Tabula consanguinitatis von Wibald von Stablo

Kein Scheidungsgrund für die Ehe von Friedrich I. Barbarossa mit seiner ersten Ehefrau Adela

Ein aus dem 12. Jahrhundert überlieferter Stammbaum, Tabula consanguinitatis genannt, der im Zusammenhang mit der 1153 erfolgten Scheidung Friedrichs I. Barbarossa von seiner ersten Ehefrau stehen muss, ist ein Schlüsseldokument für die Stauferforschung. Bis vor kurzem nahm man an, auf Grund dieses Stammbaums habe die Kirche auf Barbarossas Antrag dessen Ehe getrennt. Das ist jedoch ein Irrtum, den der renommierte Historiker Eduard Hlawitschka vor zehn Jahren aufgedeckt hat.


VON PETER KOBLANK (2015)

Die Tabula consanguinitatis1 wurde in der Briefsammlung von Wibald von Stablo2 überliefert, der ein wichtiger Berater von Konrad III., dem ersten König aus dem Hause der Staufer, war. In reduziertem Umfang war Wibald auch für dessen Nachfolger und Neffen König Friedrich I. Barbarossa tätig.

Der Begriff Konsanguinität kommt vom lateinischen consanguinitas, das aus con (dt.: zusammen, mit) und sanguis (dt.: Blut) zusammengesetzt ist und Blutsverwandtschaft bedeutet. Die Tabula consanguinitatis, auch als Konsanguinitätstafel bezeichnet, ist also eine Blutsverwandtschaftstafel. Es ist anzunehmen, dass Wibald von Stablo sie 1152/53 im Hinblick auf die Scheidungsabsichten Friedrichs I. Barbarossa von seiner ersten Frau Adela von Vohburg erstellt hat.

Die tatsächlichen Motive für diese Ehescheidung Barbarossas, der seit 1152 römisch-deutscher König und ab 1155 Kaiser war, sollen hier nicht näher erläutert werden, zumal darüber ohnehin nur spekuliert werden kann.

Nach auch heute noch geltender Auffassung der katholischen Kirche ist eine geschlossene Ehe grundsätzlich unauflösbar. Barbarossas Ehe konnte (und musste) nach damaligem Kirchenrecht allerdings getrennt werden, wenn sie auf Grund eines Ehehindernisses ungültig war. So beispielsweise, wenn die Eheleute in einem zu engen Grad der Blutsverwandtschaft standen, was als Inzest gewertet wurde.

Weitere Ehehindernisse nach dem kanonischen Recht der Kirche waren beispielsweise ein vor dem Eheabschluss gelobter Eintritt in ein Kloster oder ein schon an jemand anders gegebenes gültiges Eheversprechen. – Kinderlosigkeit, machtpolitische Überlegungen, Untreue oder Zerrüttung der Ehe waren hingegen keine Scheidungsgründe.

Barbarossa konnte vor diesem Hintergrund mit seiner Bitte um Annullierung seiner Ehe nur dann erfolgreich sein, wenn er dem damals amtierenden Papst Eugen III. eine inzwischen entdeckte zu nahe Verwandtschaft mit seiner Frau Adela nachweisen konnte. In diesem Kontext muss die von Wibald von Stablo überlieferte Ahnenforschung betrieben worden sein:

Tabula consanguinitatis aus dem Briefbuch von Wibald von Stablo (1152/53).

Der lateinische Text, dessen erste Zeile vertikal am linken Rand steht, lautet:

Ex uno patre et una matre nati.

Fridericus genuit Fridericum de Buren. Fridericus de Buren genuit ducem Fridericum, qui Stophen condidit. Dux Fridericus de Stophe ex filia regis Heinrici genuit ducem Fridericum. Dux Fridericus genuit regem Fridericum.

Berta genuit Bezelinum de Villingen. Bezelinus de Vilin gen genuit Bertolfum cum barba. Bertolfus cum barba genuit Liutgardim. Litgardis genuit marchionem Theobaldum. Marchio Theobaldus genuit Adelam.

