Der Steinbruch von Rothbach

Von hier stammen die Stauferstelen in Haguenau (2006) und auf dem Trifels (2008)

Rothbach ist ein Dorf im Elsass, neunzig Kilometer westlich von Karlsruhe am Rande der Nordvogesen im Tal des Rothbachs. Es hat keine fünfhundert Einwohner, aber eine lange Geschichte. Im Zusammenhang mit der Überführung der Gebeine des Hl. Adelphus von Metz in die Benediktinerabtei von Neuweiler im Jahr 826 wurde Rothbach erstmals urkundlich erwähnt. Seit Jahrhunderten wird hier ein roter Sandstein abgebaut, der früher nicht nur als Baumaterial, sondern auch als Schleifstein für die Industrie zum Einsatz kam.


VON PETER KOBLANK (2013)

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Abbau des grès rose des Vosges (dt.: rosa Vogesensandstein) in Rothbach wegen Unwirtschaftlichkeit eingestellt, bis Charles Loegel 1964 mit einer kleinen Mannschaft und innovativer Abbautechnik wieder neu begann und die Carrière Loegel Rothbach (dt.: Steinbruch Loegel Rothbach) gründete. Diese Firma wird heute von seinen Nachfahren geführt und beschäftigt über zwanzig Mitarbeiter.

Die Abzweigung zur Carrière Loegel Rothbach liegt einen Kilometer vom Ortsende von Rothbach entfernt auf der linken Seite der Straße nach Lichtenberg. Von dort führt ein achthundert Meter langer Privatweg zum Steinbruch. Oben rechts sieht man die Stollen, in denen der Sandstein seit 2012 unter Tage abgebaut wird. Auf dem Panoramafoto befindet sich der Berg mit diesen Stollen links. Diese drei Fotos wurden im Oktober 2015 ergänzt.

Der Sandstein von Rothbach hat im Vergleich zu anderen Steinbrüchen in den Vogesen eine etwas kräftigere Rosa-Farbe und wird daher auch als rot bezeichnet. Er ist besonders widerstandsfähig gegen Witterung und Luftverschmutzung und wurde auch bei der Restaurierung des Straßburger Münsters verwendet. Von hier stammen auch die Stauferstelen in Haguenau (2006) und auf dem Trifels (2008).

Carrière de Rothbach

Bis 2012 wurden die rechteckigen Steinblöcke in Rothbach über Tage mit einem Hochdruck-Wasserstrahl geschnitten. Foto: Dernières Nouvelles d’Alsace.

Der Rothbach

Der dreiundzwanzig Kilometer lange Rothbach entspringt oberhalb von Reipertswiller. An zahlreichen Mühlen vorbei fließt der Bach in vielen Windungen in südöstlicher Richtung zu dem Ort Rothbach und erreicht dort die Rheinebene. In Pfaffenhoffen mündet der Bach von links als erster größerer Zufluss in die Moder.

Der Name des Bachs und des von ihm durchquerten Dorfes hat nichts mit der roten Farbe des Buntsandsteins zu tun, sondern leitet sich von dem Wort roden her, bedeutet also Bach im Rodungsland. Heute sind die Hänge am Oberlauf aber wieder dicht bewaldet.

Der Vogesensandstein gehört zu den Buntsandsteinen, die vor über zweihundert Millionen Jahren im Trias aus einer Verkittung von Sandkörnern, die hauptsächlich aus Quarz bestehen, entstanden. Er ist im Gegensatz zu auf organischen Ablagerungen basierenden Sedimentgesteinsarten ein sogenanntes klastisches (vom griechischen klastó, dt.: abgebrochen) Sedimentgestein, dessen Substanz von mechanisch zerstörtem und verwitterten älterem Gestein stammt. – Seine rosarote Farbe kommt von einem eisenhaltigen Mineral namens Hämatit, dessen Wortursprung im griechischen aίµa (dt.: Blut) liegt.

Charles Loegel hat in Rothbach eine Maschine erfunden und patentieren lassen, die mit einem Wasserstrahl unter einem sehr hohen Druck von 1.200 Bar den Sandstein "sägen" konnte. Die Rohblöcke wurden schrittweise bis zu einer Tiefe von zweieinhalb Metern aus dem Fels geschnitten. Der Hochdruck-Wasserstrahl aus der Loegel-Düse führte im Vergleich zu Abbauverfahren mit Sprengstoff nicht nur zu einer wesentlich besseren Materialausbeute, sondern ist auch mit höherer Arbeitssicherheit verbunden. Dieses Verfahren wurde dreißig Jahre lang angewendet.

Schrämsäge

Riesige Schrämsäge für Vertikalschnitte mit 3,3 Meter langem Sägeschwert im Übertageeinsatz. Foto: Francine Loegel.

Die zweihunderfünfzig Meter breite Steinwand in Rothbach ist sechzig Meter hoch, wobei nur die unteren sechs Meter von guter Steinqualität sind. Beim Übertageabbau müssen daher die über fünfzig Meter mächtigen darüberliegenden Schichten gesprengt und abgeräumt werden.

