Stauferstele Siracusa

Das Castello Maniace wurde von Friedrich II. zu einem Kastellpalast ausgebaut

Siracusa (dt.: Syrakus) liegt an der Ostküste von Sizilien und wurde im 8. Jahrhundert v. Chr. von griechischen Siedlern gegründet. Seit 2005 gehört die Stadt zum UNESCO Weltkulturerbe. Im Frühjahr 2017 soll dort eine Stauferstele errichtet werden.


VON PETER KOBLANK (2016)

Steht man in Siracusa auf der Halbinsel Ortigia vor der Bastion des Castello Maniace, ahnt man noch nichts von dem stauferzeitlichen quadratischen Kastellpalast im Inneren der Anlage. Hier soll die Stauferstele aufgestellt werden.

734 v. Chr. gründeten griechische Siedler aus Korinth auf der Insel Sizilien das antike Συρακούσαι (Syrakusai).

Dionysios I. führte im Jahre 405 v. Chr. in Syrakus die Tyrannenherrschaft ein.

Sein Sohn, der Tyrann Dionysios II. von Syrakus, ist Handlungsfigur in der von Timaios von Tauromenion überlieferten Anekdote vom Damoklesschwert und auch in der Ballade Die Bürgschaft von Friedrich Schiller.

Archimedes von Syrakus war einer der bedeutendsten griechischen Mathematiker, Physiker und Ingenieure der Antike. Seine Wurfmaschinen wurden bei der Verteidigung von Syrakus im Zweiten Punischen Krieg eingesetzt. Die Römer brauchten drei Jahre, bis sie 212 v. Chr. die Stadt eroberten.

Nach einer Erzählung von Valerius Maximus wurde Archimedes von einem römischen Soldaten mit gezogenem Schwert nach seinem Namen gefragt. Statt diesen zu nennen, bat Archimedes, seine in den Sand gezeichneten Diagramme nicht zu zerstören (noli, inquit, obsecro, istum disturbare). Daraufhin erschlug ihn der Soldat.

Syrakus teilte in den letzten fast dreitausend Jahren das Schicksal Siziliens, das im Laufe der Geschichte von Griechen, Römern, Vandalen, Ostgoten, Byzantinern, Arabern, Normannen, Staufern, Anjous, Aragonesen, Savoyern, Habsburgern und spanischen Bourbonen regiert wurde und seit 1861 zu Italien gehört.

Unter arabischer Herrschaft verlor Syrakus im 9. Jahrhundert seine Stellung als bedeutendste Stadt auf der Insel an Palermo, das zur neuen Hauptstadt Siziliens ausgebaut wurde. Heute ist Siracusa mit über hundertzwanzigtausend Einwohnern Siziliens viertgrößte Stadt und ein bedeutender wirtschaftlicher und touristischer Standort.

Wo im antiken Syrakus möglicherweise ein Heratempel stand, wurde später ein Kastell errichtet. Der byzantinische General Georgios Maniakes eroberte zwischen 1037 und 1040 den Osten des damals von den Arabern besetzten Siziliens zurück. Er sorgte wahrscheinlich für eine Verstärkung der Verteidigungsanlagen. Aus dieser Zeit ist der Name "Castello Maniace" tradiert.

Nach einer erneuten arabischen Periode wurde Syrakus 1087 von den Normannen erobert. Durch die Heirat von Kaiser Heinrich VI. aus dem Hause der Staufer mit Konstanze, die später ihren Vater, den Normannenkönigs Roger II. von Sizilien beerbte, fiel das Königreich Sizilien an die Staufer.

Kaiser Friedrich II., der einzige Sohn von Heinrich VI. und Konstanze, ließ zwischen 1232 und 1240 an Stelle der alten Anlage ein prachtvolles neues Kastell erbauen, das noch heute die Ansicht des Hafens von Syrakus dominiert.

Castello Maniace. Grundrisskonstruktion nach Giuseppe Agnello (links), Rekonstruktionsversuch der gotischen Säulenhalle (E. Bucher). Quelle: Die Zeit der Staufer, Band III, Stuttgart 1977, S.153.

Gotische Säulenhalle mit Kreuzrippengewölbe vor Abschluss der Restaurierung im August 2016. Foto: Sibylle Kreisel.

Friedrich-von-Schwaben-Platz – Kaiser und König von Sizilien 1194-1250. Foto: Sibylle Kreisel.

Am besten ist das Stauferkastell aus der Luft zu erkennen.

Der staufische Bau hat einen quadratischen Grundriss mit etwa fünfzig Meter Seitenlänge und Rundtürmen an den vier Ecken. Trotz seines äußerlichen Kastellcharakters handelte es sich im Inneren eher um einen Palast, der der Repräsentation diente und für Verteidigungszwecke kaum geeignet war. Das Untergeschoss bestand aus einem einzigen Saal mit von Kreuzrippen überspannten Jochen, die auf sechzehn teilweise noch erhaltenen Säulen ruhten, die von reich geschmückten Kapitellen bekrönt waren.

Kaiser Friedrich II. wird in Italien Federico II di Svevia (dt.: von Schwaben) genannt. Nachweislich hat er sich mindestens drei Mal in Syrakus aufgehalten. In der Nähe des Castello Maniace ist ihm ein Platz gewidmet, wo er als Kaiser und als König von Sizilien gewürdigt wird. Das auf dem Straßenschild anscheinend ursprünglich falsch angegebene Geburtsjahr wurde nachträglich korrigiert.

Das quadratische hochmittelalterliche Kastell wurde in den 1540-er Jahren, als Sizilien ein aragonisch-spanisches Vizekönigreich war, mit Bastionen zu einer frühneuzeitlichen Festungsanlage umbaut, um türkische Einfälle vom Meer her abzuwehren.

Man weiß nicht, ob der zweifellos dreigeschossig geplante quadratische staufische Bau auch so vollendet wurde. Falls ein drittes Geschoss existiert hat, wurde es ab 1673 von den Spaniern im Rahmen weiterer Befestigungsmaßnahmen entfernt, um Kanonen keine Angriffsfläche zu bieten. Die Verteidigungsanlage auf der Halbinselspitze, die an drei Seiten auf natürliche Art durch das Meer geschützt war, wurde damals stadtwärts durch einen heute zugeschütteten Grabendurchstich vom Festland getrennt.

Eingang zum Inneren der Festungsanlage (links) und Bastion mit Innenhof. Fotos: Sibylle Kreisel.

Nach starken Beschädigungen durch eine Pulverexplosion im Jahre 1704 wurde die Verteidigungsanlage in etwa so wiederhergestellt, wie sie sich heute präsentiert.

Sibylle Kreisel: Una Stauferstelen anche in Sicilia?
Castello Maniace

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