Das Wort genuit, das in jedem der horizontal geschriebenen Sätze vorkommt, ist das Perfekt in der dritten Person singular von gignere (dt.: erzeugen, hervorbringen, zeugen, gebären) und wird hier wohl am besten mit hat gezeugt übersetzt:

Von einem Vater und einer Mutter geboren.

Friedrich hat Friedrich von Büren gezeugt. Friedrich von Büren hat Herzog Friedrich gezeugt, der Staufen gründete. Herzog Friedrich von Staufen hat mit der Tochter von König Heinrich Herzog Friedrich gezeugt. Herzog Friedrich hat König Friedrich gezeugt.

Berta hat Berzelinus von Villingen gezeugt. Bezelinus von Villingen hat Berthold mit dem Bart gezeugt. Berthold mit dem Bart hat Luitgard gezeugt. Luitgard hat Markgraf Diepold gezeugt. Markgraf Diepold hat Adela gezeugt.

Die Blutsverwandtschaft zwischen Friedrich I. Barbarossa und seiner ersten Ehefrau Adela von Vohburg stand laut Wibald von Stablo im kanonischen Gradverhältnis 6:5. Dieser 11. Verwandtschaftsgrad nach römischer Zählweise war kein Grund für eine Aufhebung der Ehe durch den Papst.

Schon auf den ersten Blick fällt die Dubiosität dieser Stammtafel auf. Da gibt jemand vor, zu wissen, dass der auf Stufe 1 genannte Friedrich ein Bruder der ebenfalls auf Stufe 1 genannten Berta ist. Wer aber die Eltern dieser angeblichen Geschwister sind, will oder kann er uns nicht sagen. Damit fehlt aber die entscheidende Klammer der Blutsverwandtschaft, die offensichtlich nachgewiesen werden soll.

Da man von dem Barbarossa-Biografen Otto von Freising, der ein Onkel von Barbarossa und einer der bedeutendsten Geschichtsschreiber des Mittelalters war, weiß, dass Barbarossas Ehe im März 1153 in Konstanz durch päpstliche Legaten wegen bestehender Blutsverwandtschaft geschieden wurde,3 besteht die verbreitete Annahme, dass diese Aufzeichnung Wibalds den Papst trotz seines unübersehbaren Defizits überzeugt hat.4

Allerdings krankt Wiebalds Dokument an einem zweiten, noch fataleren Mangel: Es stellt eine Blutsverwandtschaft zwischen Friedrich und Adela dar, die im damaligen kanonischen Gradverhältnis 6:5 stand oder nach römischer Zählweise, bei der die beiden Zahlen addiert werden, im 11. Verwandtschaftsgrad.

Dies war eine sehr weit entfernte Verwandtschaft und auf keinen Fall ein impedimentum dirimens (dt.: trennendes Hindernis), auf Grund dessen Papst Eugen III. diese Ehe annulliert hätte. Nur bei einer Verwandschaft innerhalb der kanonischen Gradzählung von 3:4, mit anderen Worten innerhalb des 7. Verwandtschaftsgrads nach römischer Zählweise, war eine Ehe nach damaliger Auffassung als inzestuös anzusehen.5

Hinzu kam, dass Barbarossa nur drei Jahre später mit seiner zweiten Ehefrau Beatrix von Burgund in exakt dem gleichen 11. Verwandtschaftsgrad stand, ohne dass sich irgendjemand daran gestört hätte:

Die Blutsverwandtschaft zwischen Friedrich I. Barbarossa und seiner zweiten Ehefrau Beatrix von Burgund stand ebenfalls im kanonischen Gradverhältnis 6:5 und nach römischer Zählung im 11. Verwandschaftsgrad, ohne dass sich der Papst daran störte.

Die Historiker, die sich bisher mit dem Leben Barbarossas beschäftigten, waren überzeugt davon, dass die von Wibald von Stablo überlieferte Consanguinitätstafel das für dessen Scheidung maßgebliche Dokument war, das in Rom vorgelegt wurde. Dann aber wäre die Ehe mit Adela von der Kirche im Widerspruch zu den von ihr selbst aufgestellten und praktizierten Regeln geschieden worden.

