Stauferstele Reutlingen in der Planie?

Nach dem Spendhaus hat die Stadt einen weiteren Standort vorgeschlagen

Wie der Reutlinger General-Anzeiger am 5. Juli 2013 unter der Überschrift "Spende der Guhl-Söhne" berichtete, sollte die Stauferstele auf Grund eines Beschlusses des Verwaltungs- und Kulturausschusses ihren Platz vor dem Kunstmuseum Spendhaus finden. Ursprünglich war der Platz vor dem Tübinger Tor als Standort vorgesehen.


VON PETER KOBLANK (2016)

Ausschnitt aus der Broschüre des Komitees der Stauferfreunde Stauferfreunde stiften Stauferstelen (2014), S. 71.

Vermutlich um 1180 erhielt Reutlingen von Kaiser Friedrich I. Barbarossa das Marktrecht. Zwischen 1220 und 1240 wurde es von dessen Enkel, Kaiser Friedrich II., zur Reichsstadt erhoben. Nachdem Papst Innozenz IV. den Kaiser für abgesetzt erklärt hatte hielten die Reutlinger den Staufern die Treue. Gegenkönig Heinrich Raspe von Thüringen belagerte im Jahr 1247 Reutlingen ohne Erfolg. Der Überlieferung zufolge begannen die Reutlinger nach dieser überstandenen Belagerung mit dem Bau der Marienkirche, die 1343 fertiggestellt wurde.

Die beiden Stifter wollen mit der Stele an ihren Vater, den früheren Reutlinger Finanzbürgermeister Karl Guhl (1920-2008), erinnern.

Wie aus der Beschlussvorlage 13/071/01 Aufstellung einer "Stauferstele" in Reutlingen des Kulturamts der Stadt Reutlingen vom 17. April 2013 hervorgeht, hatte die Verwaltung im Vorfeld drei in Frage kommende Standorte geprüft.

Der vorgeschlagene und von der Verwaltung als grundsätzlich geeignet erachtete Standort am Hotel-Restaurant Achalm scheide aufgrund mangelnden historischen Bezuges aus.

Der Standort Ecke Kloster-/Kanzleistraße sei nach Ansicht des Komitees der Stauferfreunde nicht geeignet wegen dort vorhandener Bäume, deren Chlorophyllniederschlag erfahrungsgemäß die Steinoberfläche der Stele beeinträchtigt. Zudem müsste dort eine Litfaßsäule und ein Hinweisschild versetzt werden.

Die zuletzt erwogenen Alternativen ließen den Platz vor dem Tübinger Tor geeignet erscheinen, zumal hier der historische Zusammenhang zur Belagerung der Stadt durch die Truppen des Staufergegners Heinrich Raspe besonders augenfällig sei.

Ursprünglich war 2013 ein Standort vor dem Tübinger Tor (links) geplant, das aus der Stauferzeit stammt und 1247 Zeuge der Verteidigung der Stadt gegen Heinrich Raspe war. Der Verwaltungs- und Kulturausschuss entschied sich damals jedoch für den Platz an der Lederstraße vor dem Kunstmuseum Spendhaus (rechts), einem ehemaligen Fruchtkasten aus dem 16. Jahrhundert, wo im Oktober 2016 eine Baustelle war.

Wie der Reutlinger General-Anzeiger berichtete, wurde vom Verwaltungs- und Kulturausschusses jedoch ein anderer Standort gewählt, der vor dem Kunstmuseum Spendhaus. Das Stadtarchiv sollte den Inschriftentext mit dem Komitee der Stauferfreunde abstimmen und die Stauferstele im Laufe des Jahres 2013 dort aufgestellt werden.

Seit 2013 hat man von diesem Projekt nie mehr etwas gehört.

Keine Reaktion auf neues Standortangebot

Der Kirchbrunnen neben der Marienkirche wurde 1561 errichtet. Er erinnert an Kaiser Friedrich II., der Reutlingen zwischen 1220 und 1240 zur Reichsstadt erhob.

Wie Kulturamtsleiter Dr. Werner Ströbele am 17. Oktober 2016 auf Anfrage mitteilte, habe man dem Komitee der Stauferfreunde inzwischen einen weiteren Standort für die Säule angeboten. Es handele sich um einen Platz in der Planie auf der Höhe der Kaiserstraße.

Eine Reaktion auf dieses schriftliche Angebot vom 2. Juli 2015 an Dr. Gerhard Raff sei, auch nach dem Versuch einer telefonischen Kontaktaufnahme, nicht erfolgt.

Frühere Standortangebote seien an den hohen Anforderungen des Komitees gescheitert, andere wünschenswerte Plätze kämen nicht in Frage, weil Leitungsverläufe die Platzierung der Steinsäule nicht erlaubten.

Im Übrigen habe Reutlingen, was die Erinnerung an die Staufer anbelangt, mit der Marienkirche, deren Bau aus Dank für den Sieg der Stadt über die Stauferfeinde begonnen wurde, ein schönes bauliches Denkmal. Neben der Marienkirche, so Kulturamtsleiter Dr. Ströbele, erinnert der Friedrichbrunnen an den Stauferkaiser Friedrich II. als Stadtgründer.

2015 wurde die Planie als Stelenstandort vorgeschlagen. Im Vordergrund steht am südlichen Ende der Planie ein Denkmal für den in Reutlingen geborenen Hermann Kurz (1813-1873), einen Schriftsteller der Schwäbischen Dichterschule. Bei den drei Personen und dem Auto kreuzt die Kaiserstraße. Rechts von dem Kind würde die Stele diesseits der Straße stehen. Weiter hinten steht jenseits der Kaiserstraße ein Denkmal für Kaiser Wilhelm I. (1797-1888).

Auf diesem Panoramafoto sieht man links das Kaiser-Wilhelm-Denkmal und blickt rechts über die Kaiserstraße in umgekehrter Richtung zum obigen Bild nach Süden. Die Stauferstele würde auf der gegenüberliegenden Seite der Straße in der Grünanlage stehen. – Hierzu hat sich nach Auskunft des Reutlinger Kulturamtsleiters das Komitee der Stauferfreunde seither nicht geäußert.

Wie Jan Höness am 20. Dezember 2016 im Reutlinger General-Anzeiger berichtete, besteht in der Planie eine ähnliche Problematik wie an der Ecke Kloster-/Kanzleistraße: Der Chlorophyllniederschlag der Bäume würde die Stele beschädigen. Hinzu komme laut einem Stauferfreund, der namentlich nicht genannt werden wolle, dass das Komitee sehr hohe Standortansprüche habe. Dies habe auch in anderen Städten wie Rottweil und Augsburg zu Stillstand oder im Falle von Würzburg sogar zum Scheitern des Projekts geführt. Das Komitee der Stauferfreunde lege Wert darauf, dass die Stelen an öffentlichkeitswirksamen Plätzen stehen, was in der Planie nicht gegeben sei. Er persönlich, so der besagte Stauferfreund, "würde keinen Cent in eine Stele dort fernab des Stadtzentrums investieren."

Jan Höness: Was ist aus der Reutlinger Stauferstele geworden? auf gea.de

Geplante Stauferstelen

stauferstelen.net