Siegel von Haguenau

Siegel von Haguenau

   Stauferstele

Siegel von Haguenau mit einem Motiv, das von 1237 bis 1618 verwendet wurde. Es zeigt eine Burg mit drei Türmen und einem Adler auf dem mittleren Turm. Die Umschrift lautet: SIGILLUM CIVITATIS HAGENOVIE (Siegel der Stadt Hagenau).

Auf Grund dieses Siegels, das auf der Stauferstele als eines der vier Wappen dargestellt ist, nahm man früher an, dass die Pfalz in Haguenau achteckig gewesen sei. Oktagonale Konstruktionen haben ja in der Stauferzeit eine gewisse Rolle gespielt, wie nicht zuletzt das Castel del Monte in Apulien zeigt. Forschungen im 20. Jahrhundert haben jedoch gezeigt, dass die Bauten der Pfalz von Haguenau ein unregelmäßiges Polygon um einen dreieckigen Innenhof herum bildeten.

Siegel haben die Aufgabe, die Echtheit des damit verbundenen Schriftstücks garantieren.

Die stark vergrößerte Darstellung des Haguenauer Siegels zeigt die hohe Kunstfertigkeit der mittelalterlichen Petschierer, die das Petschaft zur Herstellung eines derartigen Wachssiegels herstellten. Ein Petschaft ist ein Stempel aus einem harten Material, in das das Negativ des Siegels eingraviert ist. Es wird in eine weiche Masse (im Mittelalter Wachs, später auch Siegellack) gedrückt. Den Päpsten und Kaisern vorbehalten waren Metallsiegel, die sogenannten Bullen aus Gold, Blei oder seltener aus Silber. In der Stauferzeit hatten die meisten Siegel einen Durchmesser zwischen fünf und acht Zentimetern.

Das heutige Wappen von Haguenau stellt aber nicht mehr eine Burg, sondern eine Blüte des Fingerkrauts dar. Auf der Stele ist es mit Halbkreisen umgeben dargestellt, wie auf einem alten Siegel.

Altes Wappen von Haguenau

Fingerkraut und Stauferstele

Fingerkraut ist ein Rosengewächs, das es in verschiedenen gelben und weißen Varianten gibt. Hier das weiße Felsen-Fingerkraut (Potentilla rupestris), auch Stein-Fingerkraut genannt. – Rechts sieht man die Stele am ursprünglichen Platz in der Rue de la Moder, hier von Norden aus fotografiert. Im Hintergrund die Ancienne Douane, das alte Zollhaus aus dem 16. Jahrhundert. Foto: Hans-Wolfgang Bächle.

Urkunden, Siegel und Petschaft

Mittelalterlichen Urkunden, Siegel und ein Petschaft etwa in Originalgröße.

Siegel von Barbarossa

Siegel von Friedrich I. Barbarossa als weiteres Beispiel der Kunstfertigkeit der Petschierer. Ebensowenig wie das Siegel von Haguenau mit der achteckigen Burg die Realität abbildet, hat dieses Siegel den Anspruch, das tatsächliche Aussehen Barbarossas naturgetreu wiederzugeben. Es geht nur darum, dass eine auf einem Thron sitzende Figur - auf diesem Siegel mit einem deutlich ausgeprägten Vollbart - die Symbole der kaiserlichen Macht präsentiert: Krone, Pendilien (Edelsteingehänge auf der Krone und seitlich vom Kopf), Reichsapfel und Zepter. Die Umschrift lautet: FREDERIC(US) DEI GR(ATI)A ROMANO(RUM) IMPERATOR (ET SEMPER) AUG(USTU)S (deutsch: Friedrich dank Gottes römischer Kaiser (und immer) Erhabener).

Die großen Bilder der Siegel von Haguenau und Barbarossa sowie das Bild mit den mittelalterlichen Urkunden und Siegeln stammen vom Musée du Sceau Alsacien in La Petit Pierre.


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