Tatsächlich glauben manche Historiker an eine Art "Kuhhandel" im Zusammenhang mit dem im März 1153 beim Hoftag in Konstanz gleichzeitig mit der Scheidung geschlossenen Konstanzer Vertrag, in dem das Reich dem Papst seine Unterstützung zusagte. Zumal der Papst damals obendrein ein Interesse haben musste, dass Friedrich für eine Heirat mit einer byzantinischen Prinzessin, die damals nicht zuletzt wegen einer Süditalien betreffenden Mitgift ernsthaft in Erwägung gezogen wurde, zur Verfügung stand.

Des Rätsels Lösung veröffentlichte der renommierte Historiker Eduard Hlawitschka vor zehn Jahren:6

  • Mit Wibald von Stablos genealogischer Aufzeichnung konnte Barbarossa nichts erreichen, die brauchte er bei den Verhandlungen gar nicht erst präsentieren zu lassen.

  • Friedrich wird durch seine Verhandlungsdelegation, zu der Wibald auch gar nicht gehörte, eine andere genealogische Aufstellung vorgelegt haben, die aus Sicht der Kirche tatsächlich ein nicht hinnehmbares Ehehindernis darstellte.

  • In Wirklichkeit bestand ja auch eine wesentlich engere Verwandschaftsbeziehung zwischen Barbarossa und Adela, als die in Wibalds Stammtafel: Denn Kaiser Heinrich III. aus dem Hause der Salier war der Ur-Urgroßvater von Friedrich I. Barbarossa und gleichzeitig der Urgroßvater von Adela.

Die Blutsverwandtschaft zwischen Friedrich I. Barbarossa und seiner ersten Ehefrau Adela stand tatsächlich im kanonischen Gradverhältnis 4:3 und nach römischer Zählung im 7. Verwandtschaftsgrad, wie der Historiker Eduard Hlawitschka vor zehn Jahren aufdeckte. Dies war damals für den Papst ein nicht hinnehmbares Ehehindernis und ein Grund für die Aufhebung der Ehe.

Während Friedrichs Abstammung von Heinrich III. allgemein bekannt ist, führt eine zweite, von Hlawitschka aufgezeigte Linie von Kaiser Heinrichs III. Tochter Judith über deren Tochter Adelheid direkt zu Adela. Das war vielleicht Wibald nicht bekannt, sicherlich aber den Ehepartnern selbst: Barbarossa wusste um seine Abstammung von den Saliern und Adela kann nicht entgangen sein, dass ihre Großmutter Judith, auch wenn sie diese nicht mehr persönlich gekannt hat, eine Kaisertochter gewesen war.

Dies war eine vom kanonischen Recht nicht tolerierbare 4:3-Blutsverwandtschaft im 7. Verwandtschaftsgrad nach römischer Zählweise. Papst Eugen III. hatte daher 1153 einen nach damaligem Verständnis echten Grund, die Ehe als inzestuös zu betrachten und sie zu trennen.

Wibald von Stablo war bei den Verhandlungen über den Konstanzer Vertrag in Rom nicht selbst zugegen. Erst bei der Abfassung der Beglaubigung des Vertrages war er wieder involviert. Seine genealogische Aufzeichnung dürfte nur vor der parallel zu den Vertragsverhandlungen in Rom laufenden Prüfung von Barbarossas Bitte um Eheannullierung entstanden sein, die dann an Wibald mehr oder weniger vorbei lief.7

Welche Bedeutung hat die genealogische Aufzeichnung von Wibald von Stablo vor diesem Hintergrund?

Diese Ahnentafel ist unabhängig von ihrer Nutzlosigkeit für Barbarossas Ehescheidung das einzige Dokument, das Vorfahren des ersten Stauferherzogs Friedrich von Schwaben, der seinerseits noch historisch einigermaßen gut belegt ist, beim Namen nennt. Denn von Otto von Freising wissen wir nur ganz allgemein, dass der Herzog ex nobilissimis Suevie comitibus (dt.: von den vornehmsten Grafen Schwabens) abstammen soll.8

Man hat Wibalds Stammtafel in der Vergangenheit erhebliches Gewicht zugemessen in der wohl stillschweigenden Annahme, sie sei damals im Scheidungsverfahren vorgelegt und somit vom Papst und seinen Beratern auf Herz und Nieren geprüft und für zutreffend gehalten worden. Daher haben sich die Historiker auf die Suche nach Friedrichen begeben, die anderen Quellen zufolge im 11. Jahrhundert gelebt haben, um so den von Wibald genannten Stauferahnen auf die Spur zu kommen.

