Ausgrabungen auf dem "Burren" bei Wäschenbeuren
(Kr. Göppingen)

Von Hartwig Zürn, Stuttgart.
Mit 4 Textabbildungen und Tafel I und K

Der "Burren", ein mittelalterlicher Burgstall, liegt 1 km nordöstlich vom Ort und 0,5 km westlich vom Wäscherhof auf einer flachen Kuppe, dem "Burglauch", Parzelle 1647. Er hat in der Forschung eine Rolle gespielt, als man zunächst versuchte, ihn für römisch zu halten und ihn in eine vom Hohenstaufen nach Lorch verlaufende Limeslinie einbaute1. Später wird er in der Erörterung der Herkunft des Hohenstaufengeschlechts im Zusammenhang mit dem Wäscherschloß und dem Hohenstaufen immer wieder genannt2. Um die Geschichte des "Burren" zu klären, veranlaßte der Göppinger Geschichts- und Altertumsverein eine Untersuchung, mit der das Staatliche Amt für Denkmalpflege in Stuttgart beauftragt wurde. Die Grabung wurde durchgeführt in der Zeit vom 21. bis 30. Oktober 1957. Der Ausdehnung der Grabung waren von vornherein gewisse Schranken gesetzt, erstens durch die Rücksichtnahme auf das mit Obstbäumen bepflanzte Grasgut, zweitens durch die zur Verfügung stehenden begrenzten Geldmittel. Es wurden daher drei je 2 m breite Schnitte in den Hügel gelegt, um so auf möglicherweise vorhandene Mauerreste zu stoßen (Abb. 2, Schnitt 1–3).

Der "Burren" tritt uns heute entgegen als viereckiger Hügel, der etwas über seine Umgebung hinausragt. Seine Oberfläche ist quadratisch und mißt 18 auf 18 m. Um diesen Hügel zieht ein noch stattlicher Graben von teilweise über 3 m Tiefe (Taf. I, 1). Um den Außenrand des Grabens verläuft ein stellenweise noch sichtbarer, aber stark verflachter Außenwall. Der Durchmesser der Gesamtanlage (Abb. 1) betrug etwa 75–80 m.

Auf dem Hügel wurde Mitte des 18. Jahrhunderts von einem Obervogt Sauer ein turmähnliches Gebäude errichtet, das 1861 auf Abbruch zum Verkauf kam. Es ist auf dem Primärkatasterblatt aus dem Jahre 1827 mit zwei Gärten davor noch eingetragen. Dazu dürfte wohl ein Brunnen gehören, der jetzt zugeschüttet ist, der aber im Südgraben direkt westlich neben der Erdbrücke lag, die heute über den Graben zum Hügel führt. Durch die 3 Schnitte konnten die Grundzüge der Baugeschichte des "Burren" im wesentlichen geklärt werden, wenn auch manchen Einzelheiten infolge der beschränkten Grabungsmöglichkeiten nicht mehr nachgegangen werden konnte. Abgesehen von dem um die Mitte des 18. Jahrhunderts errichteten neuzeitlichen Gebäude wurden 2 Bauperioden festgestellt.

Abb. 1. Wäschenbeuren (Kr. Göppingen). "Burren".

Die erste bauliche Anlage steckt 1,8 m unter der heutigen Grasnarbe des Burghügels. Sie wurde in Schnitt 2 angetroffen. Auf dem Grund des Grabens zeigte sich ein gemörteltes Mauerfundament, bestehend aus großen, nicht behauenen Stubensandsteinbrocken, es waren darunter aber auch Angulaten- oder Personatensandsteine. Die Fugen und Lücken waren mit kleineren Steinen ausgefüllt. Erhalten war nur die unterste Lage der Mauerung (Taf. I, 2), die der alten ehemaligen Geländeoberfläche, einem gelben Lehm, auflag. Die Stärke des Fundaments, das durch den Graben 2 schräg geschnitten wurde, betrug 1,5 m. Hier handelt es sich sicher um das Fundament eines Turms, der auf dem Plan Abb. 2 mutmaßlich ergänzt eingezeichnet wurde. Andere bekannte Anlagen berechtigen zu einer solchen Ergänzung. Als Maß für den Turm – 8 auf 8 m – ist der Befund in einem ähnlichen, jetzt verebneten Burgstall bei Grötzingen (Kr. Nürtingen) zugrunde gelegt3. Dort fanden sich ebenfalls die Fundamentreste eines quadratischen Turmes bei einer Mauerstärke von 1,5 m. An die Innenseite der Mauer, im Turminneren, schloß sich eine dichte Pflasterung aus kleinen, faust- bis kopfgroßen Steinen an. An der Profilwand dieses Grabschnittes 2 (Abb. 3), zwischen den Punkten A–B, zeigte sich 3 m vor dem Turm eine deutliche Grabeneintiefung, die in die gelbe Lehmschicht der alten Oberfläche eingeschnitten war. Es ist der alte Burggraben, der den Turm in geringem Abstand umzog. An der Außenkante des Grabens (E) wurde ein schwarzer, kohliger Streifen sichtbar, der sich bogenförmig auf die Grabenböschung legte. Es handelt sich hier um die Überreste einer Holzpalisade, die, am Grabenrand eingesetzt, den Turm umgab. Diese Palisade wurde auch in Schnitt 1 angetroffen. Hier steckte an der Außenkante des Grabens ein vermoderter, aber noch nicht völlig vergangener Pfahl. Der ungefähre Verlauf des Grabens (Abb. 2) wurde durch Bohrungen festgestellt. An der Westseite des Grabens heben sich zwei horizontale,

