgesamt zwölf bis fünfzehn Minuten pro Tafel.

Mitglieder des Stauferfries e.V. und Spender bei RESPA am 19. März 2024. In der Mitte hinten Peter Kramer, Produktionsleiter bei RESPA, rechts Hannes Steybe, Projektleiter für den Gmünder Stauferfries von HB.
Foto: Almuth Gruber-Ballehr.

Bild 4: Die ausgeschnittenen Teile werden herausgebrochen, gesammelt und später an eine Recyclingfirma verkauft.

Bild 5 und Bild 6: An dem stehenden Löwen kann man erkennen, wo diese Blechtafel später ihren Platz weiter vorne im Fries haben wird.

Bild 7: Bei den unteren Tafeln wird an allen vier Seiten die Kante des Blechs an einer 6-Achsen-gesteuerten Trumpf TruBend 5230 CNC-Abkantpresse um 90 Grad umgebogen. Die oberen Tafeln sind nach oben offen und bekommen nur links, unten und rechts eine Biegung. Diese Biegungen versteifen die Blechtafeln, die später mit Hilfe von vom Laser ausgeschnittenen kleinen Nuten in der dazu passenden Halterung an der Wand der "Remsgalerie" eingehängt werden.

Anschließend kommen die Blechtafeln zur HB-Laserkomponenten GmbH in Schwäbisch Gmünd, die auf der Rückseite eine LED-Beleuchtung verklebt und für die Montage an der "Remsgalerie" sowie für das Gesamtprojekt verantwortlich ist.

Mitglieder des Stauferfries e.V. und Spender bei RESPA am 19. März 2024. In der Mitte hinten Peter Kramer, Produktionsleiter bei RESPA, rechts Hannes Steybe, Projektleiter für den Gmünder Stauferfries von HB. Foto: Almuth Gruber-Ballehr.

Bild 8: Auf der Rückseite der Edelstahltafel wurde bei der HB-Laserkomponenten GmbH eine LED-Beleuchtung verklebt. Foto: Almuth Gruber-Ballehr

Bild 9, Bild 10 und Bild 11: In der Ledergasse wird die Tafel vorsichtig mit der Hebebühne nach oben gebracht und in die horizontalen Halteschienen eingehängt. Fotos: Almuth Gruber-Ballehr

Gmünder Stauferfries bei Wikipedia

Weitere Sponsoring-Projekte der Koblank GmbH


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