  • Friedrich von Büren glaubt man im heutigen Wäschenbeuren lokalisieren zu können, was ohne jeden weiteren Beweis mit der geografischen Lage zwischen Hohenstaufen und Kloster Lorch begründet wird. Dort existiert auch tatsächlich ein kleiner Burgstall namens Burren, der in das 9.-11. Jahrhundert datiert wird und üblicherweise als "Wiege der Staufer" apostrofiert wird.9

  • Dessen Vater Friedrich soll Graf im Riesgau und Pfalzgraf in Schwaben gewesen sein. Dafür konnten allerdings bisher keine überzeugenden Gründe vorgelegt werden, die wesentlich über die Tatsache hinausgehen, dass es im 11. Jahrhundert im Nördlinger Ries tatsächlich den einen oder anderen Friedrich gegeben hat.10

Wir wissen nicht, auf Grundlage welcher Informationen und zu welchem genauen Zweck diese in Wibalds Briefbuch gefundene Aufzeichnung angefertigt wurde. Eine bewusste Konstruktion von eigentlich längst vergessenen Ahnen ist nicht auszuschließen.11 Wir können jedenfalls davon ausgehen, dass die früher von den Historikern wohl unterstellte zeitgenössische Qualitätsprüfung ihres Inhalts durch den Papst nie stattgefunden hat.

Aus diesem Grund sollte man diesem Konstrukt einer direkten Abstammungslinie von zwei unbekannten Eltern über zwei Friedriche zum Herzog Friedrich I. von Schwaben mit einer gewissen Vorsicht begegnen.

Anhang:

Hlawitschkas Beweiskette

Barbarossas Abstammung von Heinrich III. steht außer Frage. Adela kann aber nur dann von Heinrich III. abstammen, wenn ihre Mutter Adelheid tatsächlich eine Tochter von Heinrichs Tochter Judith war. Es existiert jedoch keine Quelle, aus der dies explizit hervorgeht.

Hlawitschka Beweisführung basiert auf einer Kette von Schlussfolgerungen, die hier mit Bezug auf seine 2009 erschienene Genealogie der Stauferzeit12 dargestellt wird, wo diese Überlegungen auf verschiedene Kapitel verteilt sind:

  1. Adelas Vater Diepold III. war laut einer genealogischen Notiz aus dem 12. Jahrhundert aus Ranshofen13 in seiner erster Ehe mit einer Frau de Polonia (dt.: aus Polen) verheiratet. Aus dieser Ehe stammten vier Töchter, darunter Adela.14

    Notiz aus Ranshofen in den Notae Genealogicae Bavariae.13 Adela wird hier irrtümlich als imperatrix (dt.: Kaiserin) bezeichnet. Ihre Scheidung fand aber zu einem Zeitpunkt statt, zu dem Friedrich I. Barbarossa bereits König, aber noch kein Kaiser war.

  2. Mit de Polonia kann nur eine Abstammung von den Piasten, der damaligen polnischen Herzogsfamilie gemeint sein.15
  3. In einer Aufzeichnung über die Gründung des Benediktinerklosters Reichenbach16 ist aus den Worten uxoris sue Adalheidis liberorumque suorum zu schließen, dass Diepolds Frau Adelheid hieß und dass die beiden bei der Gründung des Klosters im Jahre 1118 bereits Kinder hatten.17

    Monumenta Monasterii Reichenbach in den Monumenta Boica.16 Die etwas andere Schreibweise beruht darauf, dass Hlawitschka nicht aus dieser älteren Edition, sondern aus Die Traditionen des Klosters Reichenbach am Regen, bearbeitet von Cornelia Baumann, München 1991, S. 3 zitiert.