Abb. 2. Wäschenbeuren (Kr. Göppingen). "Burren". Grabungsplan.

anscheinend ehemalige Oberflächenhorizonte ab (C und D), der ursprüngliche Graben scheint zunächst etwas angefüllt worden zu sein, blieb dann wiederum einige Zeit in diesem Zustand, ehe er dann im Zuge der Aufschüttung des Burghügels völlig überdeckt wurde.

Aus diesem Befund ergibt sich folgendes Bild für die Erstanlage: An der südlichen Kante der flachen Anhöhe, auf der der heutige Burghügel liegt, wurde ein massiver Turm erstellt, ohne daß für ihn eine künstliche Erhöhung geschaffen worden wäre. In geringem Abstand zog ein viereckiger, nur wenig tiefer Graben, an dessen Außenrand eine Palisade errichtet wurde, um den Turm. Die Anlage hatte von Palisade zu Palisade einen Durchmesser von 18–19 m. Auffällig erscheint der unbedeutende Graben von nur 60 cm Tiefe und einer Breite von etwa 1,5 m, der ja keinen wehrhaften Charakter mehr trägt. Wahrscheinlich diente er samt der Palisade nur als Umzäunung und Abgrenzung nach außen. Sicherheit und Schutz gegen einen Angriff bot lediglich der massive Turm, dessen Eingang nach anderen Parallelen mehrere Meter über dem Boden lag. Was die Ursache für die Aufgabe dieser Erstanlage war, ergab sich aus der Grabung nicht. Im Grabenschnitt 2 waren in diesem Horizont keine Anzeichen von Brandschutt vorhanden, so daß die Vermutung besteht, der Turm sei vor Errichtung der jüngeren Anlage bis auf die letzte Lage abgebrochen worden. Die Steine sind wohl für den geplanten jüngeren Bau verwendet worden.

Tafel I. Abb. 1. Westseite des "Burren" mit Graben davor. – Abb. 2. Fundament vom Turm 1.

Tafel K. Abb. 1. Fundament vom Turm 2. – Abb. 2. Fundament des Gebäudes aus dem 18. Jahrhundert.

Bevor wir zur Beschreibung der jüngeren Anlage kommen, sei zum besseren Verständnis einiges über die Beschaffenheit des Geländes gesagt. Die Oberfläche bildet, nach einer Humusschicht, ein gelbes Lehmpaket ungleicher, aber von mindestens 1 m Mächtigkeit. Auf dieser war der Turm 1 errichtet worden, und in diese war dessen Graben eingeschnitten. Unter diesem gelben Lehm folgt nach einer Übergangszone ein grauer Lehm, er wurde auf der Sohle des Turmgrabens gerade noch angeschnitten. Der durch die jüngere Anlage ausgehobene mächtige Graben schnitt nun durch die gelbe Lehmschicht hindurch und tief in den grauen Lehm hinein, mit dem nun einerseits die Erstanlage überdeckt und der Burghügel aufgeschüttet, andererseits aber auch vor dem Graben noch ein Außenwall aufgeworfen wurde. Letzterer ist im Gelände nur noch schwach sichtbar, läßt sich aber überall bei Bohrungen nachweisen, in dem hier primär tiefer liegender grauer Lehm auf gelbem Lehm der ursprünglichen Oberfläche lagert. So liegen am Außenrand des nördlichen Burggrabens noch 60 cm grauer Lehm über der gelben Lehmschicht. Der größte Teil des Materials vom Außenwall dürfte jetzt im Burggraben liegen, denn die Sohle des Grabens lag ursprünglich, wie Bohrungen erwiesen, mindestens 1 m tiefer wie heute. Der Burggraben muß also zu Anfang eine Tiefe von mindestens 4 m besessen haben.