Während sich dieses Schuttmaterial, rund 150.000 Kubikmeter pro Jahr, früher erfolgreich verkaufen ließ, ist inzwischen die Nachfrage dramatisch zurückgegangen. Hätte man den Tagebau fortgesetzt, wäre man unter den Abraummassen sozusagen erstickt. Dieses Problem kannten auch die früheren Steingruben und dies war häufig der Grund, aus dem ein Steinbruch schließen musste.

Daher stellte die Carrière Loegel Rothbach im Mai 2012 auf den Abbau unter Tage um. Die Sandsteinblöcke werden jetzt in unterirdischen, Galerien genannten Stollen mit einem Querschnitt von 7 x 7 Metern mit zwei Schrämsägen abgebaut. Die Vorteile dieser neuen Abbaumethode sind vielfältig:

Kaum noch Abraum, keine Zerstörung der Natur an der Erdoberfläche, ganzjähriges Arbeiten unter Tage auch im Winter. Hinzu kommt, dass sich die Steinqualität von Wand zu Wand ständig ändert. Zuvor musste man, auch wenn die Steinqualität weniger gut war, trotzdem die ganze Wandhöhe abbauen, um sehen zu können, wie der Stein darunter ist.

Was bedeutet "Schrämen"?

Als Schrämen bezeichnet man im Bergbau das ursprünglich mit einem spitzen Schrämeisen und einem Hammer ausgeführte Meißeln eines Schram genannten schmalen Schlitzes.

In Steinbrüchen schneidet man mit modernen Schrämsägen ganze Blöcke aus der Wand. Mit Schrämmaschinen kann man nur Weichgestein sägen, beispielsweise Marmor, Kalkstein oder auch den Sandstein in Rothbach.

Inzwischen hat sich auch die Schreibweise Schrämmsäge (mit "mm") eingebürgert.

Mit den unterirdischen Galerien kann man einfach dem guten Stein folgen. Die Abbauarbeiten können mit dem neuen Verfahren als industrieller Prozess mit im Voraus kalkulierbaren Kosten optimiert werden.

Die in Rothbach eingesetzten Schrämsägen sind Fahrzeuge mit einer riesigen, mit Schneidkörpern aus Hartmetall und synthetischen Diamanten bestückten Kettensäge, die um ein mehrere Meter langes Schwert läuft. Die italienischen Maschinen der Marke "Fantini" haben relativ leise Elektro-Motoren und benötigen eine minimale Wartung. Eine Maschine ist für die Vertikalschnitte, die andere für die Horizzontalschnitte zuständig. Da der Sandstein in Rothbach sehr abrasiv ist, wurde eine zusätzliche Wasserzufuhr angebracht.

Die Carrière Loegel Rothbach liefert nicht nur Rohblöcke, Bodenplatten und Treppenstufen, sondern fertigt beispielsweise auch Schornsteine, Springbrunnen, Tröge und Grabsteine nach Maß. Fünfzig Prozent der Produktion gehen in den Export nach Deutschland, Schweiz, Luxemburg und Belgien.

Unter Tage

Seit 2012 baut die Carrière Loegel Rothbach den Sandstein mit zwei Schrämsägen unter Tage ab. Foto: Francine Loegel.

Stauferstelen

Diese beiden Stauferstelen stammen aus der Carrière Loegel Rothbach. Die Stele im fünfundzwanzig Kilometer entfernten Haguenau im Elsass (rechts) wurde 2006 eingeweiht. Zwei Jahre später wurde die Stele auf dem Trifels in siebzig Kilometer Entfernung in Rheinland-Pfalz enthüllt. Die Rohblöcke für die Trommeln dieser Stelen wurden noch mit dem Wasserstrahlverfahren aus dem Fels geschnitten. – Alle anderen Stauferstelen (Ausnahme: Hohenstaufen mit Apulischem Trani-Marmor) bestehen aus rahmweiß gebänderten Jura-Travertin aus dem mittelfränkischen Pappenheim.

Das Straßburger Münster (frz.: Cathédrale Notre-Dame) gehört zu den bedeutendsten Kirchen der europäischen Architektur- geschichte und ist einer der größten Sandsteinbauten der Welt. Es wurde 1176 bis 1439 aus rötlichem Vogesensandstein an der Stelle eines abgebrannten Vorgängerbaus aus dem 11. Jahrhundert errichtet. Die Kathedrale entstand zunächst im romanischen, dann im gotischen Stil und war mit ihrem 142 Meter hohen Nordturm bis 1874 das höchste Bauwerk der Menschheit. – Das Bild zeigt das romanische Südportal aus staufischer Zeit (um 1230).


Carrière de grès rouge de Rothbach - 360o-Panorama bei www.rothbach.com
Carrière de Rothbach - Kurzfilm bei YouTube
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