  4. Aus dieser 1118 bereits mit Kindern gesegneten Ehe schlussfolgert Hlawitschka unter Berücksichtigung der frühen Verheiratungszeiten von Mädchen im Hochmittelalter und der Verheiratungszeit ihrer Eltern, dass Adelheid um 1089/90 geboren sei.18
  5. Damit kommt innerhalb der polnischen Herzogsfamilie der Piasten nur Herzog Wladysław I. Hermann (um 1040-1102) in Frage, der um 1088/89 in zweiter Ehe Judith, die jüngste Tochter von Kaiser Heinrich III. und Witwe von König Salomon von Ungarn, heiratete.19
  6. Aus dieser Ehe von Wladysław und Judith gingen laut der um 1115 von Gallus Anonymus verfassten Chronicae Polonorum20 drei Töchter hervor. Eine heiratete einen Russen, eine ging ins Kloster und eine heiratete sue gentis, also jemand aus seiner bzw. ihrer Völkerschaft. Das Wort sue (auch: suae) kann sich grammatikalisch auf einen Landsmann von Wladysław (seiner) oder auf einen Landsmann von Judith (ihrer) beziehen. Im ersten Fall wäre der Ehemann dieser Tochter ein Pole, im zweiten Fall ein Deutscher.

    Gallus Anonymus: Chronicae Polonorum.20 In dieser Ausgabe wird das entscheidende Wort mit suae geschrieben. Seine Frau wird hier irrtümlich als soror (dt.: Schwester) von Heinrich III. bezeichnet.

  7. Hlawitschka geht davon aus, dass sue gentis sich auf die Mutter bezieht und dass die Tochter folglich einen Deutschen geheiratet hat. Diese These wurde bereits 1932 von einer polnischen Historikerin namens Helena Polazkówna aufgestellt, konnte sich aber seitdem nur langsam durchsetzen.21
  8. Wenn sie einen Deutschen geheiratet hat, muss diese Tochter identisch sein mit Adelheid, die mit dem deutschen Diepold III. verheiratet war - womit sich der Kreis schließt.22
  9. So erklärt sich auch, dass der Todestag von Herzog Wladysław I. Hermann in Bamberg, das im Machtbereich Diepolds lag, in den Dom-Nekrolog aufgenommen wurde. Auf diese Weise sorgte Adelheid dort für die Memoria ihres am 4. Juni 1102 verstorbenen Vaters.23

Es ist offensichtlich, dass Punkt 7 der Dreh- und Angelpunkt dieser Argumentation ist.

Die Argumentation mit der "Verheiratungszeit der Eltern" bei der Festlegung von Adelheids Geburtsjahr in Punkt 4 ist ein Zirkelschluss, da hier bereits die Tatsache der erst noch herzuleitenden Elternschaft vorausgesetzt wird. Sie fehlt übrigens in der älteren Ausarbeitung Hlawitschka.24

Für Hlawitschka sprechen weitere Argumente:25

  • Es ist kein polnischer Adliger bekannt, der mit dieser Tochter von Wladysław verheiratet war.
  • Es ist keine andere polnische Fürstentochter bekannt, die als Ehefrau Diepolds in Frage kommt.
  • Es ist auch kein anderer deutscher Adliger bekannt, der mit dieser Tochter von Wladysław verheiratet war. Dies ist jedoch ebenso wie die beiden vorigen lediglich ein argumentum e silentio, das Nichtwissen als Beweis zu nutzen versucht.
  • Judith könnte ihre Tochter Adelheid genannt haben, weil eine ältere Schwester von Judith ebenfalls Adelheid hieß.
  • Judith war eine Salierin und die Formulierung sue gentis ist eine elegante Umschreibung für das, was damals noch nicht mit Deutschland bezeichnet wurde. Hätte die Tochter einen Polen geheiratet, hätte Gallus Anonymus – analog zu in Rusia bei der erstgenannten Tochter – einfach in Polonia schreiben können.
  • Da bei Barbarossas Scheidung von Adela die zu nahe Verwandtschaft den zeitgenössischen Quellen nach eine Rolle gespielt hat26 und Stablos Stammbaum zu diesem Zweck unbrauchbar war, muss es ein engeres Verwandschaftsverhältnis gegeben haben. Sozusagen ein Abfallprodukt von Hlawitschkas These ist eine solche 4:3-Blutsverwandschaft.