Dem Bau des Turms der jüngeren Anlage (Turm 2, Abb. 2) ging die Aushebung des viereckigen, heute sichtbaren Grabens voraus, dessen Aushub zur Aufschüttung des Burghügels von 18 auf 18 m Oberfläche und des Außenwalles diente. Der Burghügel hat sich gegenüber der alten Anlage etwas nach Nordwesten verschoben. Die Aufschüttung der Erstanlage betrug im Maximum nahezu 2 m. Wie im Profil A–B in Schnitt 2 (Abb. 3) ersichtlich ist, sind der grauen Lehmschüttung verschiedene Holzkohlenhorizonte und auch eine Brandschuttschicht eingelagert. Einer dieser Holzkohlenhorizonte hatte oberhalb des Grabens der Erstanlage auch eine Brandstelle (F) mit rot gebrannten Angulatensandsteinen; in der Asche der Brandstelle lagen Teile eines Topfes (Abb. 4). Bei diesen Brandstellen handelt es sich sicher um Überreste von Feuern, die während der Aufschüttung dann und wann angezündet worden waren. Am Nordrand des aufgeschütteten Burghügels wurde dann ein Turm (Turm 2) erstellt, dessen Westseite mit beiden Ecken in Schnitt 1 angetroffen wurde (Taf. K, 1). Die Nordseite wurde wenigstens bis zur obersten Steinlage freigelegt. Da auch die Nordostecke des Turms noch festgelegt werden konnte, waren die Ausmaße des Turms gegeben. Er ist quadratisch, mit 6,7 m Seitenlänge, und die Fundamentstärke beträgt 0,7 m. Sie ist also um die Hälfte schmäler wie bei Turm l.

Abb. 3. Wäschenbeuren (Kr. Göppingen). "Burren". Profil A–B in Schnitt 2

Vielleicht mag der Grund darin liegen, daß diese Anlage einen mächtigen Wehrgraben besaß, der dem Turm schon eine gewisse Sicherheit verlieh und man deshalb auf besonders dicke Mauern verzichten zu können glaubte. Das Fundament war noch mehrere Lagen hoch gut erhalten und lag nur einen Spatenstich tief unter der Grasnarbe. Eine bautechnisch interessante Beobachtung konnte an der Nordwestecke des Turmes gemacht werden. Der Turm war auf den grauen, aufgeschütteten Lehm aufgesetzt und das Fundament nur wenig eingetieft. Da der Standfestigkeit des Lehms nicht zu trauen war, setzte man die Nordwestecke des Turmes auf einen aus größeren Steinplatten gemauerten Fundamentklotz von 1,2 auf 1,6 m auf. Die Basis dieses Klotzes lag noch 0,5 m tiefer wie die des Turmfundamentes und saß der ehemaligen alten Oberfläche und somit festem Boden auf. Im westlichen Teil des Schnittes 2 wurde noch die Ecke eines schmalen, einschichtigen Fundamentes angetroffen, der Verlauf dieses Mauerzuges wurde nur oberflächlich verfolgt (Taf. K, 2). Es handelt sich um ein neuzeitliches Mauerwerk, und zwar um das Fundament des um die Mitte des 18. Jahrhunderts errichteten Gebäudes. Es saß in der Hauptsache auf dem Fundament des Turmes 2, war aber nach Süden um 1,8 m erweitert worden. Was das Ende des Turmes 2 und damit der Burg herbeiführte, konnte die Grabung nicht erbringen.

Abb. 4. Wäschenbeuren (Kr. Göppingen). M. 1:4.

Die Funde, die bei der Grabung gemacht wurden, sind sehr spärlich. Auf dem Fundament und in dem Horizont des Turmes 1 lagen nebst halbrunden Ziegelbrocken einige kleinere Stücke von zylindrischen Ofenkacheln. Weitere Scherben stammen aus der Brandstelle in der Aufschüttung und kamen in dem Schnitt 2 zum Vorschein (bei F). Es handelt sich um Scherben von weißtonigen und hellroten zylindrischen Ofenkacheln, Boden und einige Wandscherben eines rötlichgrauen Topfes und einige Ziegelbrocken. Außerdem fand sich ein grauer Topf von 20 cm Höhe mit umgelegtem Rand (Abb. 4), er konnte größtenteils zusammengesetzt und ergänzt werden und zeigt bereits gotisches Profil. Da er in der Aufschüttung, also zwischen Turm 1 und 2, gefunden wurde, ergibt sich wenigstens für Turm 2 eine zeitliche Untergrenze. Häufig waren glasierte Scherben des 18. und 19. Jahrhunderts; sie gehören zu dem neuzeitlichen, um die Mitte des 18. Jahrhunderts errichteten Gebäude. Auch eine kleine Münze, ein württembergischer Kreuzer von 1758, auf der Vorderseite Karl Eugen (1744–1793), gehört dieser Besiedlungsperiode an.