Aus all diesen Gründen scheint sich seine Sicht in der neueren Forschung durchzusetzen.

1.  Wibaldi epistulae. Philipp Jaffé (Hrsg.): Monumenta Corbeiensa. Berlin 1864, Nr. 408, S. 547. – Abbildung u.a. in Hans-Martin Maurer: Der Hohenstaufen. Geschichte der Stammburg eines Kaiserhauses. Stuttgart/Aalen 1977, S.17.
2.  Zur schnellen Orientierung wird in diesem Artikel auf die Online-Enzyklopädie Wikipedia verwiesen.
3.  Otto von Freising: Gesta Friderici I imperatoris Buch 2, Kapitel 11.
4.  Aus einer größeren Zahl von Autoren hier ein Beispiel aus einer aktuellen Barbarossa-Biografie: "Der kirchenrechtlich einzig zulässige Grund war die angeblich zu nahe Verwandtschaft, die nach der im Briefbuch Wibald von Stablos überlieferten Verwandtschaftstafel auch tatsächlich gegeben war: Friedrichs Ur-Urgroßvater war der Bruder von Adelas Ur-Ur-Urgroßmutter gewesen." – Knut Görich: Friedrich Barbarossa. Eine Biographie. München 2011, S. 143.
5.  Eduard Hlawitschka: Weshalb war die Auflösung der Ehe Friedrich Barbarossas und Adela von Vohburg möglich? In: Deutsches Archiv für Erforschung des Mittelalters 61/2005, S. 509-536, hier: S. 511.
6.  Hlawitschka (2005) S. 526-534.
7.  Hlawitschka (2005) S. 535-536.
8.  Otto von Freising, a.a.O. Buch 1, Kapitel 8.
9.  Wäscherburg 2014 auf stauferstelen.net mit Fotos.
10.  Tobias Weller: Auf dem Weg zum 'staufischen Haus'. Zu Abstammung, Verwandtschaft und Konnubium der frühen Staufer. Hubertus Seibert, Bernd Schneidmüller (Hrsg.): Grafen, Herzöge, Könige. Der Aufstieg der frühen Staufer und das Reich (1079-1152). Thorbecke, Ostfildern 2005, S. 41-63, hier: S. 42.
Daniel Ziemann: Die Staufer - Ein elsässisches Adelsgeschlecht? In: Hubertus Seibert, Bernd Schneidmüller (Hrsg.): Grafen, Herzöge, Könige. Der Aufstieg der frühen Staufer und das Reich (1079-1152). Thorbecke, Ostfildern 2005, S. 99-133, hier: S. 107.
11.  Ziemann a.a.O. S. 104.
12.  Eduard Hlawitschka: Die Ahnen der hochmittelalterlichen deutschen Könige, Kaiser und ihrer Gemahlinnen. Ein kommentiertes Tafelwerk. Band II: 1138-1197, Hannover 2009, Monumenta Germaniae Historica Hilfsmittel 26.
13.  Notae Genealogicae Bavariae, Monumenta Germaniae Historica Scriptores 24, S. 76.
14.  Hlawitschka (2009) S. 139.
15.  Hlawitschka (2009) S. 144.
16.  Monumenta Monasterii Reichenbach, Monumenta Boica, Band 27, S. 3.
17.  Hlawitschka (2009) S. 139-140.
18.  Hlawitschka (2009) S. 140.
19.  Hlawitschka (2009) S. 145.
20.  Gallus Anonymus: Chronicae Polonorum, Monumenta Germaniae Historica Scriptores 9, S. 445.
21.  Hlawitschka (2009) S. 146.
22.  Hlawitschka (2009) S. 146.
23.  Hlawitschka (2009) S. 146-147.
24.  Hlawitschka (2005) S. 527.
25.  Das erste, zweite und vierte Argument stammt von dem polnischen Historiker Gerard Labuda. Siehe Klaus Graf unter http://archiv.twoday.net (abgerufen am 7. September 2015), der Hlawitschkas These jedoch skeptisch gegenübersteht.
26.  Otto von Freising, Gunther von Pairis und Burchard von Ursberg. Hlawitschka (2005) S. 513-514.

stauferstelen.net