In großen Zügen konnte die Baugeschichte des "Burren" geklärt werden. Der erste Turm ist wohl in romanischer Zeit errichtet worden, er war rings von einem Graben mit Holzpalisade umgeben. Bei Errichtung der Zweitanlage, sie kann erst in gotischer Zeit erfolgt sein, wurde ein stattlicher viereckiger Graben ausgehoben und mit dem Aushub ein Hügel und vor dem Graben ein Wall aufgeschüttet. Auf dem Hügel wurde der Turm 2 erstellt. Da er so dicht an den Nordrand des Burghügels herangerückt ist und deshalb noch eine größere freie Fläche auf dem Hügel bleibt, möchte man vermuten, daß auf dieser außerdem noch irgendwelche Holzbauten standen. Wie lange der Turm 2 bestanden hat und wann er abgegangen ist, konnte nicht geklärt werden; es haben sich bei der Grabung keine Anhaltspunkte dafür ergeben.

Anmerkungen

1.  H. Ludwig: Neue Untersuchungen über den Lauf des römischen Grenzwalls vom Hohenstaufen bis zur Jagst (1877/78).
2.  P. Kaisser: Wäscherschloß und Wäscherhof bei Wäschenbeuren (1953).
3.  Veröff. des Staatl. Amtes für Denkmalpflege, Stuttgart. Reihe A, Vor- und Frühgeschichte, Heft 1. H. Zum: Die vor- und frühgeschichtlichen Geländedenkmale und die mittelalterlichen Burgstellen des Stadtkreises Stuttgart und der Kreise Böblingen, Eßlingen und Nürtingen (1956), 32, Taf. XXII, 2.

Hartwig Zürn: Ausgrabungen auf dem "Burren" bei Wäschenbeuren (Kr. Göppingen). In: Württembergischer Geschichts- und Altertumsverein (Hrsg.): Fundberichte aus Schwaben, Neue Folge 15, Stuttgart 1959, S. 110-115


Wäschenbeuren

1. (FK NO 2542; Top. K. 7224) 1,1 km NO liegt auf der Flur "Burglauch", Pkt. 450,0, Parz. 1647 (Besitzer Diözese Rottenburg), ein gut erhaltener Burgstall, "Burren" genannt. Der viereckige, 18 auf 18 m messende Burghügel wird von einem teilweise noch 3 m tiefen Graben umgeben. Um den Graben läuft ein verschleifter Außenwall. Gesamtdurchmesser der Anlage 75 bis 80 m. Eine Untersuchung durch das St. A. f. D. im Jahre 1957 ergab zwei Bauperioden der romanischen und gotischen Zeit.

Lit.: OAB Welzheim 256 – Königreich Württbg. III 538 – Fundber. aus Schwaben 5, 1897, 18 – Bl. d. Sdiwäb. Albvereins 40, 1928, 326 ff. (ohne Verfasser) – J. Illig 1924, 190 ff. – P. Kaisser 1953 – K. Kirschmer 1957 – H. Zürn 1958; 1959, 110 ff.

2. (FK NO 2543; Top. K. 7224) 1,75 km NO vom Ort und 0,25 km 0 vom Wäscherhof liegt das "Wäscherschlößchen", auf der Spitze einer nach NO gerichteten Höhenzunge und im N an eine Schlucht angelehnt (Parz. 1357, Staat). Das noch vollständig erhaltene "Schlößchen" mit Mauer wird nach W durch einen tiefen Halsgraben und 1,5 m hohen Wall davor gesichert. Der nördliche Teil des Walls ist durch Steinbruchbetrieb zerstört. Der Graben verläuft auch im S und 0 der Burganlage.

Lit.: OAB Welzheim 252 – Königreich Württbg. III 538 – Fundber. aus Schwaben 5, 1897, 17 – Bl. d. Schwäb. Albvereins 40, 1928, 320 ff. (ohne Verfasser) – J. Illig 1924, 186 ff. – P. Kaisser 1953 – F. Keller 1936 (l), 79 ff.; 1936 (2), 357 f. – W. Lorch 1937, 129 ff. – Rink 1824, 170 ff. – L. Schmid 1892, 162 f.

3. (FK NO 2341, 2342; Top. K. 7224) 1,5 km SSO liegt die Flur "Burghalde". Hinweis auf ehemalige Burg?

Hartwig Zürn: Die vor- und frühgeschichtlichen Geländedenkmale und die mittelalterlichen Burgstellen der Kreise Göppingen und Ulm. Stuttgart 1961, S. 13.


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